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19. August 2017

Energie

Erdgas ist so günstig wie zuletzt 2005

Die Preise für Erdgas sind in Deutschland auf den Stand vom Herbst 2005 gefallen. Das hat das Internetvergleichsportal Verivox ermittelt. Auch mittelfristig können sich die Mieter und Eigentümer, deren Häuser und Wohnungen mit Gas beheizt werden, auf sinkende Preise einrichten.

  1. Blau und billig – Kochen mit Erdgas. Noch mehr profitiert allerdings, wer mit Gas heizt. Foto: dpa

HAMBURG. "Das Gasangebot ist groß und neue Akteure wie zum Beispiel die USA drängen auf den Markt", sagte Mathias Köster-Niechziol, Verivox-Energieexperte.

Bei einem Preis von 5,76 Cent je Kilowattstunde beträgt die Jahresrechnung für einen Haushalt mit Gasheizung und einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden laut Berechnungen von Verivox aktuell 1152 Euro. Das Portal Check 24 kommt mit einer etwas anderen Berechnung auf 1193 Euro für die gleiche Menge. Gas sei um mehr als vier Prozent günstiger als vor einem Jahr. Im Zeitraum von vier Jahren sei der Preis sogar um 16 Prozent gefallen. Im August 2013 lagen die Jahreskosten bei 1368 Euro.

Tatsächlich sind die Gaspreise heute deutlich stärker vom Weltmarkt geprägt als noch vor zwölf Jahren. Die Lieferantenstruktur hat sich zwar noch nicht wesentlich verändert. 40 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases kommen aus Russland, der Rest überwiegend aus den Niederlanden (29 Prozent) und Norwegen (21 Prozent). Das liegt auch an dem vorhandenen System von Pipelines. Die Abhängigkeit von Erdgas aus Russland könnte sich noch erhöhen, wenn sich die Kapazität der Ostsee-Gasleitung Nordstream verdoppelt.

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Andererseits könnte verflüssigtes Erdgas (LNG) eine wachsende Rolle spielen. Die Bemühungen um einen LNG-Importterminal in Brunsbüttel in Schleswig-Holstein sind weit gediehen; gegenwärtig entsteht eine Machbarkeitsstudie. LNG facht den Wettbewerb an, weil es ohne Pipelines mit großen Tankschiffen geliefert wird, etwa aus Katar. Es kann nicht nur in das Gasnetz eingespeist, sondern auch als Treibstoff für Schiffe oder Lkw verwendet werden. Der Gasverbrauch in Deutschland wächst, im ersten Halbjahr um drei Prozent.

"Im Jahr 2005 waren noch über 70 Prozent der Verträge im Gasgroßhandel in Nordwesteuropa an den Ölpreis gebunden", sagte Köster-Niechziol. "Inzwischen liegt ihr Anteil unter zehn Prozent." Und damit schwanken die Preise mit dem Weltmarkt für Erdgas, und nicht mehr mit dem Ölpreis. Allerdings ist hier beim Gaspreis noch Luft nach unten. Im Fünf-Jahres-Vergleich ist der Preis an den Spotmärkten um 36 Prozent gefallen, der Übergangspreis an der deutschen Grenze sogar um 45 Prozent. Beim Verbraucher angekommen ist davon nur ein Drittel.

Für den Verbraucher ist entscheidend, wie hoch sein Endverbraucherpreis ist. Da raten die Vergleichsportale – wie es ihrem Geschäftszweck entspricht – zum Vergleichen. "Gasversorger haben einen deutlich größeren Spielraum bei der Preisgestaltung als Stromversorger und können die sinkenden Beschaffungskosten an den Verbraucher weitergeben", sagte Oliver Bohr, Geschäftsführer Energie bei Check 24. "Gaskunden profitieren von einem intensiven Wettbewerb der Anbieter." Seit 2010 habe sich die Preiskluft zwischen den Grundversorgern, die in einer Region Marktführer sind, und den anderen Anbietern verdoppelt. Zwischen dem billigsten und dem teuersten Anbieter können mehr als 300 Euro Unterschied bestehen.

Autor: Eckart Gienke (dpa)