Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
16. Juli 2010 13:20 Uhr
Es ploppt und zischt wieder
Die Getränkedose ist zurück - Umweltschützer entsetzt
Seitdem im Jahr 2003 das Zwangspfand für Einweggetränkeverpackungen eingeführt wurde, war die Getränkedose vom Markt verschwunden. Seit einigen Wochen steht sie jedoch wieder in den Läden.
Umweltschutzorganisationen sind entsetzt. Getränkedosen seien nach wie vor die ökologisch unvorteilhafteste Verpackungsart. Während der Fußball-Weltmeisterschaft war das typische Plopp-Zisch beim Öffnen einer Bierdose plötzlich wieder zu hören. Denn die tot geglaubte Verpackung erlebt derzeit eine Renaissance. An der Spitze der Bewegung stehen die Discounter Netto und Penny, die das Dosenbier und die Cola-Dose vor einigen Wochen im großen Stil in die Regale zurückgeholt haben.
Werbung
"Mit gutem Gewissen zugreifen: Die Getränkedose schont Klima und Umwelt" – Mit diesem Satz werben die Hersteller derzeit für das Comeback der Dose. Im Vergleich zu früher sei die Getränkedose inzwischen "ökologisch auf Augenhöhe mit Mehrwegflaschen". Begründet wird diese Aussage mit einer Studie des renommierten Ifeu-Instituts aus Heidelberg.
In dieser Untersuchung stellen die Wissenschaftler tatsächlich fest, dass die Dose unter bestimmten Voraussetzungen Vorteile bringt. Allerdings: Das Institut hat die Studie im Auftrag der Getränkedosenindustrie auf Grundlage von deren Daten verfasst und stellt selbst fest, dass "eine kritische Begutachtung nicht durchgeführt wurde". Insofern sei die Studie mit Vorsicht zu betrachten, sagt das Umweltbundesamt. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin spricht von einem Schönrechnen.
Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat etliche Argumente, warum die Studie zweifelhaft ist. So seien die Wissenschaftler beispielsweise davon ausgegangen, dass eine Mehrwegflasche nur bis zu zehn Mal wieder befüllt wird. Gerade kleinere Brauereien nutzten die Flaschen jedoch zum Teil mehr als 50 Mal, sagt DUH-Sprecherin Ulrike Fokken.
Auch die angenommenen Transportentfernungen seien realitätsfremd, auch wenn immer mehr Biersorten in ganz Deutschland verkauft werden. "Nicht jede Flasche ist 400 Kilometer unterwegs", sagt Fokken. Gerade bei längeren Strecken schneidet jedoch die Dose wegen ihres geringeren Gewichts besser ab. Sarkastisch drücken es die Umweltschützer so aus: Man muss die Dose nur lang genug transportieren, damit sie umweltfreundlich wird. "Insgesamt betrachtet ist diese Art der Verpackung immer noch die mit Abstand ökologisch schlechteste", sagt Fokken.
Die Umweltschützer beobachten die Rückkehr der Getränkedose deshalb mit Schrecken. Die Deutsche Umwelthilfe hat ihre Forderung erneuert, Einwegverpackungen durch eine zusätzliche Abgabe zu verteuern und dadurch für den Verbraucher unattraktiver zu machen. Ohne "rigorose Vorgaben in der Verpackungsverordnung" sei der erneute Vormarsch der Dose nicht zu stoppen, meint Fokken. Dafür sei die Dose in der Herstellung zu billig und biete deshalb den Supermarktketten zu viele Vorteile.
Auch wenn der Absatz von Getränkedosen gerade rapide steigt – von den früheren Zahlen ist er noch weit entfernt. Vor dem Jahr 2003 wurden in der Bundesrepublik jährlich acht Milliarden Getränkedosen verkauft. Dies war abrupt vorbei, als die Bundesregierung ein Zwangspfand für Einweggetränkeverpackungen einführte. Für die Dose sind seitdem 25 Cent fällig. Damit erhoffte sie sich, dass wieder mehr Getränke in ökologisch vorteilhaften Mehrwegflaschen abgefüllt werden. Tatsächlich gebracht hat die neue Verordnung allerdings wenig. Die Mehrwegquote ist sogar noch weiter zurückgegangen.
- BZ-Debatte: Getränkedosen müssen boykottiert werden
- Erklär's mir: Was ist Recycling?
Autor: Beate Beule
