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16. Juli 2010 13:20 Uhr

Es ploppt und zischt wieder

Die Getränkedose ist zurück - Umweltschützer entsetzt

Seitdem im Jahr 2003 das Zwangspfand für Einweggetränkeverpackungen eingeführt wurde, war die Getränkedose vom Markt verschwunden. Seit einigen Wochen steht sie jedoch wieder in den Läden.

  1. Galt im Jahr 2003, als das Dosenpfand eingeführt wurde, als erledigt: die Getränkedose. Doch Totgesagte leben auch im deutschen Einzelhandel manchmal wieder auf. Foto: dpa

Umweltschutzorganisationen sind entsetzt. Getränkedosen seien nach wie vor die ökologisch unvorteilhafteste Verpackungsart. Während der Fußball-Weltmeisterschaft war das typische Plopp-Zisch beim Öffnen einer Bierdose plötzlich wieder zu hören. Denn die tot geglaubte Verpackung erlebt derzeit eine Renaissance. An der Spitze der Bewegung stehen die Discounter Netto und Penny, die das Dosenbier und die Cola-Dose vor einigen Wochen im großen Stil in die Regale zurückgeholt haben.

"Die Kundenresonanz liegt über unseren Erwartungen" Christina Stylianou
Penny startete den Versuch zunächst in Nordrhein-Westfalen, hat den Verkauf wegen der guten Resonanz inzwischen aber auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt. Mittlerweile bietet auch die zum selben Konzern gehörende Supermarktkette Rewe die Dose wieder an. Die Händler sind zufrieden – wie auch der Discounter Netto, der bundesweit in allen 4000 Filialen Bierdosen zum Preis von 29 Cent zuzüglich Pfand anbietet. "Die Kundenresonanz liegt über unseren Erwartungen", sagt Sprecherin Christina Stylianou. Die Verbraucher wollten die Dose, meint auch Penny-Pressesprecher Andreas Krämer – wegen der bessere Frische, der längeren Haltbarkeit und der bewährten Kult-Eigenschaften, wie er es nennt. Auch für das Unternehmen habe die Verpackungsform Vorteile. Dosen seien stabiler und leichter stapelbar.

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"Mit gutem Gewissen zugreifen: Die Getränkedose schont Klima und Umwelt" – Mit diesem Satz werben die Hersteller derzeit für das Comeback der Dose. Im Vergleich zu früher sei die Getränkedose inzwischen "ökologisch auf Augenhöhe mit Mehrwegflaschen". Begründet wird diese Aussage mit einer Studie des renommierten Ifeu-Instituts aus Heidelberg.

In dieser Untersuchung stellen die Wissenschaftler tatsächlich fest, dass die Dose unter bestimmten Voraussetzungen Vorteile bringt. Allerdings: Das Institut hat die Studie im Auftrag der Getränkedosenindustrie auf Grundlage von deren Daten verfasst und stellt selbst fest, dass "eine kritische Begutachtung nicht durchgeführt wurde". Insofern sei die Studie mit Vorsicht zu betrachten, sagt das Umweltbundesamt. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin spricht von einem Schönrechnen.

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat etliche Argumente, warum die Studie zweifelhaft ist. So seien die Wissenschaftler beispielsweise davon ausgegangen, dass eine Mehrwegflasche nur bis zu zehn Mal wieder befüllt wird. Gerade kleinere Brauereien nutzten die Flaschen jedoch zum Teil mehr als 50 Mal, sagt DUH-Sprecherin Ulrike Fokken.

Umweltschützer: Dosen sind ökologisch am schlechtesten

Auch die angenommenen Transportentfernungen seien realitätsfremd, auch wenn immer mehr Biersorten in ganz Deutschland verkauft werden. "Nicht jede Flasche ist 400 Kilometer unterwegs", sagt Fokken. Gerade bei längeren Strecken schneidet jedoch die Dose wegen ihres geringeren Gewichts besser ab. Sarkastisch drücken es die Umweltschützer so aus: Man muss die Dose nur lang genug transportieren, damit sie umweltfreundlich wird. "Insgesamt betrachtet ist diese Art der Verpackung immer noch die mit Abstand ökologisch schlechteste", sagt Fokken.

Die Umweltschützer beobachten die Rückkehr der Getränkedose deshalb mit Schrecken. Die Deutsche Umwelthilfe hat ihre Forderung erneuert, Einwegverpackungen durch eine zusätzliche Abgabe zu verteuern und dadurch für den Verbraucher unattraktiver zu machen. Ohne "rigorose Vorgaben in der Verpackungsverordnung" sei der erneute Vormarsch der Dose nicht zu stoppen, meint Fokken. Dafür sei die Dose in der Herstellung zu billig und biete deshalb den Supermarktketten zu viele Vorteile.

Auch wenn der Absatz von Getränkedosen gerade rapide steigt – von den früheren Zahlen ist er noch weit entfernt. Vor dem Jahr 2003 wurden in der Bundesrepublik jährlich acht Milliarden Getränkedosen verkauft. Dies war abrupt vorbei, als die Bundesregierung ein Zwangspfand für Einweggetränkeverpackungen einführte. Für die Dose sind seitdem 25 Cent fällig. Damit erhoffte sie sich, dass wieder mehr Getränke in ökologisch vorteilhaften Mehrwegflaschen abgefüllt werden. Tatsächlich gebracht hat die neue Verordnung allerdings wenig. Die Mehrwegquote ist sogar noch weiter zurückgegangen.

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Autor: Beate Beule