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12. August 2017

Ex-Sonnenkönig Frank Asbeck kauft seine Pleitefabriken

Deutschlands letzte große Solarfirma Solarworld bekommt noch eine Chance / Die Gläubiger machen den Weg frei / Katar investiert.

BONN/FREIBURG. Die deutschen Werke des seit drei Monaten insolventen Solarmodulbauers Solarworld dürfen mit neuem Eigner und einer auf 475 Beschäftigte heruntergefahrenen Belegschaft weiterarbeiten. Das billigte eine Gläubigerversammlung, teilte ein Sprecher des Insolvenzverwalters mit. Einschließlich der Zentrale in Bonn gehe die neue Gesellschaft mit 515 Mitarbeitern an den Start. An der Spitze steht der einstige Firmengründer Frank Asbeck. Das Geld für das Geschäft kommt aus Katar. Solarworld hatte Mitte Mai – unter Druck der Konkurrenz aus Asien – nach sechs Jahren mit roten Zahlen Insolvenz angemeldet.

Für weitere 1200 Beschäftigte, die an den Standorten im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt nicht mehr benötigt werden, wird eine Transfergesellschaft gegründet. Sie soll bis Februar 2018 Mitarbeiter qualifizieren und in neue Jobs vermitteln. Die Übernahme habe einen Gesamtwert von 96 Millionen Euro, hieß es aus Teilnehmerkreisen der nicht öffentlichen Sitzung. Am Freitag habe auch das Bundeskartellamt die Entscheidung genehmigt, teilte Asbeck mit.

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Der teilweise Erhalt des Betriebs sei auch wichtig für die deutsche Solarforschung, weil sie sonst ihre Anwendungsmöglichkeiten verloren hätte, sagte der Leiter des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme in Freiburg, Andreas Bett. "Ohne eigene Fertigung wären wir in ein paar Jahren abhängig von China."

In der Bonner Solarworld-Zentrale bleibt vorerst nur eine Abwicklungsmannschaft. Ohne die Zustimmung der Gläubiger hätten fast alle Beschäftigte freigestellt und später entlassen werden müssen. "Ich freue mich, dass es nach zähen Verhandlungen gelungen ist, wieder eine Zukunft für die Solarworld-Fertigungen zu entwickeln", erklärte Asbeck.

Insolvenzverwalter Horst Piepenburg hatte für die Entscheidung geworben: "Angesichts der komplexen Bedingungen der Solarindustrie ist das für die Gläubiger wirtschaftlich vernünftig und für die Standorte und Mitarbeiter die verantwortungsvollste Lösung." Nur so könnten sich die Gläubiger wenigstens einen Teil ihres Geldes sichern.

Nun übernimmt die neue Gesellschaft fast alle Anlagen, Vorräte und die Anteile an den Gesellschaften des Solarkonzerns mit Ausnahme der US-Gesellschaft. Sie soll voraussichtlich zugunsten der Konkursmasse verkauft werden. Damit fällt laut Experten das Risiko einer US-Schadenersatzklage von rund 700 Millionen Euro eines früheren Silizium-Lieferanten gegen Solarworld weg.

Autor: Rolf Schraa (dpa)