Frisches Geld für die Wirtschaft

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 16. Dezember 2018

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Neue Leiterin in der Bundesbank-Filiale Freiburg – Aufforderung an den Handel, mehr gegen Blüten zu tun.

Ohne Bundesbankfilialen würde der Wirtschaft das Bargeld ausgehen. Sie versorgen die Banken mit neuem Geld und nehmen vom Handel größere Barbeträge in Empfang. Die kurzlebigen Scheine werden maschinell auf ihre Qualität untersucht und schadhafte Noten aus dem Verkehr gezogen und vernichtet. Für das Aussortieren von Falschgeld sind noch Menschen zuständig. "Die erkennen jede Fälschung", sagt Birgit Schmedding (54), die seit dieser Woche die Freiburger Filiale mit ihren 55 Beschäftigten leitet. Sechs Jahre lang war die Münchnerin Stellvertreterin von Axel Bernett (61), der in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Vor allem 20er- und 50er-Scheine sind begehrte Fälschungsobjekte. Damit lasse sich schnell Wechselgeld einlösen, erklärt Schmedding. In der Freiburger Filiale tauchen täglich Blüten auf. Den Schaden trägt der Einzelhändler, der das Geld in Empfang genommen hat. Doch wer das Falschgeld im Umlauf lässt, macht sicht strafbar. Schmedding appelliert an den Handel, noch mehr in die Ausbildung ihrer Kassierer zu investieren, so dass sie Blüten besser erkennen. Sie sieht da durchaus noch Spielraum. Gut gemachte Fälschungen würden derzeit aus dem Raum Neapel oder übers Darknet in Umlauf gebracht, sagt die neue Filialleiterin. Mit der Einführung der neuen Euro-Serie sind die Fälschungen zwar vorübergehend zurückgegangen. Der Erfahrungswert zeigt jedoch, dass Fälscher immer eine gewisse Zeit benötigen, bis sie neue Scheine nachmachen können. Fälschungssichere Banknoten gebe es nicht, sagt Schmedding. Die neuen 100- und 200-Euro-Scheine komplettieren kommendes Jahr die Serie. In Baden-Württemberg gibt es sechs Bundesbankfilialen. Über die Freiburger Filiale versorgen sich auch die Schweizer Banken mit Euro-Noten. Weil Geldtransporte teuer sind, wählen sie den kürzesten Weg, und das ist Freiburg.

Schmedding hat nach dem Abitur ein duales Hochschulstudium bei der Bundesbank absolviert und ist seitdem bei dem Institut beschäftigt. Die zweifache Mutter lobte die Bundesbank bei ihrer Antrittsrede am Mittwoch als sehr guten und familienfreundlichen Arbeitgeber.

Immobilien sind in Freiburg überteuert

Bei seiner Ansprache zur Amtseinführung wies Bernhard Sibold, Chef der Bundesbank in Baden-Württemberg, auf die derzeitigen Risiken der Wirtschaft hin. Dazu zählt er den drohenden ungeordneten Brexit, die Folgen des Zinsanstieges in den USA für Schwellenländer, Produktionsausfälle in der deutschen Autoindustrie infolge neuer Emissionstestverfahren und einen Rückgang der Bautätigkeit. Im dritten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt auf minus 0,2 abgerutscht. Kritisch sieht Sibold zudem die hohen Schuldenstände einiger EU-Mitglieder. Mit den "früher oder später steigenden Zinsen" bekämen die hoch verschuldeten Länder ein ernstes Problem. Auch die Suche an den Finanzmärkten nach Rendite betrachtet der Finanzexperte mit Sorge. So seien deutsche Wohnimmobilien in städtischen Gebieten um 15 bis 30 Prozent überteuert. "Freiburg bewegt sich da eher am oberen Rand", fügte der Präsident der Bundesbank im Land hinzu.

Positiv bewertet Sibold die allmähliche Abkehr der Europäischen Zentralbank von ihrer "ultraexpansiven Geldpolitik". So seien im letzten Quartal des Jahres nur noch Staatsanleihen im Wert von 15 Milliarden Euro pro Monat aufgekauft worden. Zu Jahresbeginn war es noch die vierfache Menge. Im neuen Jahr sollen keine Anleihen mehr erworben werden. Allerdings sieht Sibold noch kein endgültiges Ende der lockeren Geldpolitik.

Klaus Riexinger