Ab 1. September

Für viele Neuwagen steigt die Kfz-Steuer

Wolfgang Mulke

Von Wolfgang Mulke

Di, 28. August 2018 um 20:30 Uhr

Wirtschaft

Viele, die nach dem kommenden Samstag ein Auto neu zulassen wollen, müssen sich auf eine höhere Kfz-Steuer einstellen. Grund ist der neue Abgastest WLTP, der zum 1. September verpflichtend wird.

Das Gute am neuen Abgastest WLTP ist, dass Autokäufer endlich realistische Angaben zum Spritverbrauch erhalten. Der Nachteil: Der reale Verbrauch ist in der Regel höher als der bisher ermittelte.

Bisher wird die Kfz-Steuer nach dem Hubraum und dem von den Zulassungsbehörden an den Zoll übermittelten CO2-Wert bemessen. Von Samstag an wird der Wert nach dem neuen WLTP-Standard ermittelt. Betroffen sind nur Fahrzeuge, die nach dem 1. September erstmals zugelassen werden. Für vorher schon einmal zugelassene Autos oder Kleintransporter ändert sich nichts.

Schätzungen über das Ausmaß der Mehrbelastung gehen auseinander. "Die Kfz-Steuer steigt um bis zu 70 Prozent", schätzt der ADAC. Das gilt nach Berechnungen des Auto Club Europa (ACE) aber längst nicht für alle Modelle. Einige Fälle wie der Subaru Outback stoßen nach dem neuen Testverfahren sogar weniger Kohlendioxid (CO2) aus als bisher gemessen. Für dessen Besitzer sinkt die Kfz-Steuer sogar. Das ist jedoch die Ausnahme.

Der ACE hat eine Beispielrechnung für den BMW 218i erstellt: Für Neuzulassungen dieses Modells müssen Halter demnach künftig 156 Euro statt bisher 104 Euro an den Fiskus abführen. Insgesamt bringt die Kraftfahrzeugsteuer dem Bund neun Milliarden Euro im Jahr ein. Autoexperte Ferdinand Dudenhöfer von der Uni Duisburg-Essen erwartet ein Mehraufkommen von 170 Millionen Euro.

Die große Änderung ist das ab Samstag zwingend vorgeschriebene Messverfahren WLTP. Die Abkürzung steht für "Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure", also ein weltweit harmonisiertes Testverfahren für leichte Fahrzeuge. Es bildet das Fahrverhalten deutlich besser ab als der alte Prüfstandard, der noch aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt. Bisher fuhren die Autos 20 Minuten auf dem Prüfstand – ohne große Temposprünge.

Künftig werden Abgase auch im Straßenverkehr gemessen

Künftig dauert die Prüfung 30 Minuten, in denen 23,3 Kilometer gefahren werden. Dabei werden auch hohe Geschwindigkeiten erreicht. Bei der Ermittlung des CO2-Werts für jedes Fahrzeug berücksichtigen die Techniker auch die Ausstattung. Darüber hinaus messen die Tester auch den Schadstoffausstoß, der im Straßenverkehr tatsächlich entsteht. Diese "Real Driving Emissions" (RDE) werden im Stadtverkehr, aber auch auf der Landstraße und der Autobahn gemessen. Dafür kauft das Kraftfahrt-Bundesamt mobile Geräte, die Abgase direkt am Auspuff messen können. Anders als früher wird das Amt selbst Messungen vornehmen können. Ein Prüfstand nebst Teststrecke wird auf einem stillgelegten Militärflughafen bei Flensburg eingerichtet. Die Autohersteller haben noch längst nicht alle ihre Modelle nach WLTP testen lassen. Insbesondere VW kommt nicht hinterher, Auslieferungen verzögern sich aber auch bei anderen Marken.

Für Autokäufer ist vor allem der CO2- Wert interessant. Ein niedriger Wert bedeutet laut ACE einen geringen Kraftstoffverbrauch und einen entsprechend günstigen Steuersatz. Die Veröffentlichung des Werts werde im Laufe des nächsten Jahres verpflichtend.

Geschönte Verbrauchsangaben, wie beim Dieselskandal, sollen spätestens dann Vergangenheit sein. Insbesondere die Messungen im realen Verkehr sind auch eine Folge des Dieselskandals. Im praktischen Betrieb haben ordnungsgemäß zugelassene Fahrzeugmodelle viel mehr Stickoxide ausgestoßen als auf dem Prüfstand. Das ist ein Grund für drohende Fahrverbote für ältere Dieselmodelle.

Gegen die zu hohe Stickoxid-Belastung fordern Umwelt- und Verbraucherverbände die Nachrüstung älterer Diesel mit modernen Abgasanlagen auf Kosten der Industrie. Ende September will Bundeskanzlerin Angela Merkel entscheiden, ob eine neue Technik eingebaut werden soll. Über einen Umweg könnten die Hersteller finanziell herangezogen werden: Der Einsatz von Betrugssoftware kann mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro je Fahrzeug belegt werden. Für diesen Fall geht der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) von Einnahmen zwischen 5,9 und 11,4 Milliarden Euro aus. "Davon kann man gut Hardware nachrüsten", sagt VZBV-Jurist Felix Methmann.