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20. März 2009 00:50 Uhr

Tarifforderungen

Gewerkschaft rügt Schinkenhersteller

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten erhebt Vorwürfe gegen die Hersteller von Schwarzwälder Schinken. Sie fordert Tariflöhne – andernfalls sei der Weg frei für Dumpinglöhne und überlange Arbeitszeiten.

  1. Wenn aus Schweineschlegeln Schinken werden. Foto: ddp

Benno Bareither, Geschäftsführer der Gewerkschaft in der Region Schwarzwald-Hochrhein, sagte, dass es in einem Drittel der Betriebe keinerlei tarifliche Vereinbarungen zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern gebe. Damit sei der Weg frei für Dumpinglöhne und überlange Arbeitszeiten. Die Folge laut dem Gewerkschafter: Unfaire Wettbewerbsbedingungen, unter denen vor allem die Unternehmen litten, die sich an tarifliche Standards hielten. Wegen der vielfach schlechten Arbeitsbedingungen nehme auch die Qualität des Schinkens ab, meinte die Gewerkschaft weiter.

SCHUTZVERBAND DER SCHWARZWÄLDER SCHINKENHERSTELLER HAT KAUM EINFLUSS

Die Arbeitnehmervertreter wollen den Druck auf nicht tarifgebundene Betriebe im Schwarzwald erhöhen. Um die Arbeitgeber zum Einlenken zu bewegen, plant die NGG vom 26. März an eine Kampagne. Die Namen von Unternehmen, die sich nicht an die tariflichen Standards hielten, wollte die Kampagnenleiterin Jessica Reckler am Donnerstag nicht nennen. Details würden erst zum Start der Kampagne bekanntgegeben.

Etwa 90 Prozent der im Schwarzwald angesiedelten Schinkenproduzenten sind im Schutzverband der Schwarzwälder Schinkenhersteller mit Sitz in Villingen-Schwenningen zusammengeschlossen. Ein Sprecher dieses Verbandes sagte, die Beschäftigten der einzelnen Betriebe würden nach geltendem Recht entlohnt. Direkten Einfluss auf die Arbeitszeiten und Lohnhöhe habe der Verband allerdings nicht.

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2008 WURDEN 34 000 TONNEN SCHINKEN VERKAUFT

Klaus-Josef Högg, Betriebsleiter des Bonndorfer Schinkenherstellers Adler, verwies auf den Haustarifvertrag. Die Bezahlung liege deutlich über den in der Branche üblichen Löhnen. Auch die Arbeitszeiten und die anderen Standards würden eingehalten, sagte der Betriebsleiter. Es habe weder mit dem Betriebsrat noch mit der Kammer bislang Probleme gegeben.

Bei Edeka Südwest in Offenburg fühlt man sich von der Kritik der Gewerkschaft ebenfalls nicht betroffen. Zu Edeka gehört seit 2007 eine Schinkenfabrik in Blumberg. "Bei uns ist alles tariflich geregelt und mit dem Betriebsrat abgestimmt", sagte ein Vertreter der Handelskette. Dies gelte auch für die Arbeitszeiten. Dies bestätigte Gewerkschafter Benno Bareither.

Die Schwarzwälder Schinkenhersteller haben im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 34 000 Tonnen Schinken verkauft. Jeder vierte Schinken geht im Ausland über die Ladentheke. Die Unternehmen stellen den Angaben zufolge 1700 Arbeitsplätze und erwirtschaften jährlich einen Umsatz von 50 Millionen Euro.

Autor: Dominik Haubner