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12. März 2010 01:15 Uhr
BZ-Interview
Hans Weber über den Boom beim Fertigbau
Im Jahr 1960 gründete Hans Weber eine Firma zum Bau von Fertighäusern. Der 73-Jährige ist vor Kurzem aus dem Ruhestand an die Firmenspitze zurückgekehrt. Wie es Weber-Haus heute geht, wollten wir von Weber wissen.
BZ: Herr Weber, wie geht es Weber-Haus im 50. Jahr des Bestehens? Ist Ihr Unternehmen ausgelastet?
Weber: Sehr gut. Zurzeit gibt es einen Boom wie schon lange nicht mehr. Wir sind bis zum Jahresende ausgelastet.
BZ: Wie das? In Baden-Württemberg gab es zuletzt halb so viele Wohnbaugenehmigungen wie vor fünf Jahren.
Weber: Am Fertigbau geht dieser Trend vorbei, die Branche wächst. 2009 war schon ein gutes Jahr, das setzt sich jetzt fort. 2010 rechnen wir bei Weber-Haus mit einer Steigerung von fünf bis acht Prozent.
BZ: Wie erklären Sie das?
Weber: Die Menschen trauen den Geldanlage-Angeboten der Banken nicht und legen ihr Geld lieber in einer Immobilie an. Das kommt uns sehr zu Gute. Aber auch die Tatsache, dass wir, was die Energieeinsparung betrifft, Spitzenreiter sind, führt immer mehr Bauherren zu uns.
BZ: Was bedeutet das in Stückzahlen?
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BZ: Dennoch beschäftigen Sie 100 Menschen weniger als im Jahr zuvor. Wieso?
Weber: Wir haben die Verwaltung in unserem Werk im Sauerland aufgelöst und hier am Stammsitz in Rheinau-Linx zentralisiert. Außerdem haben wir umfangreiche Rationalisierungen durchgeführt und Arbeitsabläufe gestrafft. Das hat dazu geführt, dass wir weniger Leute brauchen. Das heißt, wir sind auch leistungsfähiger geworden.
BZ: Sie sprechen von einem Boom. Von einstigen Produktionszahlen sind Sie aber weit entfernt.
Weber: Die Wohnbauförderung, die Eigenheimzulage, wurde vor fünf Jahren gestoppt. Das hat bei uns Spuren hinterlassen. Früher haben wir 800 Häuser pro Jahr gebaut. Ganze Schichten der Bevölkerung können heute kein Haus mehr bauen.
BZ: Eine Familie mit zwei Kindern konnte maximal 22 800 Euro Eigenheimzulage kassieren. Eine Durchschnittswohnung in Baden-Württemberg kostet 167 000 Euro. Das heißt: knapp 15 Prozent gab es vom Staat. Das macht den Unterschied?
Weber: Das ist so. Bei der monatlichen Belastung ist das ein großer Unterschied. Einkommensschwache Familien bekommen heute die Finanzierung nicht mehr gestemmt.
BZ: Wo verkaufen Sie denn Ihre Fertighäuser?
Weber: Die meisten Aufträge für das Werk in Rheinau-Linx kommen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, also aus der Region. Jedes zweite Haus bauen wir in Baden-Württemberg, denn wir sind hier fest verwurzelt und gut bekannt. Etwa 150 Häuser bauen wir in Nordrhein-Westfalen, im Umkreis des Werkes im Sauerland.
BZ: Jetzt steigt auch Ikea ins Geschäft mit Fertighäusern ein. Welchen Effekt erwarten Sie?
Weber: Ikea ist bekannt für preiswerte, eher billige Ware und verfolgt ein ganz anderes Konzept. Dort werden Bauplätze mit 60 Häusern angelegt und ein Haus wie das andere gebaut. Unsere Kunden suchen die individuelle Lösung.
BZ: Aber es riecht nach Verdrängungswettbewerb. Prominente Opfer gab es bereits. Der westfälische Branchenprimus Kampa ist vor einem Jahr insolvent geworden.
Weber: Sie dürfen nicht vergessen, dass der Markt geschrumpft ist. Vor zehn Jahren wurden pro Jahr 220 000 Häuser gebaut. Heute nur noch 80 000. Das spürt der ganze Markt.
BZ: Welche Perspektive sehen Sie denn für Ihr Unternehmen angesichts einer schrumpfenden Bevölkerung und eines auf ein Drittel geschrumpften Fertighaus-Marktes?
Weber: Unser Potenzial liegt im energiesparenden Bauen und das werden wir weiter vorantreiben.
BZ: Sie sind jetzt 73 Jahre alt und haben die Geschäftsführung in ihrem Unternehmen wieder übernommen. Warum?
Weber: Ich hatte die Führung meinem Schwiegersohn Ralph Mühleck übertragen. Wir konnten uns jedoch nicht über strategische Entscheidungen einigen.
BZ: Worum ging es da?
Weber: Es ging um die Ausrichtung des Unternehmens für die Zukunft. Darüber hatten wir unterschiedliche Meinungen, aber wir können das Geschäftliche und das Private gut trennen.
Autor: bz


