Heringsfischer ohne MSC-Siegel

Hanna Gersmann

Von Hanna Gersmann

Fr, 24. August 2018

Wirtschaft

Zu wenig Tiere.

BERLIN. Er ist ein Klassiker als Katerfrühstück: der Hering. An der deutschen Ostseeküste nennen sie ihn den "Brotfisch". Er ist für die Fischer dort besonders wichtig, er macht das Gros ihres Fanges aus. Doch Clupea harengus geht es schlecht, der Nachwuchs bleibt aus. Nun verlieren die deutschen Heringsfischer der Ostsee das MSC-Siegel, das ihnen bescheinigte, nachhaltig zu fischen.

Kai-Arne Schmidt ist Geschäftsführer der Kutterfisch-Zentrale mit Standorten in Cuxhaven und Sassnitz. Das ist der größte Verarbeiter von Frisch-Fisch in Deutschland. Schmidt erklärt, deutsche Handelsketten wie Edeka nähmen heute kaum noch Fischereiprodukte ohne Ökosiegel. So müsse der Fisch künftig wohl zu niedrigeren Preisen nach Dänemark oder Polen verkauft werden.

Temperaturen in der Ostsee haben sich erhöht

Das Problem: "Die Temperatur in der Ostsee hat sich in für den Hering wichtigen Regionen und zu bestimmten Zeiten in den vergangenen 30 Jahren um bis 2,5 Grad erhöht", sagt der Chef des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann. In der Folge habe sich "der fischbare Heringsbestand von etwa 200 000 Tonnen auf 110 000 Tonnen halbiert." Die Heringe machen sich immer früher auf zu ihren Laichgebieten, geben ihre Eier ab, daraus schlüpfen die Larven. Diese brauchen, wenn nach etwa einer Woche der Dottersack aufgezehrt ist, was zum Fressen: noch nicht ausgewachsene Kleinkrebse. Doch die fehlen so früh im Jahr noch, weil sie sich wiederum von Algen ernähren. Und die brauchen Licht, das zu der Zeit noch nicht da ist.

Nach den Standards des MSC ist die "Befischung von Beständen, die keine nachhaltige Größe haben und in ihrer natürlichen Regeneration beeinträchtigt" sind, jedenfalls ausgeschlossen. Der MSC, der Marine Stewardship Council, ist eine nichtstaatliche Organisation. Zwar steht der MSC immer wieder in der Kritik, der WWF aber empfiehlt ihn nach wie vor als Einkaufshilfe.