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13. Oktober 2017

AirBerlin

Sieg für Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Für Vorstandschef Carsten Spohr der vorläufige Höhepunkt seiner Arbeit an der Spitze der größten deutschen Fluggesellschaft. Mit dem Kauf großer Teile der insolventen Air Berlin verleiht er der Lufthansa einen weiteren Schub.

  1. Carsten Spohr Foto: dpa

Für die Lufthansa ist es ein Coup. Für Vorstandschef Carsten Spohr der vorläufige Höhepunkt seiner Arbeit an der Spitze der größten deutschen Fluggesellschaft. Mit der Unterschrift unter den Kaufvertrag für große Teile der insolventen Air Berlin verleiht er der Lufthansa einen weiteren starken Schub. Und das in einer Lage, in der der 50-Jährige das Unternehmen ohnehin schon ein großes Stück nach vorne gebracht hat. 2017 wird die Lufthansa das dritte Erfolgsjahr in Folge verbuchen, nachdem sie im ersten Halbjahr bereits einen Betriebsgewinn von rund einer Milliarde Euro eingeflogen hat. 2016 hatte die Lufthansa einen Netto-Gewinn von 1,8 Milliarden Euro verbucht. Der Kurs der Lufthansa-Aktie steht so hoch wie seit fast 17 Jahren nicht mehr und ein Drittel höher als beim Amtsantritt von Spohr im Mai 2014.

Viel falsch gemacht hat der gebürtige Nordrhein-Westfale, der sein gesamtes Berufsleben bei der Lufthansa verbracht hat, in seinem Job an der Spitze der Airline nicht. Auch wenn das in der ersten Zeit alles andere als klar war. Dazu musste er die schwierige Zeit nach dem bewusst herbeigeführten Absturz der Germanwings-Maschine im März 2015 mit rund 150 Toten bewältigen, was ihm nach Ansicht von Beobachtern in angemessener Form und angemessenem Ton gelungen ist.

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Intern traf Spohrs Verweis auf die scharfe Konkurrenz der Billigflieger und der Gesellschaften vom arabischen Golf und die von ihm daraus abgeleiteten Sparprogramme bei den Gewerkschaften, gleich ob bei Bodenpersonal, bei Flugbegleitern und Piloten, auf scharfe Kritik. Aber der gelernte Airbus-Pilot blieb hartnäckig und ließ sich auch durch unzählige Streiks vor allem der mehr als 5000 Pilotinnen und Piloten und auch der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter nicht beirren, obwohl auch dadurch der Aktienkurs zeitweise auf weniger als zehn Euro absackte.

Spohr sorgte für den Aufbau der Lufthansa-Billigtochter Eurowings – und setzte sich schließlich durch. Mit allen Gewerkschaften vereinbarte der Lufthansa-Vorstand zukunftsfähige und langfristige Tarifverträge, zuletzt mit den Piloten. Denen gesteht die Fluggesellschaft bis 2022 Gehaltserhöhungen von rund zehn Prozent zu, erreichte aber auch Einschnitte bei der Übergangs- und Altersvorsorge. Was Lufthansa wiederum Spielraum eröffnet, 700 Piloten neu einzustellen. Endgültig wurden die Verträge erst Anfang der Woche unterzeichnet.

Strategisch hat Spohr den Konzern deutlich besser aufgestellt. Im internationalen Verkehr mit Allianzen mit wichtigen Airlines in Nordamerika und Asien und mit der im Dezember vergangenen Jahres überraschend vereinbarten Zusammenarbeit mit Etihad, einem der Konkurrenten vom arabischen Golf und zudem damals noch größter Geldgeber von Air Berlin. Dieser Schritt zeigte Spohrs Weitblick, der sich jetzt mit dem Kauf von großen Teilen der bislang zweitgrößten deutschen Airline auszahlt. Allein 100 Lufthansa-Experten haben in der Zentrale in Frankfurt an dem Projekt gearbeitet und arbeiten noch daran.

Mit der Übernahme von vielen Flugzeugen und Beschäftigten des insolventen Konkurrenten stärkt Spohr nicht nur die Lufthansa. Er schlägt auch dem stärksten Konkurrenten in Europa, dem irischen Billigflieger Ryanair, ein Schnippchen. Wobei Spohr zupasskommt, dass die Iren durch Tausende von Flugstreichungen in den vergangenen Wochen selbst für ein Imagedesaster gesorgt haben.

200 Millionen Euro soll die Übernahme von Air Berlin kosten, 1,5 Milliarden Euro will die Lufthansa für die Integration der Air-Berlin-Teile und der 3000 Flugbegleiter und Piloten in die Hand nehmen. Und sich dazu um Air-Berlin-Passagiere kümmern, die im Ausland gestrandet sind, weil ihr Rückflug nicht mehr stattfindet. Zu einem fairen Preis sollen sie mit Lufthansa- oder Eurowings-Maschinen heimfliegen können.

Noch steht der Vertrag unter dem Vorbehalt der europäischen Kartellbehörde. Spohr sieht keine Probleme und weist den Vorwurf eines Monopols zurück. Der Marktanteil von Lufthansa in Europa liege nach der Übernahme der Air-Berlin-Teile bei 14 Prozent – Ryanair kommt auf 13 Prozent – weltweit seien es drei Prozent. Es werde auch keine steigenden Flugpreise gebe, der Wettbewerb bleibe hart und werde sich sogar verschärfen, verteidigt er die Übernahme. Ob ihm das die Wettbewerbshüter bei der EU-Kommission abnehmen, werden die nächsten Monate zeigen.

Autor: Rolf Obertreis