Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
19. Juli 2010 12:00 Uhr
Konflikt mit der Gewerkschaft
IKA Staufen: Geburtstag in unruhigen Zeiten Geburtstag
Der Staufener Laborausstatter IKA hat seinen 100. Geburtstag gefeiert – in nicht gerade unbeschwerten Zeiten. Er steht im Zeichen eines Jobabbaus und einer heftigen Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft IG Metall.
STAUFEN. Der Staufener Laborausstatter IKA hat am Freitagabend in unruhigen Zeiten seinen 100. Geburtstag gefeiert – nach einem Jobabbau und einer heftigen Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft IG Metall. IKA-Eigentümer und Geschäftsführer René Stiegelmann rief während einer emotionalen und persönlichen Rede die Belegschaft zur Geschlossenheit auf. "Wenn wir zusammenhalten, werden wir unter normalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wieder deutlich wachsen", sagte er.
Die werkseigene Band spielte anschließend passend dazu Joe Cockers "with a little help from my friends". Die IKA-Beschäftigten in den Niederlassungen rund um den Globus gratulierten in Videobotschaften. Die große Feier zum 100. Jubiläum hatte wegen der Unruhe im Betrieb zur Disposition gestanden. Die Geschäftsleitung entschloss sich dann doch dafür.
Am Rande der Feierlichkeiten in einem großen Zelt auf dem Werksgelände erneuerte Stiegelmann seine Kritik an der IG Metall, die bei IKA einen Haustarifvertrag und damit mehr Mitsprache im Unternehmen durchsetzen will – besonders über Fragen der Beschäftigungssicherung. Jüngst hatte der gewerkschaftlich organisierte Teil der Belegschaft befristet die Arbeit niedergelegt. Vertreter der IG Metall drohten mit einem unbefristeten Arbeitskampf, falls Stiegelmann nicht Gespräche über einen Haustarifvertrag aufnehme. Sie warfen ihm vor, dass Unternehmen nach Gutsherrenart zu führen.
Werbung
Stiegelmann (57), der das Familienunternehmen seit etwa drei Jahrzehnten lenkt, sagte am Freitag abseits der Feier: "Die Gewerkschafter haben vom Wirtschaften keine Ahnung und sollten sich da raushalten. Einen Haustarifvertrag wird es bei uns nicht geben. Ich habe keine Angst davor, dass die IG Metall zu einem unbefristeten Streik aufruft."
Stiegelmann sagte zum Vorgehen der IG Metall, es habe jeglicher Fairness entbehrt, sei aggressiv und cholerisch gewesen. "Die Gewerkschaft wollte die wirtschaftlich schwierige Zeit nutzen, um ihren Einfluss im Betrieb zu stärken. Das war sehr störend. Heute aber hat die IG Metall im Betrieb keine Stimme mehr. Die Mitarbeiter sind müde und haben gemerkt, dass die Gewerkschaft versucht, sie aufzuputschen." Er betonte: "Wir haben eine Betriebsrat und wir sind bereit, partnerschaftlich über alles zu reden."
Staufens Bürgermeister Michael Benitz stärkte "der wichtigsten Firma der Stadt", wie er sagte, während der Feier den Rücken. Er sagte: "Das, was wir für Sie tun können, werden wir machen. Wenn es der IKA schlecht geht, geht es der ganzen Stadt schlecht. 2009 war auch unser schwierigstes Jahr seit Jahrzehnten."
Im vergangenen Jahr hatte IKA in der Bundesrepublik etwa sieben Millionen Euro Verlust gemacht, sagte Stiegelmann. Der Umsatz sei um etwa ein Drittel eingebrochen. 105 Stellen wurden gestrichen. "Das war auch für mich sehr schmerzlich, aber ich musste die Firma wieder auf stabile Füße stellen." Dies sei gelungen. 2010 soll der Umsatz um zehn Prozent zulegen und wieder ein Gewinn erwirtschaftet werden. "Bisher liegen wir im Plan", sagte er und betonte: "Bei IKA in Staufen stehen keine weiteren Kündigungen zur Diskussion. Und falls es wirtschaftlich schlecht läuft, würden wir das Instrument der Kurzarbeit einsetzen."
- Rückblick: IKA-Leitung sagt Ja zur Kurzarbeit
- Rückblick: Kein Fortschritt bei IKA Staufen
Autor: Ronny Gert Bürckholdt
