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19. August 2010

Illegale Rostlauben für Afrika

Wenn deutsche Gebrauchtwagen exportiert werden, geht es nicht immer mit rechten Dingen zu .

HAMBURG. Der idyllische Name täuscht. Der Kleine Grasbrook im Hamburger Hafen ist ein riesiger Friedhof der mobilen Gesellschaft. Soweit das Auge reicht, stehen tausende Altautos auf dem Kai und warten auf ihren Abtransport nach Übersee. Zwischen jenen Gebrauchtwagen, denen man den TÜV noch mit Ach und Krach zutrauen würde, stehen ein tropfender Feuerwehrwagen mit zerbrochener Leiter neben einem schwarzen Bestattungsfahrzeug, Baujahr 1969. Daneben parkt ein vor sich hin rostender Uralt-Kleinwagen, dessen Fenster mit Klebefolien blickdicht verschlossen sind.

Im wirtschaftlichen Krisenjahr 2009 wurden etwa 60 000 gebrauchte Fahrzeuge über den Hamburger Hafen umgeschlagen. Im laufenden Jahr dürften es einige tausend mehr werden. Die genaue Zahl kennt niemand und sie will wohl auch niemand wissen. "Es gibt hierzu keine speziellen Statistiken", sagt Bengt van Beuningen, Sprecher des Hamburger Hafens. Ohnehin werde nicht jedes Auto gezählt. "Gerade im Export gebrauchter Fahrzeuge nach Westafrika werden Lkw sehr häufig mit weiteren Fahrzeugen beladen, um den Transportraum auf dem Schiff optimal zu nutzen." Raum ist Geld.

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Dank der Abwrackprämie war 2009 in Deutschland der Export von Altautos zurückgefahren worden. Offiziell wurden noch 389 200 gebrauchte Personenkraftwagen ausgeführt, meldet das Statistische Bundesamt – 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Gesamtwert betrug trotzdem 4,5 Milliarden Euro. Gegen den Trend nahmen die Exporte nach Afrika zu – auf 80 000 Stück. Das war ein rasantes Plus von fast 20 Prozent. "Gemessen am deutschen Gesamtexport war somit jeder fünfte Gebrauchtwagen für Afrika bestimmt", rechnet ein Statistiker in Wiesbaden vor.

Fahruntüchtige Autos dürften eigentlich nicht ausgeführt werden

Der vom Exporteur angegebene Zollwert eines nach Afrika gelieferten Altautos war mit im Schnitt 2000 Euro denkbar niedrig. Kaum wertvoller sind viele Rostlauben, die nach Asien verschifft werden. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert nach Europa betrug mehr als 15 000 Euro, nach Amerika 30 000 Euro. Was den Verdacht nährt, dass nicht jede 2009 ausgezahlte Abwrackprämie einen rechtschaffenen Empfänger fand. Nach Schätzungen des Bundes Deutscher Kriminalbeamter hat es bei der Abwrackprämie massenhaft Betrug gegeben.

Hauptabnehmer in Afrika sind die westafrikanischen Länder Benin und Nigeria. Beide Länder liegen an wichtigen Fahrtrouten der Reedereien. Noch rasanter stiegen die deutschen Exporte von Gebrauchtwagen nach Turkmenistan (+ 55 Prozent), in den Libanon (+ 123 Prozent) und nach Afghanistan (+ 195 Prozent).

Zurechtgebastelt fahren viele deutsche Altautos im Ausland noch zehn Jahre und mehr. Viele Rostlauben im Hamburger Hafen können aus eigener Kraft offensichtlich nicht mehr bewegt werden. Die Ausfuhr fahruntüchtiger Altfahrzeuge ist aber verboten, heißt es in einem dreiseitigen Merkblatt der Umweltbehörde für Exporteure. Ob jedoch ein Merkblatt ausreicht, um illegale Autoausfuhren zu unterbinden, bezweifelt nicht allein die Deutsche Umwelthilfe (DUH). "Leider", beklagt DUH-Expertin Maria Elande, "wird sehr selten kontrolliert".

Zuständig dafür ist im Hamburger Hafen die Wasserschutzpolizei. Ihr fehlt es an Personal. Bei den seltenen Stichproben stößt sie schon mal auf einen schrottreifen Mini, dessen Türen verschweißt und dessen Fenster verklebt sind, und der vollgepfropft ist mit Elektronikmüll. Für solche Beiladungen von Abfall, wie sie im Amtsdeutsch genannt werden, gilt ebenfalls ein Exportverbot.

Hamburgs Behörden sehen offensichtlich lieber über dubiose Exportschrottwagen hinweg. Wird nämlich ein illegaler gefunden, gilt es, europaweit die Verantwortlichen dingfest zu machen. Oft sind dies Schattenfirmen, auch aus Baden-Württemberg, die nur auf dem Papier existieren. Am Ende eines monatelangen Verwaltungsmarathons kommt dann noch der Schaden für den Steuerzahler hinzu. Die Entsorgung des Sondermülls "Altauto" geht auf Kosten der Stadtkasse.

Autor: Hermannus Pfeiffer