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13. August 2011 00:04 Uhr

Dax-Unternehmen

Immer mehr Frauenpower in den Aufsichtsräten

Jahrzehntelang waren die Aufsichtsräte der deutschen Konzerne reine Männerrunden. Das hat sich in den vergangenen Monaten geändert: Bei zahlreichen Dax-Unternehmen sind Frauen in die Kontrollgremien eingezogen.

  1. Aufsichtsrätinnen bestimmen den Kurs von Firmen mit – während die Politik noch über eine Frauenquote streitet. Foto: dpa

Dazu gehören Firmen der ersten Börsenliga von Daimler über Metro bis zu Volkswagen. Im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sind bereits sieben von 20 Mitgliedern weiblich. Während die Politik noch über eine verbindliche Frauenquote in der deutschen Wirtschaft streitet, haben Dax-Firmen längst Fakten geschaffen. "Ich glaube, dass die Welt in drei, vier Jahren ganz anders aussehen wird", sagt die Münchner Professorin Ann-Kristin Achleitner, die bei Metro und Linde im Aufsichtsrat sitzt. Beim Industriegase-Konzern Linde wacht sie als erste Frau überhaupt über die Arbeit des Vorstandes.

Selbst in klassischen Männerdomänen haben diese Aufgabe nun auch Frauen übernommen: Beim Lastwagenhersteller MAN sitzt seit Ende Juni die Generalsekretärin der Internationalen Handelskammer Berlin, Angelika Pohlenz, im Aufsichtsrat. VW hat mit der schwedischen Bankmanagerin Annika Falkengren erstmals seit 40 Jahren wieder eine Frau in dem Gremium, das die Interessen der Aktionäre vertritt. Für die Arbeitnehmerseite sitzt seit 2007 die Gewerkschafterin Babette Fröhlich in der Runde.

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Die zunehmende Präsenz der Frauen in den Aufsichtsräten könnte allmählich dazu führen, dass mehr Frauen der Sprung in die Vorstandsspitzen gelingt. Noch sind sie dort Exoten, aber es werden mehr: Bei Siemens war Barbara Kux zwei Jahre lang die einzige Frau im Vorstand, dann kam im vergangenen Jahr Brigitte Ederer hinzu – und Siemens-Chef Peter Löscher kann sich noch mehr Frauen an der Spitze des Weltkonzerns mit seinen 400 000 Beschäftigten vorstellen. Auch Telekom-Chef René Obermann präsentierte vor einigen Wochen stolz seine beiden neuen Vorstandsfrauen Claudia Nemat und Marion Schick.

Eines ist allen gemein: Sie sehen sich weder als Quotenfrauen noch als Vorzeigemanagerinnen. Sie wollen einfach gute Arbeit leisten und damit dafür sorgen, dass mehr junge Frauen ihrem Vorbild folgen. Auch solche, die sich nicht zwischen Kindern und Karriere entscheiden wollen, sondern beides unter einen Hut bringen möchten, wie die Telekom-Managerin Nemat, die zwei Kinder hat.

Auch Achleitner kümmert sich neben ihrem Lehrauftrag und ihren Aufsichtsratsmandaten bei Linde und Metro um ihre drei Söhne. Als sie vor 13 Jahren ihren ersten Sohn bekam, seien arbeitende Mütter noch argwöhnisch beäugt worden, berichtet sie. Inzwischen sieht Achleitner eine deutlich größere Akzeptanz für Eltern, die Familie und Karriere vereinbaren wollen. "Es muss aber noch mehr geben, die Teilzeit vorleben – auch bei Männern", meint sie.

Rasante Karriere trotz Kindern

Ihre rasante Karriere zu unterbrechen oder zu beenden, kam für Achleitner nie in Frage. Nach ihrem Studium an der Universität in St. Gallen in der Schweiz promovierte sie in Jura und Betriebswirtschaft, arbeitete als Unternehmensberaterin bei McKinsey und schrieb mehrere Bücher. Heute leitet sie als Professorin in Teilzeit einen wirtschaftswissenschaftlichen Lehrstuhl an der Technischen Universität München. Mit Ausnahme der Vorlesungen kann sie sich ihre Arbeitszeit dort meist flexibel einteilen – und dadurch auch für ihre Söhne da sein.

Ihr Alltag zwischen Kindergarten, Schule, Universität, Vorträgen und neuerdings auch noch den Aufsichtsräten sei aber trotz Unterstützung durch Kindermädchen nicht immer einfach. Und ihr Mann sei als Finanzvorstand der Allianz beruflich ebenfalls stark eingespannt. "Ich will nicht behaupten, dass ich immer flötend durchs Leben gehe", sagt die 45-Jährige.

Als Antriebsfeder für den Kraftakt sieht sie ihre Neugier: "Ich bin eine Lustarbeiterin. Mich haben immer neue Dinge interessiert." Nach vielen Jahren in der Wissenschaft und verschiedenen Wirtschaftsgremien reize es sie deshalb, als Aufsichtsrätin das Innenleben eines Konzerns kennenzulernen. "Ich wollte die DNA der Unternehmen verstehen", sagt sie. Zeit für Hobbys bleibe ihr nicht. Trotzdem sei sie froh, dass sie überhaupt die Möglichkeit habe, anders als viele Frauen in früheren Generationen ihr Leben selbst zu gestalten und weder auf Beruf noch Familie verzichten zu müssen.

Autor: dpa