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03. August 2012
Inflation bleibt vorläufig Theorie
Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den geplanten Anleihekäufen der EZB und ihren Auswirkungen.
Die Europäische Zentralbank bereitet eine koordinierte Aktion vor, um Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder zu erwerben und deren Schuldzinsen zu drücken. Letztlich geht es darum, Spanien und Italien vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.
Warum sind Anleihekäufe problematisch?
Kritiker wie Bundesbankpräsident Jens Weidmann befürchten, dass als unerwünschter Nebeneffekt die Inflation steigen könnte. Denn mit ihren Anleihekäufen setzt die EZB Hunderte Milliarden Euro zusätzlichen Geldes in die Welt. Steigt die Geldmenge beispielsweise im Verhältnis zur Menge der produzierten Waren zu sehr an, können die Preise stärker zunehmen und der Außenwert des Euro sinken. Zweitens führen die Kritiker ins Feld, dass die europäischen Verträge der EZB verbieten, Regierungen zu finanzieren. Nun will die Zentralbank die Staatsanleihen jedoch nicht direkt bei den verschuldeten Regierungen kaufen, sondern bei Banken und Händlern. Damit nutzt EZB-Präsident Mario Draghi eine Möglichkeit, die in den Verträgen nicht explizit ausgeschlossen ist.
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Die EZB will die Inflation möglichst niedrig halten. Zwei Prozent sollen nicht überschritten werden. Die durchschnittliche Preissteigerung im Euro-Raum liegt mit 2,6 Prozent etwas darüber.
Muss man mit mehr rechnen?
Thomas Straubhaar, Chef des Weltwirtschaftsinstitutes in Hamburg, meint: vorläufig nein. Die Erfahrungen der Hyperinflation der 1920er Jahre ließen sich nicht auf heute übertragen, so Straubhaar. Seine Argumente: Gegenwärtig deute nichts daraufhin, dass die Geldmenge in Europa gefährlich steige. Ende 2011 habe sie gegenüber dem Vorjahr bei plus 2,6 Prozent gelegen – trotz des Kaufs von Staatsanleihen durch die EZB.
Und langfristig?
Die Anleihekäufe der EZB müssten die Ausnahme bleiben, meint Straubhaar. Sonst nehme die Inflationserwartung von Bürgern und Investoren zu, wodurch die Gefahr einer Preisspirale wachse.
Welche negativen Wirkungen hat Inflation?
Bei mittleren Arbeitnehmereinkommen von 40 000 Euro jährlich bedeuten zwei Prozent Inflation einen Kaufkraftverlust von 800 Euro im Jahr – falls der Verdienst nicht zulegt. Die Inflation knabbert auch an Lebensversicherungen, Sparguthaben, Aktien- und Wertpapierrenditen. Und an den Altersrenten. Wer mit einer monatlichen Rentenzahlung von 1000 Euro rechnet, muss kalkulieren, dass die spätere Kaufkraft vielleicht nur zwei Drittel des Nominalbetrages ausmacht.
Gibt es auch Vorteile?
Mit Preissteigerungen können Löhne und Gehälter wachsen. Gegenwärtig verbuchen viele Beschäftigte in Deutschland Lohnsteigerungen über der Inflationsrate – die Leute haben real mehr Geld auf dem Konto. Inflation bedeutet auch, dass der Wert alter Schulden abnimmt.
Autor: Hannes Koch



