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09. Juli 2012 00:03 Uhr

Finanzkrise

Islands Wiederaufstieg

Island war das erste Land, das unter der Finanzkrise einknickte. Schuld waren enorme Verluste der aufgeblähten Banken. Nach schmerzhaften Einschnitten ist das Land nun erstaunlich schnell auf dem Weg der Besserung.

  1. In Island ist die Finanzkrise überstanden. Foto: dpa

Harpa, Reykjaviks futuristisches Musikhaus, war das Symbol für "Kreppa", die Krise. Halbfertig stand die Stahl- und Glasruine am Hafenkai der Hauptstadt. Die großspurigen Pläne von Privatinvestoren, ein Wahrzeichen isländischer Kunst zu setzen, waren geplatzt wie die aufgeblasenen Bilanzen der Banken. Die Investoren waren pleite, die Bauarbeiter reisten heim nach Polen, Harpa blieb als Denkmal für den Größenwahn. Heute ist das Konzerthaus fertig und in Betrieb. Staat und Stadt waren eingesprungen, weil der Mensch auch in der Krise Kultur braucht, und nun gilt Harpa als Zeichen dafür, dass die schwersten Zeiten vorbei sind.

Im Oktober 2008 traf die Krise die Inselrepublik mit Wucht. Innerhalb einer Woche waren die drei Großbanken zusammengebrochen. Sie trieben den Staat an den Rand des Bankrotts. Nur dank Milliardenhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der nordischen Nachbarn konnte er sich retten. Die Währung verlor 40 Prozent ihres Werts, die Inflation schnellte auf fast 20 Prozent hoch, die Arbeitslosigkeit verfünffachte sich, die Staatsschulden stiegen von 30 auf 115 Prozent der Wirtschaftsleistung, des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

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Knapp vier Jahre später kommen aus Reykjavik Erfolgsmeldungen, die im Widerspruch zu den Horrorbotschaften aus Europas südlichen Krisenländern stehen. Die Banken sind, kräftig zurechtgestutzt, wieder stabil. Die Inflation sank auf 5,4 Prozent, die Arbeitslosenrate erstmals wieder unter fünf Prozent. Um zwölf Prozent war das BIP vom Höhepunkt des Booms bis zum Tiefpunkt der Kreppa gesunken. 2011 gab es mit 3,1 Prozent wieder ein Plus, für 2012 sind vier Prozent prognostiziert. Die Kaufkraft nimmt wieder zu, wenn es auch noch fünf bis sieben Jahre dauern dürfte, bis sie Vor-Krisen-Niveau erreicht hat, schätzt Olafur Ileifsson, Professor für Nationalökonomie an Reykjaviks Universität. Das BIP liegt noch fast sechs Prozent unter dem Ende 2007 erreichten Höchstwert – damals war die isländische Wirtschaft auch überhitzt, sagt Zentralbankchef Mar Gudmundsson.

So ist Island nun das Musterland für den IWF. Dessen Vizechef Nemat Shafik lobt: "Das isländische Volk hat große Entschlossenheit gezeigt, als man unter schwersten Bedingungen ein umfangreiches Programm durchzog." Birgitta Jonsdottir, Parlamentarierin der aus den Krisenprotesten entstandenen "Bewegung", sagt: "Wir haben die Straffungen, die der IWF gefordert hat, bis aufs letzte Komma erfüllt. Das Programm war genauso, wie wir es aus den anderen Krisenländern kennen. Die öffentliche Wohlfahrt wurde beschnitten bis auf die Knochen." Die Neuverschuldung soll von 14 Prozent 2008 bis 2015 auf null sinken. "Normalerweise kann ein Land zwei bis drei Reformen gleichzeitig durchführen. Die Isländer schafften 20", sagt Svein Harald Øygaard, den die Regierung aus Oslo holte, um als Interimschef die Zentralbank zu leiten. Fast alle der 320 000 Einwohner haben die Einschnitte zu spüren bekommen. Scheinbar sichere Jobs verschwanden, die Löhne wurden gekürzt. Die Fremdwährungskredite, die viele Isländer aufgenommen hatten, um Häuser zu finanzieren, ritten viele ins Verderben, als die Krone fast den halben Wert verlor.

"Der freie Kurs der Krone trug zu den Problemen bei, ist aber auch Teil der Lösung", erklärt Zentralbanker Gudmundsson. In den Boomzeiten war die Krone absurd überbewertet, dann stürzte sie ab. Jetzt hilft das der Exportwirtschaft auf die Sprünge, die Fisch- und Aluminiumindustrie lebt auf, der Tourismus boomt, seit Reisen nach Island wieder bezahlbar sind. "Hätten wir den Euro gehabt, wären wir in der Krise nicht so tief gefallen", sagt Gudmundsson. Doch ohne billige Krone wäre auch die Erholung nicht so rasch gekommen, weshalb Island für die Wackelkandidaten im Euroraum nur sehr bedingt als Vorbild gelten kann.

Island ist an den Kapitalmarkt zurückgekehrt, kann sich dort Geld borgen. Die Schuldentilgung macht Fortschritte. Die Zentralbank hat mehr als die Hälfte der 4,75 Milliarden Dollar an den IWF und die nordischen Nachbarn zurückgezahlt, mit deren Hilfe Island 2008 die Pleite abwenden konnte. Die Kredite wären erst 2013 bis 2018 fällig, doch nun kann Reykjavik das Geld billiger borgen und so jährlich 30 Millionen Euro Zinsen sparen.

Autor: Hannes Gamillscheg


3 Kommentare

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Jürgen Rombach

Registriert seit: 02.06.2010

Kommentare: 94

09. Juli 2012 - 14:22 Uhr

Dem muß doch entschieden etwas entgegen gesetzt werden.
Infos, und kein Kampagnenjournalismus zu solchen Themen wie immer auf
http://www.nachdenkseiten.de/?p=13760

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Bodo Weis  

Bodo Weis

Registriert seit: 26.05.2009

Kommentare: 892

11. Juli 2012 - 08:15 Uhr

Herr Jürgen Rombach,
leider ist die BZ nicht gefeit für solchen Journalismus.
Sie schwimmt auch ab und zu mit, mit dem Mainstream, leider.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

11. Juli 2012 - 10:59 Uhr

Wenn man den verlinkten Beitrag der Nachdenkseiten und dann dagegen den BZ-Artikel liest, muss man sich fragen, mit welchem Recht ein so verlogener Artikel überhaupt erscheinen darf.

Herr Gamillscheg, haben Sie nur Pressemitteilungen irgendwelcher Wirtschaftsinstitute abgeschrieben, oder haben Sie einfach nur liderlich schlecht recherchiert?

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