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07. Juni 2012 18:24 Uhr

Kreis Emmendingen

Iveco-Werk schließt – Weisweil verliert 180 Arbeitsplätze

Der italienische Nutzfahrzeugkonzern Iveco-Magirus bestätigt: Mit der Produktion von Feuerwehrautos im Kreis Emmendingen soll am Jahresende Schluss sein. Das kostet 180 Menschen ihren Job.

  1. Solch schwere Wagen wie hier für das THW baute die Belegschaft in Weisweil. Damit ist nun Schluss. Foto: Ilona Hüge

  2. Im Mai noch forderten die Mitarbeiter den Erhalt des Standorts – vergeblich. Foto: Ilona Huege

Schlechte Nachricht für Weisweil: Der italienische Nutzfahrzeugkonzern Iveco-Magirus will das Werk im Kreis Emmendingen zum Jahresende schließen. Ein Sprecher des Konzerns bestätigte dies auf Anfrage. Dem Umbau des Deutschlandgeschäfts von Iveco fallen 1200 Jobs zum Opfer. Am stärksten trifft es den Standort Ulm. Doch auch bei Iveco in Weisweil herrscht düstere Stimmung.

"Die Pläne sind bekannt", sagt Betriebsrat Eberhard Mühlhaus. "Es werden bereits Leute aus Schlüsselpositionen abgezogen." Er habe vom Konzern die Ansage bekommen, dass alle 180 Jobs in Weisweil zum Jahresende gestrichen werden sollen. Konzernsprecher Manfred Kuchlmayr bestätigt dies, sein Kollege Tobias Welp rudert verbal ein wenig zurück: "Beschlossen ist noch nichts." Aktuell liefen Verhandlungen, etwa über den Sozialplan und über den Zeitpunkt der Schließung. Dass das Werk Weisweil zu retten sei, ist aber offenkundig unmöglich.

180 von 480 Arbeitsplätzen auf der Kippe

480 Arbeitsplätze gibt es in Weisweil, einem 2000-Seelen-Dorf zwischen Emmendingen und der französischen Grenze. 180 davon sind im Magirus-Werk. Seit mehr als 50 Jahren werden dort Fahrzeuge gebaut. Seit 1987 gehört das ehemalige Bachert-Werk zum Iveco-Konzern. Dieser ist 1975 aus dem Zusammenschluss mehrerer Hersteller hervorgegangen. Neben Fiat und Lancia haben auch der italienische Hersteller OM, die Franzosen von Unic und der deutsche Spezialist Magirus-Deutz zusammengefunden.

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In Weisweil werden Feuerwehrfahrzeuge hergestellt. Diese Produktion soll nun ins schwäbische Ulm verlagert werden. Allerdings wird zuvor die Lastwagenproduktion aus Ulm abgezogen. Sie wandert wohl schon im vierten Quartal dieses Jahres nach Madrid. Der Standort Ulm wird so von heute 1100 auf 480 Mitarbeiter schrumpfen, so die Informationen, die Betriebsrat Mühlhaus vorliegen. Auch in Österreich, Frankreich und dem sächsischen Görlitz fallen Jobs weg.

Der Stellenabbau ist längst zum Politikum geworden. Ende Mai traf sich der baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) mit der Iveco-Spitze. Der runde Tisch sei ergebnislos verlaufen, teilte seinerzeit das Ministerium mit. Allerdings habe man die Zusage erhalten, dass der Stellenabbau in Weisweil sozialverträglich laufen soll. Wie das gehen soll, ist aber nicht geklärt.

"Wir nehmen an, dass Iveco hier nach italienischen Maßstäben geplant hat" Thomas Bleile
Thomas Bleile von der IG Metall in Offenburg berichtet von dem Treffen am runden Tisch zwischen Iveco mit dem Landesminister Schmid: "Alles was er tun konnte, war Iveco an die deutschen Regeln zu erinnern." Bei betriebsbedingten Kündigungen greife der Staat in Italien den Betroffenen deutlich stärker unter die Arme als in Deutschland. "Wir nehmen an, dass Iveco hier nach italienischen Maßstäben geplant hat", sagt Bleile. Konkreten Zugang zu den Planzahlen habe man aber nicht bekommen. Darum kämpfen die Arbeitnehmer nun. Denn es gibt eine Klausel, die den Zeitpunkt der Schließung zumindest verzögern könnte.

Im Jahr 2006 hatte die Iveco-Belegschaft sich zu fünf Stunden Mehrarbeit bereit erklärt – ohne Lohnausgleich. Im Gegenzug gab es eine Standort- und Jobgarantie. Dieser Pakt darf mit einer Frist von sechs Monaten erst Anfang August gekündigt werden, so Bleile. Betriebsbedingte Kündigungen dürfte Iveco demnach nicht vor Februar aussprechen.

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Autor: Moritz Förster