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08. Februar 2012

IWF warnt China vor einer ernsten Krise

Weniger Wachstum.

  1. Auch China könnte die Krise empfindlich treffen: Shampoo-Fabrik in Guangzhou Foto: AFP

PEKING. Eine junge Chinesin radelt durch Reisterrassen. "Eure Wirtschaft wird sehr schwach, unsere dagegen immer besser", flötet sie in akzentuiertem Englisch in die Kamera. "Wir nehmen eure Jobs – danke!" Der 30-sekündige Wahlkampfspot, mit dem der US-Republikaner Pete Hoekstra am Sonntag vor und während der Super-Bowl-Übertragung auf Stimmenfang ging, bedient sich eines kollektiven amerikanischen Alptraums: Chinas Aufstieg könnte Amerikas Untergang bedeuten, fürchten in den USA viele. In Deutschland ist die Sorge vor China ebenfalls weit verbreitet: In einer Forsa-Studie erklärten jüngst 30 Prozent der Befragten, dass ihnen China Angst bereite.

Zwar taugen politischer Populismus oder Meinungsumfragen kaum als wirtschaftliche Indikatoren, doch die Debatten signalisieren ein steigendes öffentliches Bewusstsein dafür, dass die Volksrepublik für die westlichen Industrienationen zu einem entscheidenden Faktor geworden ist. Umgekehrt wird auch den Chinesen zunehmend klar, was die Verflechtung ihres Landes in die Weltwirtschaft bedeutet, und dass sie sich von künftigen Krisen womöglich nicht so einfach werden abkoppeln können, wie es ihnen 2008 nach der Lehman-Pleite gelang.

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Anfang der Woche lieferte der Internationale Währungsfonds (IWF) den Chinesen eine drastische Warnung: Sollte sich die Euro-Krise weiter ausweiten und die europäische Konjunktur in den Keller reißen, könnte dies auch in China zu einem dramatischen Wachstumseinbruch führen. Im schlimmsten Fall würde die chinesische Wirtschaft dieses Jahr nur um rund vier Prozent expandieren – halb so viel wie bisher angenommen. Dabei sind auch die aktuellen Prognosen für China nicht günstig. Wegen der abflauenden Nachfrage nach chinesischen Exportwaren reduzierte der IWF seine Wachstumserwartungen für das laufende Jahr um knapp einen Prozentpunkt auf 8,25 Prozent. Zum Vergleich: 2011 wuchs China um 9,2 Prozent und 2010 sogar 10,3 Prozent. Eine Wachstumsrate von weniger als sieben Prozent gilt in Peking als gefährlich, weil dann ein großer Teil der Landbevölkerung, die seit Jahren in die Städte zieht, keine Arbeit mehr finden würde. Die Regierung fürchtet um den sozialen Frieden.

Die eigentliche harte Nuss des IWF-Berichts steckt jedoch in der Empfehlung, welche die Experten den Pekinger Wirtschaftsplanern machen: Um das schlimmste Szenario zu verhindern, reiche es nicht mehr, dass die Regierung erneut ein Konjunkturprogramm auflege. Gleichzeitig müsse China die europäischen Staaten massiv bei ihren Anstrengungen um die Rettung ihrer Gemeinschaftswährung unterstützen. Rund 55 Milliarden Euro solle Peking in europäische Anleihen investieren, vor allem in Papiere des Rettungsschirms EFSF.

Widerspruch gegen das IWF-Szenario gibt es in Peking nicht. Die Staatsmedien berichteten am Dienstag ausführlich über den Bericht. Schließlich passt er gut zu der offiziellen Linie, das Volk auf schwere Zeiten einzustimmen.

Autor: Bernhard Bartsch