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02. September 2010 21:15 Uhr
Verhandlungen mit Vermietern
Karstadt ist so gut wie gerettet
Mit der Zustimmung aller Gläubiger ist die letzte Hürde für ein Fortbestehen von Karstadt genommen. Auch die 490 südbadischen Mitarbeiter des Kaufhaus-Konzerns dürfen nun auf bessere Zeiten hoffen.
Manfred Noppel, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Südbaden, sagte am Abend, er sei froh, dass die Unsicherheit jetzt endlich ein Ende habe. Ohne eine Einigung hätten die Innenstädte Offenburgs, Freiburgs und Lörrachs schweren Schaden genommen, da die Karstadt-Kaufhäuser nach wie vor sehr viele Besucher anzögen. "Es hätte etwas gefehlt." Doris Below von der Gewerkschaft Verdi sagte: "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Die Beschäftigten wissen endlich, dass es weitergeht. Die Achterbahn der Gefühle hat ein Ende."
Die Meldungen zur Karstadt-Rettung verfolgten in Freiburg auch Olaf Kather, Geschäfsführer der Freiburger Karstadt-Filiale, und der Betriebsratsvorsitzende Ralf Stehning. "Wir bibbern hier alle wie nur was", sagt Kather. Die Freiburger Karstadt-Manschaft hat während der Unternehmenskrise für das Haus an der Kaiser-Joseph-Straße gekämpft und mehr als 10 000 Unterschriften gesammelt. In Freiburg arbeiten 240 Menschen für das Unternehmen, in Lörrach 130 und in Offenburg 120. Die Filialen in Südbaden gelten als ertragsstark.
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Das Ergebnis der Verhandlungen sieht nach derzeitigem Kenntnisstand folgendemaßen aus: Sämtliche Gläubiger des Vermieterkonsortiums Highstreet stimmten den von Investor Nicolas Berggruen geforderten Mietsenkungen am Donnerstag grundsätzlich zu. Nun muss noch der Essener Insolvenzrichter den Karstadt-Insolvenzplan am Freitag billigen.
Investor Berggruen zeigte sich zuversichtlich, dass der Durchbruch schnell erfolgen könne: "Alle haben "ja" gesagt, aber die Unterschriften müssen zusammenkommen. Und wenn das alles da ist, dann sind wir fertig." Ein Highstreet-Sprecher betonte, dass noch nicht alle erforderlichen Unterschriften vorlägen. Es müssten 60 bis 80 Unterschriften geleistet werden. Denkbar sei auch, dass dies nicht bis zu dem am Freitag bevorstehenden Gerichtstermin abgeschlossen werden könne.
Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sagte, nach seiner Kenntnis gebe es "eine ganz weitgehende Einigung zwischen dem Vermieterkonsortium und Herrn Berggruen". Die letzten Zustimmungen aus dem Kreis der Kreditgeber für Highstreet lägen ihm aber noch nicht schriftlich vor. Er freue sich, dass strittige wirtschaftliche Fragen gelöst seien. "Aber richtig freuen kann ich mich erst, wenn die Tinte trocken ist, und das ist so noch nicht."
Die Zustimmung der Gläubiger ist die Bedingung dafür, dass die Mietverträge geschlossen werden können. Nur dann kann der Essener Insolvenzrichter den Insolvenzplan am Freitag billigen. Dann kann Berggruen Karstadt übernehmen. Der Gerichtstermin war wegen der noch ausstehenden Einigung bereits mehrfach verschoben worden.
Berggruen will alle 120 Filialen erhalten. Investieren will er 70 Millionen Euro eigenes Kapital, sobald der Kaufvertrag in Kraft tritt. Die Marke Karstadt soll verjüngt und modischer werden. Es wird damit gerechnet, dass der 48 Jahre alte Finanzier in Kürze Details zu seinem Konzept vorlegt.
- Kommentar: Die Arbeit fängt erst an
Autor: Bernd Kramer, Joachim Röderer mit Agenturmaterial
