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15. Juni 2012
Krise
Keine Beruhigung am Finanzmarkt
Ratingagentur stuft die Kreditwürdigkeit Spaniens weiter herunter / Italien muss höhere Zinsen bezahlen.
MADRID/ROM/BERLIN (dpa). Nervenflattern in der Finanzwelt vor den Parlamentswahlen in Griechenland: Nachdem Spanien am Mittwochabend von der Ratingagentur Moody’s abgestraft wurde, zogen die Anleger nach. Die Rendite für zehnjährige Staatspapiere stieg am Donnerstag in der Spitze bis unter die kritische Marke von sieben Prozent und auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Italien platzierte zwar Anleihen ohne Mühen und sammelte neue Milliarden ein, aber zu vergleichsweise hohen Zinsen.
Für die jüngste Eskalation in der Euro-Schuldenkrise hatte die Ratingagentur Moody’s gesorgt. Die Bonitätswächter stuften die Kreditwürdigkeit Spaniens und Zyperns herab. Spanien, immerhin viertgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone, wurde um drei Noten herabgestuft. Damit liegt das Land nur noch eine Note über dem Ramschniveau.Anleger würden angesichts der jüngsten Zuspitzung massiv Mittel aus dem Euroraum abziehen, und auch deutsche Staatstitel seien zunehmend unter Druck, sagte ein Händler. Inzwischen werde die Eurozone auf breiter Front von Investoren "verprügelt".
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Die Agentur begründete dies mit der Ankündigung der Madrider Regierung, internationale Hilfe für die angeschlagenen Banken des Landes in Anspruch zu nehmen. Dies werde die Schuldenlast des Landes weiter steigen lassen, teilte Moody’s mit. Das EU-Statistikamt Eurostat bestätigte, dass die geplante Bankenhilfe von bis zu 100 Milliarden Euro das Defizit des spanischen Staates belasten werde. Die Madrider Regierung bestreitet dies.
Die Ratingagentur betonte, Spanien habe nur noch einen sehr beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten. Das Land erhalte fast nur noch Geld von den nationalen Banken, die von der EZB großzügig mit Liquidität versorgt würden, schreibt die Agentur. Zudem belaste die anhaltende Schwäche der Wirtschaft die Finanzkraft des Landes.
Italien wagte sich erstmals mit einer Anleiheauktion an den Markt, seitdem Spanien am Wochenende angekündigt hatte, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. Zumindest gelang es, drei Anleihen zu platzieren und wie geplant 4,5 Milliarden Euro an frischen Mitteln aufzunehmen. Allerdings stieg das Zinsniveau: Um sich für drei Jahre Geld zu leihen, werden für Italien Zinsen in Höhe von 5,3 Prozent fällig. Bei der letzten vergleichbaren Versteigerung im Mai waren es noch 3,91 Prozent. Anleger, die Papiere mit Laufzeiten bis 2019 und 2020 zeichneten, verlangten sogar mehr als sechs Prozent Zinsen.
Am Mittwoch hatte das Land bereits 6,5 Milliarden Euro zu deutlich gestiegenen Konditionen am Markt eingesammelt. Händler zeigten sich trotz der hohen Zinsen erleichtert, dass zuletzt zumindest die Nachfrage mehr als ausreichte, um Papiere bei Investoren unterzubringen.
Gute Nachrichten kamen aus Deutschland: Koalition und Opposition wollen den umstrittenen europäischen Fiskalpakt wohl am 29. Juni zusammen mit dem Euro-Rettungsschirm ESM verabschieden. Das teilten die Koalitionsfraktionen nach Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Partei- und Fraktionsvorsitzenden in Berlin mit. Der Bundesrat soll in einer Sondersitzung noch am selben Abend entscheiden. Beide Seiten vereinbarten weitere Beratungen, um letzte Unstimmigkeiten auszuräumen.
Arbeitslosigkeit steigt
Die Arbeitslosigkeit in Griechenland steigt weiter. Die Arbeitslosenquote betrug in den ersten drei Monaten des Jahres 22,6 Prozent. Das ist der höchste Stand in der Geschichte des Landes, wie die griechische Statistikbehörde mitteilte. Im letzten Quartal 2011 betrug die Arbeitslosigkeit 20,7 Prozent. Im Vergleich zum ersten Quartal 2011 ist die Arbeitslosigkeit stark gestiegen. Damals lag sie bei 15,9 Prozent. Arbeitslose erhalten in Griechenland nur ein Jahr lang Arbeitslosengeld. Die Konjunkturaussichten für den Euroraum sind nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank derzeit trübe. Die aktuell hohe Unsicherheit durch die Schuldenkrise laste auf Vertrauen und Stimmung, wodurch sich größere Wachstumsrisiken für den Euroraum ergäben, erklärten die Währungshüter in ihrem Monatsbericht. Nach Einschätzung der EZB steuert der Euroraum weiterhin auf eine leichte Rezession zu. Eine dramatische Verschlechterung sieht die EZB aber nicht.
Autor: dpa
Autor: dpa



