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20. Juli 2010

Keine Energie in Bürgerhand

Stadtwerke wollen keine Genossenschaft ins Boot zu holen.

FREIBURG. Aus der Beteiligung interessierter Bürger an dem Energieversorger Thüga wird nichts. Die anderen Anteilseigener wollten das gegenwärtig nicht, sagte Badenova-Chef Thorsten Radensleben am Montag in Freiburg – sehr zum Ärger der Genossen.

Burghard Flieger von der Bewegung Energie in Bürgerhand zeigte sich enttäuscht, sowohl vom Inhalt als auch von der Form der Botschaft. "Dass ich das aus der Presse erfahre, finde ich schlechten Stil", sagte er der Badischen Zeitung. Den Genossen gegenüber sei die Ablehnung nie klar und deutlich ausgesprochen worden. "Die wollten das auf die lange Bank schieben", sagte Flieger.

Energie in Bürgerhand hatte sich gegründet, als bekannt wurde, dass der Düsseldorfer Energiekonzern Eon seine Tochtergesellschaft Thüga verkaufen will, bei der fast 100 Stadtwerkebeteiligungen versammelt sind. Dazu gehört auch die Beteiligung an Badenova, bei der die Thüga größte Anteilseignerin ist. Die Genossen sammelten Geld, laut Flieger insgesamt 28 Millionen Euro, und wollten für die Thüga mitbieten. Das erwies sich jedoch aus Zeitgründen als unpraktikabel. Der Badenova-Vorstand machte sich daraufhin dafür stark, die Genossen nachträglich in das Konsortium aufzunehmen, das die Thüga zu Beginn des Jahres für 2,9 Milliarden Euro übernahm.

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Bei den anderen Stadtwerken stießen die Südbadener allerdings mit diesem Plan auf taube Ohren, wie Badenova-Chef Radensleben am Montag sagte. Die Stadtwerke, die mehrheitlich im Besitz ihrer Gemeinden sind, wollten keine Genossenschaft im Gesellschafterkreis, begründete er die Ablehnung. Badenova-Finanzvorstand Maik Wassmer bedauerte das: "Wir hätten uns eine Zusammenarbeit gut vorstellen können."

Was passiert nun mit dem gesammelten Geld? Nach den Worten von Flieger suchen viele ökologisch orientierte Energieprojekte nach Geldgebern und sind bei Energie in Bürgerhand vorstellig geworden. "Da waren sehr attraktive Sachen dabei", so Flieger. Die werde man nun prüfen und den Geldgebern vorschlagen. Wenn diese sich für ein Projekt entscheiden sollten, werde man sich beteiligen, ansonsten würden die 28 Millionen Euro, die auf einem Treuhandkonto lägen, mit Zinsen an die Einzahler zurückgegeben.

Der Gewinn schrumpft

Die südbadischen Gemeinden als Anteilseignerinnen des Energieversorgers Badenova müssen mit einem weiter sinkenden Gewinn rechnen. Finanzvorstand Maik Wassmer erwartet einen Gewinn in Höhe von 52 Millionen Euro im laufenden Jahr. Das wären 1,8 Millionen Euro weniger als 2009. Dabei schlägt bereits die Beteiligung an der Thüga zu Buche. Sie bringt rund fünf Millionen Euro in die Kasse, sonst fiele der Gewinn noch geringer aus. Vor einigen Jahren schüttete Badenova pro Jahr 60 Millionen Euro an die Anteilseigner aus. Vom Jahr 2015 an rechnet Wassmer wieder steigendem Gewinn und höheren Ausschüttungen. Dann seien die aktuellen Belastungen aus der Umstellung der Computerprogramme verdaut, die er mit zwei Millionen Euro bezifferte. Dann werde sich auch das Engagement bei der Produktion von Biogas auszahlen. Schließlich rechnet der Badenova-Vorstand damit, dass sich weitere Gemeinden dazu entschließen, Anteilseigner bei Badenova zu werden. Das werde weiteres Wachstum bringen, zeigte sich Wassmer überzeugt. Derzeit sind drei Gemeinden Anteilseigner, viele andere hätten aber großes Interesse an einem Einstieg.  

Autor: weg

Autor: Jörg Buteweg