Kirchenbanken mit zweifelhaftem Angebot

kna

Von kna

Do, 17. Mai 2018

Wirtschaft

In den Nachhaltigkeitsfonds finden sich problematische Firmen, sagt der Verein Facing Finance.

BERLIN (KNA). Kritik an von Kirchenbanken angebotenen Nachhaltigkeitsfonds übt die Organisation Facing Finance. Offenbar reichten die Nachhaltigkeitsfilter der Banken nicht aus, "um ihre Fonds von kritischen Wertpapieren fernzuhalten", heißt es in einer Analyse von Facing Finance. Mehre Kirchenbanken kündigten Nachbesserungen an.

In der stichprobenartigen Untersuchung von 31 angebotenen Fonds fanden sich in 21 Fällen Investitionen in Rohstoffunternehmen, "die wiederholt wegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in die Kritik geraten sind", wie Facing Finance mitteilte. Das ist ein gemeinnütziger Verein in Berlin.

In der Analyse tauchen die Namen von zehn kirchlichen Instituten auf; als einziges der untersuchten Geldhäuser biete die Bank für Orden und Mission keinerlei Fonds an, in denen "kritische Rohstoffunternehmen" eine Rolle spielen. Als am stärksten belastet bewertet Facing Finance den "Warburg-Pax-Nachhaltig-Global-Fonds". Dieser enthalte Wertpapiere von acht Unternehmen mit schlechter Umwelt- oder Menschenrechtsbilanz.

Beispielhaft nennt die Untersuchung Investitionen in den italienischen Öl- und Gaskonzern Eni. Die Errichtung einer Erdgas-Verflüssigungsanlage an der Küste von Mosambik erfordere die Umsiedlung von 5000 Menschen und beeinflusse die Lebensgrundlage vieler weiterer umliegender Gemeinden etwa durch eine Beschränkung des Zugangs zu Fischfanggebieten. Außerdem sei Eni einer der führenden Konzerne, die in der Arktis nach fossilen Brennstoffen bohren.

Kritisch sieht Facing Finance unter anderem auch Investitionen in Goldcorp. Dem kanadischen Goldproduzenten werden schwere Umweltverschmutzung, Gesundheitsgefährdung sowie Einsatz unverhältnismäßiger Gewalt insbesondere in seinen lateinamerikanischen Minen vorgeworfen. Der ebenfalls in manchen Fonds gelistete französische Konzern Lafarge-Holcim stehe derzeit vor Gericht, weil er in Syrien extremistische Gruppen, darunter indirekt den "Islamischen Staat", finanziert haben soll, um eines seiner Zementwerke in Syrien weiter betreiben zu können.

Die Bank im Bistum Essen, die Bank für Kirche und Caritas sowie die Evangelische Bank teilten in Reaktionen mit, die fraglichen Investitionen auf den Prüfstand zu stellen. Die Bank für Kirche und Caritas warb zugleich um Verständnis. Es sei bei einem "Anlageuniversum von mehreren zehntausend Unternehmen" nicht möglich, "zu jedem einzelnen Emittenten alle relevanten Informationen zu erheben und zu bewerten".