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22. Juli 2009

Klappt der Thüga-Transfer?

Energiekonzern Eon und Stadtwerke streiten um den Preis für die Eon-Tochter

  1. Foto: privat

FREIBURG. Es ist wie beim Transfer eines Profifußballers: Beide Seiten wollen das Geschäft machen, aber sie streiten um den Preis. Das ist der Stand bei den Verhandlungen um die Eon-Tochter Thüga mit ihren 99 Stadtwerke-Beteiligungen. Eon will einen hohen Preis erzielen, die Kaufinteressenten – eine große Zahl regionaler Energieversorgern – wollen wenig zahlen.

"Ein Scheitern ist möglich", sagt Stephan Weil, Oberbürgermeister von Hannover und Aufsichtsratschef der Stadtwerke Hannover. Weil muss es wissen, denn die Stadtwerke Hannover wollen sich an der Thüga beteiligen. "Ich kann Herrn Weil nicht widersprechen", sagt Thorsten Radensleben, der Vorstandschef des südbadischen Energieversorgers Badenova. Er organisiert eine zweite Gruppe von kaufwilligen Stadtwerken.

Seit im Frühjahr 2008 Gerüchte aufkamen, Deutschlands Energiekonzern Nummer 1, die Eon AG, wolle sich von ihrer Tochtergesellschaft Thüga trennen, sind Kommunalpolitiker und Stadtwerke-Manager elektrisiert. In der Thüga hat Eon seine 99 Stadtwerke-Beteiligungen gebündelt. Die Aussicht, bei ihren Energieversorgern wieder das Heft in die Hand nehmen können, treibt viele Kommunalpolitiker zu hektischen Aktivitäten.

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Um ihre leeren Kassen zu füllen, hatten mehr und mehr Städte in der Vergangenheit Teile ihrer Stadtwerke an kapitalstarke Energiekonzerne verkauft. Vorreiter war Freiburg. Die Stadt holte schon 1972 die Thüga ins Boot. Heute gibt es kaum noch ein größeres Stadtwerk, das vollständig in kommunaler Hand ist – mit Ausnahme der Stadtwerke München. Das sehen viele Kommunalpolitiker im Rückblick als Fehler an, den man mit einem Thüga-Kauf wiedergutmachen könnte.

Dazu haben sich zwei Gruppen gebildet. Badenova-Chef Radensleben hat es nach eigenem Bekunden geschafft, 45 Stadtwerke hinter sich zu versammeln, von Villingen-Schwenningen bis Bad Harzburg. Daneben haben sich die Stadtwerke Hannover, N-Energie aus Nürnberg und die Frankfurter Mainova zusammengetan. Die beiden Gruppen fühlen sich mittlerweile stark genug, den Kaufpreis allein aufzubringen. Badenova darf sich mit maximal 100 Millionen Euro an der Thüga beteiligen. Dieser Summe haben die Gemeinderäte der Anteilseigner von Waldshut-Tiengen bis Offenburg zugestimmt. Wie viel Anteil es für das Geld gibt, hängt vom Kaufpreis ab. In Rede stehen 3,5 bis vier Milliarden Euro .

Dann gibt es noch die Genossenschaftsinitiative Energie in Bürgerhand. Sie ist für das Zustandekommen des Geschäfts nicht wichtig, genießt aber große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Die Initiative will 100 Millionen Euro sammeln und könnte mit Fremdkapital nach eigener Einschätzung mehr als 300 Millionen Euro mobilisieren, eine erkleckliche Summe. Die Kaufverhandlungen seien aber zu weit fortgeschritten, um die Genossenschaft noch in das Konsortium aufzunehmen, habe Badenova-Chef Radensleben den Genossen klargemacht, berichtet Burghard Flieger, der Vorstand der Initiative. Man sei aber übereingekommen, dass Energie in Bürgerhand sich später beteiligen könne. Ob das zustande kommt, da haben Fachleute Zweifel. Energie in Bürgerhand will eine dezentrale, atomstromfreie Energieversorgung. Für diese Ausrichtung steht Michael Sladek, der Gründer der Elektrizitätswerke Schönau. Welche Ziele die Kommunalpolitiker und die Manager der Energieversorger mit dem Thüga-Kauf anpeilen, ist weniger klar. Man könne sich "viele interessante Dinge" vorstellen – mehr ließ sich Radensleben dieser Tage nicht entlocken. Badenova-Aufsichtsratschef Dieter Salomon nannte den Erhalt des Thüga-Modells als wichtigsten Grund, beim Verkauf mitzubieten.

Fachleute wie Uwe Leprich von der Hochschule des Saarlandes erhoffen sich mehr Wettbewerb in der deutschen Energiebranche, die von den vier Konzernen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW dominiert wird. Mit 16,4 Milliarden Euro Umsatz 2008 lässt die Thüga EnBW mit 16,3 Milliarden Euro knapp hinter sich. Schiere Größe sagt allerdings wenig über den Einfluss aus. Möglicherweise blockieren sich die vielen Eigentümer gegenseitig.

Naheliegender als der komplizierte Thüga-Kauf wäre es, der Thüga ihre 47 Prozent an der Badenova abzukaufen. Doch dieser Weg ist versperrt. Die Gemeinden haben kein Rückkaufsrecht, wenn die Thüga den Besitzer wechselt. Das ist beim Darmstädter Versorger Heag anders. Dort haben die Verantwortlichen entschieden, aus dem Konsortium zum Thüga-Kauf auszusteigen und stattdessen den 40-Prozent-Anteil der Thüga an der Heag zurückzuerwerben.

Autor: Jörg Buteweg