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21. April 2010 10:57 Uhr
Malterdinger Maschinenbauer
Kurzarbeit statt Entlassungen bei Ferromatik
Überraschung beim Malterdinger Maschinenbauer Ferromatik: Statt im großen Stil zu entlassen, setzt die Geschäftsführung radikal auf Kurzarbeit. Die Jobs langfristig sichern kann aber nur ein kräftiger Aufschwung.
In den vergangenen Monaten gab es viele schlechte Nachrichten aus dem Werk des Spritzgießmaschinenbauers. Im Krisenjahr 2009 habe sich der Umsatz des stark exportabhängigen Unternehmens auf 50 Millionen Euro halbiert. Deshalb müsse man stark sparen, sagte zunächst die Geschäftsführung. Die Industriegewerkschaft Metall sprach davon, dass 170 der 413 Arbeitsplätze im Malterdinger Werk wegfallen könnten. Verhandlungen zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall begannen. Sie sind nun beendet. Das wichtigste Ergebnis: Es werde vorerst keine Entlassungen geben, teilte die IG Metall am Mittwoch mit. Vertreter des Unternehmens waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Bis zu 153 Mitarbeiter gehen nun in Kurzarbeit null. Dies ist die extremste Form des staatlich geförderten Arbeitsmarktinstruments, das hierzulande während der Krise Hunderttausende Jobs konservierte. Im Schnitt reduzieren Kurzarbeiter ihre Arbeitszeit um ein Drittel – bei Ferromatik um 100 Prozent. Kurzarbeit null ist zwar nicht einzigartig, aber selten.
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Die betroffenen Arbeitnehmer bei Ferromatik erscheinen monatelang nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz. Sie erhalten vom Unternehmen keinen regulären Lohn mehr. Stattdessen zahlt die Bundesagentur für Arbeit den Betroffenen genauso viel, wie sie in Form von Arbeitslosengeld I bekämen. Hinzu kommt ein tariflich vereinbarter Zuschlag vom Arbeitgeber, den es in dieser Form nur in der Metallbranche gibt. Die Kurzarbeiter bekommen unter dem Strich mehr Geld als wenn sie arbeitslos würden. Der Betriebsrat spricht von 85 Prozent des letzten Nettolohns.
Mehr als ein Drittel der Belegschaft wird bei Ferromatik also in der Kurzarbeit null geparkt. Das verschafft ihnen Zeit. Ob ihr Jobs langfristig zu retten sind, bleibt ungewiss. Südbadens IG-Metall-Chef Hermann Spieß nennt die Vereinbarung deshalb ein Modell der Hoffnung. Laut Gewerkschaft sind die Arbeitsplätze zunächst für 23 Monate sicher. Bei anspringender Konjunktur und steigenden Aufträgen könnten die betroffenen Mitarbeiter in das Malterdinger Werk zurückkehren. "So bleibt den Beschäftigten der Arbeitsplatz und dem Unternehmen die Fachkräfte erhalten", sagte Betriebsratschef Thomas Flamm. Bleibt ein kräftiger Aufschwung aus, sind die Jobs verloren und die betroffenen Mitarbeiter wechseln in eine Transfergesellschaft.
IG-Metall-Mann Spieß sagt, der Beschäftigungspakt ermuntere die geparkten Mitarbeiter, sich während der Kurzarbeit um einen anderen Arbeitsplatz zu bemühen. "Wer etwas anderes findet und das Unternehmen verlässt, bekommt eine Abfindung."
Zahlen am Ende die Betrags- und Steuerzahler für die Beschäftigungssicherung in Malterdingen? Experte Eugen Spitznagel vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg sagt: "Nein. Den Beitragszahler kostet die Kurzarbeit null in etwa genauso viel wie die Arbeitslosigkeit." Er hält die Kurzarbeit für die bessere Variante. "Bedenken Sie, dass in der Arbeitslosigkeit viele Qualifikationen verloren gehen, die sich die Mitarbeiter in den vergangenen Jahren erworben haben. Und je länger jemand arbeitslos ist, desto schwerer ist es, ihn in eine neue Beschäftigung zu vermitteln."
Der Malterdinger Pakt für Arbeit hat auch für die anderen Mitarbeiter ihren Preis. Sie verzichten laut Gewerkschaft zwei Jahre lang auf Weihnachts- und Urlaubsgeld – falls Ferromatik Verlust macht.
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Autor: Ronny Gert Bürckholdt
