Lufthansa-Chef räumt Probleme für Passagiere ein

Rolf Obertreis

Von Rolf Obertreis

Mi, 29. August 2018

Wirtschaft

Flugausfälle und Verspätungen sind laut Carsten Spohr aber nur zum Teil hausgemacht / Branchen-Gipfel mit Minister Scheuer geplant.

FRANKFURT. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat Probleme für Passagiere im Blick auf Wartezeiten an den Flughäfen, Verspätungen und Flugausfälle eingeräumt. "Was wir zur Zeit aus Kundensicht bieten, verdient keine fünf Sterne", sagte Spohr am Montagabend in Frankfurt. "Unseren Kunden geht es derzeit nicht so gut, wie es sein sollte." Eine Ursache für die Defizite sei angesichts des anhaltend starken Wachstums eine "Überauslastung" des Konzerns, sowohl bei Lufthansa als auch bei der Billigflugtochter Eurowings. "Das Unternehmen arbeitet im 110 Prozent-Modus. Manche Mitarbeiter sprechen auch von 120 Prozent", so Spohr. Die Wachstumsprobleme seien schlimmer als gedacht.

Lufthansa reagiert unter anderem mit der Einstellung von 8000 neuen Mitarbeitern in diesem Jahr – in erster Linie Flugbegleiter – und mit mehr Reservemaschinen. Im nächsten Sommer dürften die Probleme nicht erneut auftauchen, sagte Spohr. Lufthansa ist ihm zufolge nach der Pleite von Air Berlin vor einem Jahr zu Wachstum verdammt, damit der Marktanteil in Deutschland nicht noch weiter sinkt. Wachstum sei auch wichtig, damit Lufthansa im globalen Wettbewerb mithalten könne.

Verantwortlich für die aktuellen Probleme macht der Lufthansa-Chef auch Engpässe in der Flugsicherung. Auch bei den Sicherheitskontrollen an den Flughäfen sei die Wartezeit wegen des Personalmangels viel zu lang. Spohr sprach sich dafür aus, die Zahl der Starts und Landungen an überlasteten Flughäfen zu verringern oder zumindest nicht weiter zu steigern. Lufthansa selbst kann sich das ihm zufolge aber nicht erlauben. Würde sein Unternehmen das Flugangebot um zehn Prozent zurückfahren, seien Start- und Landerechte weg. Jede Airline muss ihr zugewiesene Slots zu mindestens 80 Prozent nutzen, sonst werden sie neu ausgeschrieben. Lufthansa setzt daher an manchen Slots zumindest kleine Maschinen ein, obwohl die Nachfrage begrenzt ist.

Spohr ist aber zuversichtlich, dass die Probleme gelöst werden: "Alle in der Branche sind wach geworden: Airlines, Flughäfen, die Flugsicherung, die Behörden und die Hersteller". Weil es um gemeinsame Probleme gehe, soll es ein Gipfeltreffen der Branche mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geben. Geplant ist offenbar der 5. Oktober in Hamburg.