Folge der Hitze

Mehr Südbadener begehren eine Klimaanlage

Benjamin Hiss

Von Benjamin Hiss

Mi, 22. August 2018 um 19:03 Uhr

Wirtschaft

Die hohen Temperaturen kennen nicht nur Verlierer. Die Hersteller von Klimaanlagen gehören zu den Gewinnern. Angesichts der hohen Nachfrage kam zu Lieferengpässen – auch in Südbaden.

Wer in den vergangenen Wochen ein solches Gerät erwerben wollte, stand mitunter vor leeren Regalen. Mitarbeiter von Händlern verwiesen in solchen Fällen auf andere Filialen in der Region, wo es noch Klimaanlagen ab – allerdings mit Hinweise, dass auch dort diese nur in geringen Stückzahlen vorhanden seien. Oder die Berater empfahlen dem Kunden, es doch beim Onlineshop des Händlers zu versuchen.

In anderen Ländern ist ein Leben in Gebäuden ohne Klimaanlage nicht mehr vorstellbar. Man denke nur an Las Vegas, eine Stadt, die in der Wüste gebaut wurde. Der Fachjournalist Manfred Stahl, der die Klimageräte-Branche seit 30 Jahren beobachtet, sagt: "In den USA bedeutet es Wohlstand, so sehr zu kühlen, dass man in Büros eine Jacke braucht." Die Vereinigten Staaten allein verbrauchten mit ihren Klimaanlagen so viel Energie wie ganz Afrika insgesamt. Deutschland macht hingegen laut IEA nur 0,5 Prozent am weltweiten Energieverbrauch für Kühlung aus.

Allerdings gibt es auch hierzulande immer mehr Menschen, die eine gekühlte Umgebung vorziehen – ob bei der Fahrt zum Arbeitsplatz, im Büro und selbstverständlich auch zu Hause. Der Fachverband Gebäude-Klima rechnet für 2018 mit bundesweit mehr als 200 000 verkauften Klimageräten zum Einbauen. Normalerweise verkauft die Branche pro Jahr rund 150 000 bis 160 000 solcher Geräte an Verbraucher und kleine Unternehmen.

Nach Branchenangaben haben derzeit erst rund drei Prozent aller Haushalte in Deutschland ein eigenes Klimagerät zu Hause. Das Öko-Institut in Freiburg geht davon aus, das s dieser Anteil steigen wird und das bis zum Jahr 2030 bereits 8 bis 13 Prozent aller privaten Haushalte ein eigenes Klimagerät besitzen werden. Die Energieexpertin Tanja Kenkmann vom Öko-Institut sagt: "Mit jeder Hitzewelle entscheiden sich mehr Menschen zum Kauf einer eigenen Klimaanlage." Die Geräte seien günstiger geworden – ein mobiles gibt es laut Fachverband ab 400 Euro, ein eingebautes ab 1700.

Mit dieser Zunahme liegt Deutschland laut Angaben der Internationalen Energieagentur im weltweiten Trend. In Europa nehme die Zahl gekühlter Haushalte vergleichsweise langsam zu. In etlichen Schwellen- und Entwicklungsländern wie China, Indien, Brasilien oder Indonesien erwarten Experten aber, dass Millionen Menschen in den kommenden Jahren genug Geld haben, um sich vergleichsweise günstige Klimageräte zu leisten, die dann viel Strom verbrauchen. Eine Umfrage bei regionalen Bauträgern hat allerdings ergeben, dass die Klimaanlage bei der Wahl des Hauses oder der Wohnung noch keine Rolle spielt. In den Gesprächen mit den Interessenten tauche das Thema kaum auf.

Auf die Miethöhe in Südbaden hat die Klimaanlage auch noch keinen Einfluss. Der Freiburger Immobilienexperte Hugo W. Sprenker von der Firma Sprenker & Röder Immobilien sagt: "Das Vorhandensein einer Klimaanlage hat keine feststellbare Auswirkungen auf die Miethöhe." Und die Geschäftsführerin Katrin Hartwig vom Mieterverein Regio Freiburg bemerkt, dass es keinen Anspruch gegenüber dem Vermieter auf Einbau einer Klimaanlage gibt.

Sollte es in der gemieteten Wohnung dennoch zu heiß werden, kann der Vermieter auch auf andere Art Abhilfe schaffen. In diesem Fall ist der Mieter gut beraten, eine außergerichtliche Vereinbarung mit dem Vermieter anzustreben. Dennoch kommt es auf den Einzelfall an – neben den mietrechtlichen spielen unter anderem auch baurechtliche Kriterien eine Rolle. Wenn der Mieter selbst eine Klimaanlage einbauen will, ist eine Zustimmung des Vermieters erforderlich.