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03. August 2012 10:46 Uhr
Urlaub
Mietwagen-Anbieter locken mit Tiefstpreisen – versteckte Kosten lauern
Mietwagenfirmen in Südeuropa locken mit Tiefstpreisen – mit versteckten Kosten. Vor allem in Sachen Tankfüllung ist Vorsicht geboten. Gerade Wenigfahrer sollten aufpassen.
Das übliche Mietwagen-Prozedere hierzulande ist: Der Kunde erhält das Auto vollgetankt und gibt es auch vollgetankt wieder ab. So muss er nur das Benzin bezahlen, das er auch tatsächlich verbraucht hat. Allerdings muss der Mieter, bevor er das Auto abgibt, Zeit für einen letzten Tankstopp einplanen.
Und genau da setzen viele Mietwagenfirmen, auch große Namen wie Avis und Europcar, an. Unter anderem in Italien, Spanien, Griechenland, aber auch in Großbritannien und Irland hat sich mittlerweile die Full Tank Option als Standard durchgesetzt. Der Kunde bekommt seinen Mietwagen wie bisher vollgetankt ausgehändigt, soll ihn aber leer abgeben. Das Geld für die erste Tankfüllung verlangen die Verleiher in der Regel, noch bevor der Kunde sich ans Steuer setzt.
In den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Mietwagenfirmen steht zwar, für diese erste Tankfüllung werde der aktuelle Literpreis herangezogen. Tatsächlich berechnet zum Beispiel Avis auf Zypern für den 35-Liter-Tank eines Kleinwagens 60 Euro, was einem Literpreis von 1,71 Euro entspricht. Dabei kostet der Liter Superbenzin an den Tankstellen der Mittelmeerinsel 40 Cent weniger. Doch solch vermeintliche Feinheiten gehen in der Urlaubseuphorie und im Papierkram der Übergabe schnell unter. Wer den Nepp erst später bemerkt, sollte sich bei seinem Anbieter beschweren, am besten durch Vorlage einer Tankrechnung aus dem Urlaubsland.
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Beim größten deutschen Automobilclub ADAC haben sich bereits zahlreiche Autofahrer gemeldet, die schlechte Erfahrungen gemacht haben und von Abzocke sprechen. "Die Full Tank Option ist sicher die, bei der man das Kleingedruckte am besten studieren sollte", sagt ADAC-Sprecher Klaus Reindl.
"Viele Kunden übersehen das", berichtet Frieder Bechtel vom Freiburger Produktvergleichsportal billiger-mietwagen.de. Es gebe aber noch offensichtlicheren Wucher. Anbieter, die nicht beim Benzinpreis tricksten, erhöben stattdessen gerne eine zusätzliche Servicegebühr für das Auftanken nach Rückgabe des Mietwagens. "Die 30 Euro, die manche dafür nehmen, stehen in keinem Verhältnis zur Leistung", kritisiert Bechtel. Wer sich vorher viel Mühe gemacht habe, um ein möglichst günstiges Mietwagenangebot zu finden, schaue da plötzlich in die Röhre. "Gerade bei den günstigsten Angeboten, die online gebucht werden müssen, hat der Kunde oft keine Wahl und bekommt eine Full Tank Option vorgeschrieben."
Problematisch ist das Prozedere, das auch mal Fuel Service Option oder Full-to-empty heißen kann, gerade für Kurzurlauber. Viele von ihnen fahren den vollen Tank gar nicht leer. Wer aber einen halbvollen Tank abgibt, bekommt das Geld für das Restbenzin nicht erstattet. So steht es ebenfalls im Kleingedruckten. Wer über die Tankoption nicht explizit informiert wurde und das Auto aus Gewohnheit vor der Rückgabe volltankt, braucht nicht auf Kulanz zu hoffen. "Nach Abschluss der Full Tank Option akzeptiert der Mieter diese Bedingung", sagt eine Sprecherin von Europcar Deutschland. Keinen Cent sieht der Mieter wieder.
Selbst wer genau plant und sich der Full Tank Option bewusst ist, wird der Mietwagenfirma zwangsläufig einen Teil des Benzins schenken. Denn niemand wird am Abgabetag auf den letzten Tropfen vorfahren und dafür das Risiko eingehen, vorher irgendwo auf der Autobahn stehen zu bleiben und den Flug zu verpassen. "Wir distanzieren uns von solchen Praktiken", sagt Klaus Spurgat von der Berliner Mietwagenfirma Lex. Der Trend hin zur neuen Tankoption sei der Auswuchs des Preiskampfes in der Branche. "Da wird mit niedrigen Preisen gelockt und das Geld an anderen Stellen wieder hereingeholt." Viele Kunden könnten gar nicht genau abschätzen, wie viele Kilometer sie fahren und wie viel Benzin das Auto verbraucht. "Deshalb ist voll übernehmen und voll abgeben die ehrlichste Tankoption."
Autor: Arne Bensiek



