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11. September 2009 15:07 Uhr

Protest

Milchbauern stellen Lieferung ein

In Europa laufen Protestaktionen von Landwirten gegen die niedrigen Milchpreise an. Nach BZ-Informationen wollen sich auch Bauern in der Region am Milchlieferstopp beteiligen. Doch einige zögern.

  1. Europaweit wollen sich Bauern am Milchboykott beteiligen. Foto: dpa

FREIBURG. In Europa laufen Protestaktionen von Landwirten gegen die niedrigen Milchpreise an. In Frankreich streikten 25 Prozent der Milchbauern, sagte ein Sprecher der Erzeugerorganisation APLI. Für ganz Europa lagen dem Dachverband European Milk Board (EMB) zunächst keine Zahlen vor. Auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) hatte zunächst keinen Überblick über die Beteiligung in Deutschland. Südbadische BDM-Vertreter gehen davon aus, dass etliche Bauern keine Milch mehr liefern.

Bonndorf, Schwarzwaldtäler und Rheinfelden beteiligen sich

So werden in der Region Bonndorf nach Umfrage der BZ viele Milchviehhalter sich der Aktion der französischen Bauern anschließen. Stefan Lehmann, Kreisteamleiter des BDM in der Ortenau , teilte mit, dass die Höfe in mehreren Schwarzwaldtälern ihre Lieferung eingestellt hätten. In Rheinfelden sind es acht Betriebe, die entschieden haben, sich an der Aktion zu beteiligen. Allerdings zögern auch Landwirte wie in Wehr, dem französischen Boykottaufruf zu folgen. Der Aufsichtsratschef der Molkerei Breisgaumilch, Gottfried Hermann, sagte: "Wir rechnen damit, dass es zu einer Lieferzurückhaltung kommt. Der Umfang ist jedoch jetzt noch nicht abzusehen."

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"Wir dürfen uns nicht wehren, obwohl wir in einer existenzgefährdenden Krise sind", sagte der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber. Er kritisierte das Urteil Düsseldorfer Richter zum Milchlieferboykott im vergangenen Jahr. Sie hatten eine Beschwerde seines Verbandes gegen eine Abmahnung des Bundeskartellamts für den Boykottaufruf vom April 2008 zurückgewiesen. Er ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass sich sein Verband an das Verbot zum Boykottaufruf halten werde. "Etwas anderes kommt für uns nicht infrage."



Die Mehrheit der Verbraucher hierzulande ist einer Umfrage zufolge für eine Verringerung der Milchmenge, um so den Bauern unter die Arme zu greifen. 56 Prozent der Deutschen halten dies für sinnvoll, wie aus einern Umfrage des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des BDM hervorgeht.

Der Deutsche Bauernverband lehnt dagegen einen Lieferstopp ab. Auch die Milcherzeuger im Verband Unternehmen Milch sprichen sich gegen einen Milchstreik aus. "Wir beteiligen uns nicht an solchen Aktionen, denn sie sind absolut kontraproduktiv", sagte Fritz Jäger, Vorstandsvorsitzender von Unternehmen Milch. Der Milchmarkt erhole sich langsam von der Weltwirtschaftskrise. Die aktuellen Notierungen der Spotmilchpreise und der Milchpulverauktionen stiegen. Es wäre nach Ansicht des Verbandes fatal, wenn die Milchmarkterholung kaputt gestreikt würde.

Autor: unseren Lokalredaktionen, DPA und Bernd Kramer