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18. Juli 2012

Mit der Ruhe bei Karstadt ist es vorbei

Der Plan, 2000 Stellen zu streichen, wirft die Frage auf, ob der Konzern überlebensfähig ist.

  1. Entwickelt sich nicht zufriedenstellend: Karstadt Foto: DAPD

ESSEN. Keine Filialschließungen, kein Personalabbau trotz Neuausrichtung: Vor einem Jahr hörten sich die Ankündigungen aus der Chefetage noch beruhigend für die etwa 25 000 Karstadt-Beschäftigten in Deutschland an. Doch seit Montagabend ist es mit der Ruhe vorbei. 2000 Stellen will das Unternehmen bis 2014 streichen. Dass dies den Traditionskonzern vor dem Verfall retten kann, bezweifelt Handelsexperte Thomas Roeb.

"Ich kenne kein Unternehmen, das primär durch Stellenabbau erfolgreich saniert wurde", sagt der Professor der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Rheinbach. Meist sei ein Stellenabbau der Anfang vom Ende. Um die Warenhauskette langfristig erfolgreich zu machen, seien vielmehr kräftige Investitionen von sicherlich einer halben Milliarde Euro nötig. Falls dies nicht geschehe, erwarte er einen langjährigen Verfallsprozess, in dessen Verlauf immer wieder Personal abgebaut und Filialen geschlossen würden.

Karstadt selbst hingegen sieht sich auf einem guten Weg. "Wir arbeiten an der richtigen Strategie, um Karstadt langfristig auf Kurs zu bringen", heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. 24 Häuser seien in den vergangenen Monaten bereits umgebaut worden, drei weitere sollen noch dieses Jahr folgen, sagt Unternehmenssprecher Stefan Hartwig. Außerdem habe Karstadt 50 neue Marken für seine Geschäfte gewinnen können. Die Zusammenarbeit mit weiteren neuen Marken sei geplant. Ob sich die Veränderungen finanziell positiv auswirken, ist jedoch unklar.

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Auffällig ist der Zeitpunkt, zu dem der Stellenabbau angekündigt wird: In wenigen Wochen sollen die Beschäftigten nach sechs Jahren wieder ihr volles Gehalt erhalten. Um das Unternehmen auf Kurs zu bringen, hatten sie zuletzt auf durchschnittlich acht Prozent ihrer Bezüge verzichtet. Die Rückkehr zu den normalen Tarifvertragsgehältern bedeutet für das Unternehmen Millionen an Mehrkosten.

Karstadt will ein jüngeres Publikum gewinnen

Karstadt setzt auch auf ganz neue Häuser, "K-Town" genannt. Hier soll vor allem Mode an das jüngere Publikum gebracht werden, daneben werden Accessoires und Schuhe angeboten. Ein solches Haus gibt es bereits in Göttingen, ein weiteres ist in Köln geplant. Vom ursprünglichen Warenhauskonzept, mit dem Karstadt in seiner über 130-jährigen Geschichte lange erfolgreich war, ist dort nicht mehr viel übrig geblieben.

Auch in den herkömmlichen Häusern setzt Karstadt auf eine Reduzierung des Angebots. So sollen die Multimediaabteilungen bis Ende 2014 ganz geschlossen werden. Wer dann einen Fernseher oder einen Computer sucht, muss sich woanders umschauen.

UNGEWISSHEIT BEI BESCHÄFTIGTEN

Die Entscheidung, wer seinen Job verliert und wer nicht, sei noch nicht gefallen, sagt Karstadt-Sprecher Stefan Hartwig. "Es gibt keinen Zettel mit Namen". Details sollen in Absprache mit den Betriebsräten geklärt werden – vor Oktober werde das nicht passieren. Die Kaufhauskette beschäftigt nach früheren Angaben des Unternehmens in Freiburg, Offenburg und Lörrach rund 500 Mitarbeiter.  

Autor: pam

Autor: Tonia Haag (dapd)