Jobmotor-Siegerporträt

Reservix: Mit Eintrittskarten auf Erfolgskurs

Petra Völzing

Von Petra Völzing

Mi, 02. April 2014

Wirtschaft

JOBMOTOR-SIEGERPORTRÄT (2): Das Ticketing-Unternehmen Reservix wächst rasant / 24 neue Mitarbeiter stießen 2013 zu dem Betrieb.

FREIBURG. Das Unternehmen floriert und das sieht man auch. Im edlen Geschäftshaus direkt hinter dem Freiburger Martinstor belegt Reservix inzwischen drei Etagen. Das luxuriöse Dachgeschoss ist frisch saniert. Ganz neu ist dort ein großer Veranstaltungsraum mit Rundumblick auf die Freiburger Altstadt, wo demnächst auch Konzerte stattfinden sollen.

"Angefangen haben wir vor elf Jahren zu zweit im Homeoffice", sagt Mitgründer und Geschäftsführer Johannes Güntert. Er schaut sich im Saal um und es scheint, als wolle er es selbst noch nicht so recht glauben. Heute beschäftigt Reservix 69 Mitarbeiter. Allein im Jahr 2013 kamen 24 Neue dazu. Das ist eine Steigerung von mehr als 50 Prozent und bedeutet den Sieg beim Jobmotor-Wettbewerb in der Kategorie für mittelgroße Unternehmen.

Wirtschaftsinformatiker Güntert und der Musiker Johannes Tolle gründeten die Firma 2003. Offenbar ein perfektes Team: Die beiden wollten online Eintrittskarten für Konzerte ihres Chors verkaufen, dafür entwickelte Güntert eine Software, die bis heute das Herzstück des Unternehmens ist. Auf die Erfolgsspur kamen die beiden, als sie ein halbes Jahr später den SC Freiburg als Kunden gewinnen konnten.

"Da haben wir offene Türen eingerannt", erinnert sich Güntert, denn der Club habe händeringend nach einer Lösung gesucht, wie er die Eintrittskarten für die Fußballspiele online verkaufen konnte. Heute hat Reservix 3500 Veranstalter unter Vertrag. Das Unternehmen verkauft Eintrittskarten für alle Arten von Veranstaltungen, sei es Sport, Show, Theater, Konzert oder Zirkus. Ihr Geld verdienen sie mit Gebühren für die Nutzung des Internetportals, die die Veranstalter zahlen, und mit Vorverkaufsgebühren auf die Karten, die sie online direkt verkaufen. Das zahlen die Besucher. Die Endkunden können die Tickets über das Portal online oder bundesweit an 2200 Verkaufsstellen erwerben.

Eintrittskarten im Wert von 65 Millionen Euro wurden auf diese Weise 2013 verkauft. Umsatzzahlen will Güntert nicht nennen, aber zusammen mit einem Vertriebspartner verkaufte Reservix über sein System 2013 insgesamt zehn Millionen Karten. Die Wachstumsrate des Unternehmens liege bei durchschnittlich 30 Prozent pro Jahr und dabei soll es nach dem Willen der Geschäftsführer auch bleiben. "Es kommen einfach immer mehr Veranstalter hinzu", erklärt Güntert und der Markt sei noch lange nicht gesättigt. Ziel sei es, den deutschsprachigen Raum komplett abzudecken.

Zurzeit bemühen sich die Reservix-Chefs, Gemeinden als Kunden zu gewinnen. "Kulturämter treten häufig als Veranstalter auf", sagt Güntert, hier gebe es noch eine Menge Potenzial. Auch Museen will Reservix unter Vertrag nehmen. Die Fondation Beyerler in Riehen zählt bereits zu den Kunden. Um im Berliner Raum stärker vertreten zu sein, übernahm Reservix im vergangenen Jahr den Berliner Konkurrenten Tixoo mit 20 Mitarbeitern.

Die größte Abteilung bei Reservix in Freiburg ist die Softwareentwicklung. Dort arbeiten 20 Mitarbeiter an der Pflege und Weiterentwicklung des Ticketing-Systems. Die großen Veranstalter können dort beispielsweise ihre Veranstaltungen selbstständig einstellen. Das System stellt ihnen regelmäßig Statistiken und Abrechnungen über die verkauften Karten zur Verfügung. Die Saalpläne für die platzgenaue Ticketreservierung gestalten die Veranstalter selbst, die Vorlagen dafür liefert Reservix. Auch eine Software für die Eintrittskontrolle bietet Reservix an.

Mit einem neuen Angebot will Reservix nun in den Kartenverkauf bei Messen einsteigen. Das sei etwas völlig anderes als das Online-Reservierungssystem für Endkunden, sagt Güntert: "Da will der Kunde zu Hause sich wohlfühlen und gemütlich Schritt für Schritt die Veranstaltung und den Sitzplatz auswählen." Bei Messen hingegen müssten geschulte Verkäufer in kurzer Zeit sehr viele Eintrittskarten verkaufen. So will Reservix mit genauem Blick auf den Veranstaltungsmarkt Schritt für Schritt Nischen abdecken.

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