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19. Februar 2013 11:35 Uhr

Geschäftsmodell

Modeketten bieten Einkaufsgutscheine für Altkleider

Altkleider gegen Einkaufsgutscheine tauschen? Damit lockt nun auch die Modekette H & M. Das soll die Umwelt schonen, weil die Altkleider im Recycling landen. Vor allem aber profitieren die beteiligten Firmen.

  1. Das Rote Kreuz fühlt sich von der privaten Konkurrenz unter Druck gesetzt. Foto: dpa

Eine Million Tonnen alte Klamotten rangieren die Deutschen jedes Jahr aus – und kaufen tonnenweise nach. Für den Einzelhandel ist dieses Verhalten ihrer Kunden bares Geld wert, ebenso für Betriebe, die mit Altkleidern handeln. Vertreter beider Branchen haben sich zusammengetan. In Modeläden geben Kunden Altkleider ab und bekommen dafür einen Gutschein.

Nun macht auch die Modekette H & M mit. "Wir wollen einfach Müll reduzieren", sagt Firmensprecherin Anna-Kathrin Bünger. Müll in Form von Alttextilien will die Modekette einsparen. Von Donnerstag an können Kunden alte oder schadhafte Kleidungsstücke jeder Marke in 80 Filialen bringen. Pro abgegebener Tüte gibt es einen Rabattgutschein über 15 Prozent auf einen Artikel. Entgegengenommen werden die Altkleider unter anderem in den Filialen Freiburg und Konstanz, vorerst aber nicht in Offenburg, Lahr und Lörrach. In Basel sowie in der gesamten Schweiz läuft die Recyclingaktion schon seit einem Jahr. Inzwischen kann man dort in jeder Filiale seine Altkleider vorbeibringen.

Es sei ehrenwert, dass sich H & M Gedanken über Umweltschutz mache, meint Katrin Bodde von Greenpeace. Dennoch sei das Vorhaben der Modekette paradox. "Das Geschäftsmodell von solchen Discountern besteht darin, möglichst viel zu verkaufen. Das wird es immer schwierig machen, die Umwelt zu entlasten." Das gelte erst recht, wenn H & M für die abgegebenen Klamotten mittels Gutschein gleich wieder zum Kleiderkaufen animiere. So aber funktioniert im Allgemeinen das System, das sich I:CO nennt und von der Schweizer Firma I:Collect initiiert wird. Die Ketten Adler und Reno sind seit 2009 dabei. Adler sammelte nach eigenen Angaben 2012 knapp 500 Tonnen alte Kleider. Bei Reno kämen 1,5 Kilo alte Schuhe pro Filiale und Tag zusammen, sagt Firmensprecherin Anja Schmermund. Dafür bieten die Ketten ihre Kunden Rabatte. Für jedes abgegebene Paar Schuhe gewährt etwa Reno 50 Cent Nachlass pro zehn Euro Einkaufswert.

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Für die Einzelhändler zahlt sich das System doppelt aus. "Es ist gut fürs Image und durch den Rabatt heizen sie den Einkauf wieder an", fasst Bodde zusammen. Und auch der Verwerter profitiert, denn für ihn bedeutet die Zusammenarbeit mit den Läden eine einfache Möglichkeit, an die begehrten Altkleider zu kommen.

Der Wettbewerb um Alttextilien ist entbrannt. Allein seit 2010 sind dem Branchendienst Euwid zufolge die Preise für ausrangierte Textilien um 80 Prozent nach oben gegangen. Gut 45 Cent zahlten Sortierbetriebe zuletzt für ein Kilo alte Klamotten. Die größten Gewinne machen die Händler mit den Kleidern, die wieder aufgetragen werden können. Ein Großteil wird ins Ausland exportiert, ein kleiner landet im Inland in Secondhand-Läden oder Kleiderkammern. Der Rest wird zu Putzlappen oder Dämmstoffen verwertet, Unbrauchbares verbrannt.

I:Collect arbeitet mit 34 Partnern zusammen. "Mit weiteren 30 Unternehmen sind wir in sehr engem Kontakt oder in Pilotphasen", teilt der Konzern mit. In Deutschland habe er bereits etwa 1000 Sammelstellen unterbringen können.

Privatwirtschaftliche Sammler wie I:Collect machen den karitativen Organisationen zunehmend zu schaffen. "Es gibt in diesem Bereich ganz viel Konkurrenz", sagt Stephanie Krone vom Deutschen Roten Kreuz. "Wir beobachten diese Entwicklung mit Sorge, weil das uns die Mengen wegnimmt." Für soziale Organisationen sind Altkleidersammlungen eine wichtige Einnahmequelle. Das Rote Kreuz erlöste damit im Jahr 2011 zwölf Millionen Euro. Das Geld gehe in Aufgaben, "in denen keine Refinanzierung möglich ist" – wie Einsätze in Krisengebieten.

Die Modeläden versprechen, mit den Einnahmen aus den Altkleidern auch Gutes zu tun und soziale Projekte zu unterstützen. H & M will zudem einen Teil des Geldes in die Forschung geben. Deren Ziel sei es herauszufinden, wie aus kurzen Stofffasern wieder lange werden, und damit aus alten Kleidern wieder neue.

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Autor: Caroline Uhl (AFP) und Leon Löffler