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16. Februar 2012

Verbraucherinformation

Neues Ökosiegel für Fisch

Das Umweltzertifikat soll den Verbrauchern helfen, nachhaltige Fischzucht zu erkennen.

  1. Zertifikat Foto: Verwendung weltweit, usage worldwide

BREMEN. Welchen Fisch kann der ökologisch bewusste Verbraucher ohne schlechtes Gewissen essen? Ein neues Umweltsiegel soll ihm demnächst beim Einkauf helfen. Für Wildfisch gibt es schon eines, nun kommt ein zweites für Zuchtfisch. Auf der Bremer Fachmesse Fish International wurde es jetzt offiziell vorgestellt.

Zertifiziert wird Fisch aus einer nachhaltigen Aquakultur. Das Siegel vergibt die Organisation Aquaculture Stewardship Council (ASC), die nach eigenen Angaben gemeinnützig arbeitet. Noch in der ersten Jahreshälfte sollen Verbraucher in den Niederlanden und Deutschland Fische mit dem neuen Siegel kaufen können. Zunächst sollen die zur Familie der Buntbarsche zählenden Tilapia zertifiziert werden, kurz darauf das Programm für Pangasien starten. Das erklärte ASC-Geschäftsführer Chris Ninnes in Bremen. Vorbild des ASC ist das Siegel des Marine Stewardship Councils (MSC), das sich seit 2009 weltweit für Fisch aus Wildfang durchgesetzt habe.

Die Qualitätsstandards für das Zuchtfischsiegel wurden laut Ninnes in jahrelanger Arbeit gemeinsam mit 2000 Vertretern verschiedenster Gruppierungen und Organisationen entwickelt. Entscheidend seien nicht nur die Lebensbedingungen der Zuchtfische, sondern auch die Umweltbelastung durch Abwässer oder soziale Kriterien wie die Arbeitsbedingungen des Personals. Antibiotika dürften nur kontrolliert eingesetzt werden. Auch gentechnisch verändertes Futter sei nicht verboten, doch müsse die Ware dann entsprechend gekennzeichnet werden.

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Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg ist die Zertifizierung nach dem MSC-Standard ein Schritt in die richtige Richtung, um nachhaltige Erzeugung zu gewährleisten. Christopher Zimmermann vom bundeseigenen Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock wies während der größten Branchenschau für Händler, Industrie und Gastronomie jedoch darauf hin, dass auch Bestände ohne Gütesiegel nachhaltig bewirtschaftet sein könnten. Denn wegen der Gebühren für die Zertifizierung lasse sich nicht jeder Betrieb ein Siegel geben, obwohl er dies möglicherweise könnte.

Zimmermann berichtete über den Aufbau der Internetplattform namens Fischbestände online. Bisher sei der Zustand von 16 Arten mit über 70 Beständen erfasst; in einem Jahr sollte sich der Umfang etwa verdoppelt haben. Das Institut stütze sich dabei auf detaillierte Daten des Internationalen Rates für Meeresforschung, fasse sie aber verständlich zusammen. Die Onlineplattform liefere keine Kaufempfehlungen, aber die grundlegenden Informationen dafür.

Anlässlich der Bremer Messe übte die Tierschutzorganisation Peta Fundamentalkritik am Fischfang. Jährlich werde eine Billion Fische an Land gezogen, "wo sie langsam und qualvoll ersticken". Auch in Fischfarmen gebe es grauenvolle Haltungsbedingungen. Zudem enthalte Fischfleisch giftige Chemikalien.

Experte Zimmermann meinte dazu, Fisch sei nach wie vor ein wertvolles Nahrungsmittel. Wichtig sei aber, die mit der Fischwirtschaft verbundenen Belastungen so weit wie möglich zu verringern.

Weiterführende Informationen im Internet: http://www.ascworldwide.org http:// fischbestaende.portal-fischerei.de

Autor: Eckhard Stengel