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18. März 2010
Ostdeutschen droht die Altersarmut
DIW-Studie: Renten in Ost und West driften auseinander / "Alarmsignal für Bildungspolitik".
BERLIN (dpa/wom). Viele Renten in Ostdeutschland werden nach einer Studie bald deutlich sinken. Für Westdeutschland sei dagegen mit relativ stabilen Rentenzahlungen zu rechnen, so das Fazit der Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Im Osten drohe als Folge häufiger Altersarmut. Die Politik könne dem entgegenwirken, indem sie sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stärke und die Lebensarbeitszeit verlängere.
Insgesamt werde es vor allem für gering Qualifizierte sehr viel schwieriger, das bisherige Rentenniveau zu erreichen. "Die Ergebnisse der Studie sind auch als Alarmsignal für die Bildungspolitik zu verstehen", stellte Mitautor Johannes Geyer fest. Das DIW hatte für ein von der Deutsche Rentenversicherung gefördertes Forschungsprojekt künftige Rentenzahlungen für die Jahrgänge von 1937 bis 1971 bei verschiedenen Szenarien errechnet.
Die mittlere Rente der Altersjahrgänge von 1942 bis 1946 liegt in den neuen Ländern noch bei 1031 Euro im Monat. Die zwischen 1967 und 1971 geborenen Männer müssen sich später mit 624 Euro begnügen. Bei den Frauen sinkt die Monatszahlung von 790 Euro auf 536 Euro.
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Im Westen bleiben die Ruhestandsgelder dagegen fast stabil. Die heutigen Rentner erhalten im Mittel 1133 Euro, heute 40-jährige können mit einer Zahlung von 1053 Euro rechnen. Durch die höhere Erwerbstätigkeit steigen die Renten der Frauen in den alten Ländern sogar leicht von 556 Euro auf 634 Euro an. Die Zahlen sind um Einflüsse wie die Inflation oder Lohnsteigerungen bereinigt, damit die verschiedenen Jahrgänge überhaupt miteinander verglichen werden können.
Für die Entwicklung im Osten sieht der DIW-Forscher Viktor Steiner vor allen zwei Ursachen. "Gründe sind die hohe Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung und die Rentenabsenkung", berichtet der Forscher.
Die Verteilung der Renten zeigt das Ausmaß des Problems. Bei den zwischen 1937 und 1951 geborenen West-Männern kommen 36 Prozent auf mehr als 1200 Euro Rente. Im Osten liegt dieser Anteil nur bei elf Prozent. Dort erhält fast jeder zweite weniger als 900 Euro. Bei den jüngeren Männern spitzt sich die Situation zu. Nur ein Prozent der nach 1952 geborenen Ostdeutschen kann auf mehr als 1200 Euro Altersgeld hoffen. Knapp 52 Prozent werden bis zu 900 Euro bekommen, nahezu ein Drittel rutscht unter die Grundsicherungsmarke von 600 Euro. In den alten Ländern sieht es ungleich besser aus. Bei den jüngeren Frauen ist die Verteilung der Rentenansprüche in Ost und West fast gleich.
Das Institut plädiert dafür, das Renteneintrittsalter an der steigenden Lebenserwartung auszurichten. Zudem sollten die private Altersvorsorge bis zum Grundsicherungsniveau verpflichtend und Renten von Geringverdienern aus Steuermitteln aufgestockt werden.
Autor: mul
