Weihnachtsboom

Paketdienste ziehen Gebühr für Haustür-Lieferungen in Betracht

Wolfgang Mulke und dpa

Von Wolfgang Mulke & dpa

Sa, 02. Dezember 2017 um 00:00 Uhr

Wirtschaft

Dieses Jahr werden vor Weihnachten so viele Waren versandt wie noch nie. Die Paketdienste geraten an ihre Grenzen. Manche denken über eine Gebühr für die Lieferung bis zur Haustür nach.

An den Spitzentagen erwarten die Paketdienste bis zu 20 Millionen Pakete. Allein der Branchenführer DHL rechnet nach eigenen Angaben mit bis zu 8,5 Millionen Sendungen. "Alle Versender erwarten das mengenmäßig stärkste Jahr der Geschichte", sagt der Sprecher des Handelskonzerns Otto, zu dem der Paketdienst Hermes gehört. Würde man alle Pakete eines Vorweihnachtstags aneinanderstellen, könnte die Reihe ungefähr die Entfernung zwischen Berlin und New York überbrücken.

Einer drohenden Überforderung beugt Hermes vor, indem es mit Otto erstmals regionale Obergrenzen für die Zahl der Sendungen vereinbart, jenseits derer das Unternehmen keine weiteren Pakete zur Sendung annimmt. Auch DPD verabredet mit seinen Kunden, auf welche Paketmengen sich das Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum einzustellen hat. "Das sind für uns aber keine starren Obergrenzen", sagte ein Sprecher. Von einem Limit will DHL nichts wissen. "Wir haben uns schon Monate im Voraus mit sehr detaillierten Planungen und in enger Abstimmung mit unseren Kunden auf das Weihnachtsgeschäft vorbereitet", weist DHL-Sprecherin Anke Blenn die Frage nach Paketobergrenzen zurück.

Durch den boomenden Onlinehandel hat die Nachfrage rasant zugenommen. So trugen Boten im ersten Halbjahr dieses Jahres 6,6 Prozent mehr Pakete aus als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Im Weihnachtsgeschäft rechnet der Bundesverband Paket und Expresslogistik mit Zuwächsen um bis zu elf Prozent. 290 Millionen Sendungen stellen die Dienste vor den Feiertagen zu. Im Gesamtjahr werden es nach Verbandsschätzung wohl 3,3 Milliarden werden, die den Zustelldiensten 19 Milliarden Euro einbringen.

Die Masse beschert der Branche gleich mehrere gravierende Probleme. Das größte ist die Lieferung auf den letzten Metern. Oft sind die Empfänger nicht zu Hause. Eine Adresse mehrfach anzusteuern, kostet Zeit und Geld. Am liebsten würden Paketdienste ihre Sendungen nur noch in Paketshops bringen und den Empfängern die Abholung selbst überlassen. "In der Zukunft kann es so kommen, dass die Paketdienste standardmäßig an den Paketshop liefern und die Lieferung zur Haustür dann zum Beispiel 50 Cent kostet", sagte Boris Winkelmann, Geschäftsführer des Paketdiensts DPD, der Wirtschaftswoche. Auch Hermes-Chef Frank Rausch plädiert für höhere Preise für die Lieferung an die Haustür.

Das zweite Problem sind die geringen Preise für den Versand, die große Handelsunternehmen durchsetzen können. Im Schnitt kostet eine Sendung 5,75 Euro, manchmal gibt es aber auch nur zwei Euro dafür. Das erschwert den Paketdiensten Investitionen in neue Auslieferungszentren, einen größeren Fuhrpark oder auch die bessere Bezahlung der Zusteller. Zusätzlich mangelt es an Flächen für Paketshops in guten Lagen der Ballungszentren.

Außerdem schwindet die Akzeptanz für den Lieferverkehr in den Städten, weil die vielen Transporter den Verkehr behindern und die Luft belasten. Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche-Post-DHL-Gruppe, Frank Appel, hat dazu kürzlich eine Idee aufgebracht: "Es wäre ein guter Schritt, wenn eine Stadt per Ausschreibung einen Anbieter bestimmt, der tatsächlich die ganze Stadt bedient." Den Vorschlag wiesen die kleineren Konkurrenten jedoch umgehend zurück. So suchen die Paketdienste weiter nach effizienten und verträglichen Zustellungswegen. Otto hat zum Beispiel über die Zustellung im Kofferraum des Kundenfahrzeugs nachgedacht. Ungelöst ist allerdings die Haftungsfrage, wenn eine wertvolle Lieferung verlorengeht.
Pünktlich zum Fest

Wer sicher sein will, dass seine Geschenke rechtzeitig vor Weihnachten ankommen, bekommt von vielen Onlinehändlern oder Paketdiensten eine Frist genannt. "Päckchen oder Pakete, die Absender bis 21. Dezember um 18 Uhr abgeben, erreichen in der Regel deutschlandweit bis Heiligabend ihre Empfänger", heißt es beispielsweise bei DHL. Da Heiligabend auf einen Sonntag fällt, fehlt den Versandfirmen ein halber Werktag für die Zustellung. "Das wird eine echte Kraftprobe", so Otto-Sprecher Frank Surhold. Otto sagt zu, dass alle Bestellungen bis 21. Dezember um 21.30 Uhr rechtzeitig ausgeliefert werden. Beim Marktführer Amazon steht der spätest-mögliche Bestelltermin nach Auskunft von Sprecher Stephan Eichenseher noch nicht fest. Bei den vielen kleineren Online-Shops wird es nach Einschätzung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) ebenfalls mit einer pünktlichen Auslieferung klappen. Der Verband rät Verbrauchern, sich auf der jeweiligen Webseite über die Frist zu informieren.