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14. August 2009

Aufschwung?

Rezession ade - doch der Weg nach oben wird kein leichter sein

Die Rezession ist schneller als gedacht zu Ende gegangen. Ein kräftiger Boom aber ist nicht in Sicht, wie auch südbadische Unternehmer sagen

WIESBADEN/FREIBURG. Rabenschwarz für die Wirtschaft hatten Ökonomen zu Jahresbeginn gesehen. Doch nun ist die Rezession erst einmal gestoppt. Der härteste Absturz seit dem Zweiten Weltkrieg ist zu Ende, der Alptraum vorüber. Mit einem überraschend kräftigen Zuwachs von 0,3 Prozent ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal aus der Schockstarre erwacht – schneller als gedacht.

"Die weltweite Angst, dass nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman das Finanzsystem kollabieren könnte, ist verschwunden", sagt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. 50 Prozent der Wirtschaft sind Psychologie, heißt es. In dieser beispiellosen Rezession war die Psychologie aber noch viel wichtiger. Das Vertrauen bei Banken, Unternehmen und Konsumenten war nach der Lehman-Pleite im September 2008 zerstört. Es kehrte erst mit den Konjunkturprogrammen auf der ganzen Welt und den Finanzspritzen der Notenbanken zurück.

Nun ist der Welthandel wieder angesprungen – davon profitiert Exportweltmeister Deutschland ganz besonders. Die Konjunkturprogramme haben verhindert, dass die Wirtschaft noch tiefer abstürzte. Beispiel Abwrackprämie: Sie hat nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern Menschen in die Autohäuser gelockt. Doch wie geht es weiter? "Das Ende des Abschwungs ist nicht gleichzusetzen mit dem Anfang des Aufschwungs", warnt der Konjunkturchef des Ifo-Instituts, Kai Carstensen. Im gesamten Jahr 2009 wird die deutsche Wirtschaft um vier bis fünf Prozent schrumpfen. Der Absturz wäre fünfmal so tief wie der bisher schlimmste 1975.

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Die Arbeitslosigkeit wird bald steigen
Es bleiben zahlreiche Risiken. Da ist einmal die bange Frage, wie es nach dem Auslaufen der milliardenschweren Konjunkturprogramme weitergeht. Sie fangen gerade erst an zu wirken. Ob der Staat wirklich in der Lage ist, der Wirtschaft für längere Zeit einen Schub zu geben, muss sich erst noch zeigen. Aber auch im Finanzsektor ist die Gefahr nicht gebannt. In den Bilanzen vieler Institute schlummern noch Risiken.

Der Verbraucher ist es, der bislang die Wirtschaft vor Schlimmerem bewahrt hat. Rückläufige (Öl-)Preise, Steuersenkungen und Gehaltszuschläge haben dazu beigetragen. Aber wie lange können sich die Bürger ihre Kauflust noch leisten? Die schwer gebeutelte Industrie setzt bislang auf Kurzarbeit, könnte aber bald Stellen abbauen. Fachleute erwarten 2010 einen Zuwachs auf mehr als vier Millionen Arbeitslose. Der Handel fürchtet Rückschläge für den Konsum, der zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmacht.

Ökonomen sprechen von einer Wellblechkonjunktur, bei der es rauf- und runtergehen könnte. Das verunsichert die Konsumenten, die bereits mehr Geld sparen als vor einem Jahr, aber auch die Unternehmen. Wer nicht richtig planen kann, der investiert nicht und schafft keine neuen Arbeitsplätze. "Man sollte aber die Chancen nicht übersehen", meint die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, Gertrud Traud. "Viele Effekte wirken selbstverstärkend, und dies nicht nur auf dem Weg nach unten, sondern jetzt auch auf dem Weg nach oben."

In der badischen Industrie wächst die Zuversicht
Auf dem Weg nach unten waren im ersten halben Jahr die Umsätze der mittelständische Industrie in Baden – im Schnitt um ein Viertel im Vergleich mit dem Vorjahr. Eine Umfrage des Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen Baden (WVIB) zeigt aber auch, dass viele Geschäftsführer wieder zuversichtlicher in die Zukunft blicken als zuletzt. Der vorsichtige Optimismus habe sicherlich mit der besseren Entwicklung in den vergangenen Monaten zu tun, sagte WVIB-Präsident Klaus Endress am Donnerstag in Freiburg.

Der Blick zurück offenbart das Ausmaß der Krise in der Region. 86 Prozent der etwa 1000 Mitgliedsfirmen mussten mit weniger Aufträgen leben. Durchschnittlich 30 Prozent weniger Wert waren die Bestellungen. Am härtesten habe es die Metallindustrie getroffen.

85 Prozent der hiesigen Firmen verbuchten im ersten Halbjahr weniger Umsatz. Viele Firmen produzierten weit weniger als es ihnen möglich gewesen wäre. Die Kapazitäten waren vielerorts nicht ausgelastet. Das hat auch damit zu tun, dass in den vergangenen, hervorragenden Jahren erhebliche Kapazitäten aufgebaut worden sind. 2900 von 160 000 Jobs von fest angestellten Mitarbeitern wurden gestrichen.

"Wo die Berge hoch sind, sind die Täler tief", sagte WVIB-Geschäftsführer Christoph Münzer. Er erinnerte daran, dass die Talfahrt von einem enorm hohen Niveau aus gestartet wurde. Heute seien die badischen Industriebetriebe auf das Niveau des Jahres 2006 zurückgefallen.

Nur jede zehnte Firma legte im Jahresvergleich beim Umsatz zu – etwa der Freiburger Medizintechnikhersteller Stryker, in dessen Räumen der WVIB seine Studie vorstellte. Das Unternehmen hat trotz der Krise 27 Prozent mehr umgesetzt.

Der Blick nach vorn ist von verhaltenem Optimismus geprägt. Vier von fünf Firmen rechnen damit, dass es mit den Aufträgen nicht weiter abwärts geht oder besser wird. Im vergangenen Halbjahr hatten zwei Drittel der Unternehmen weniger investiert, in der zweiten Jahreshälfte will eine deutliche Mehrheit die Investitionen nicht weiter zurückfahren.

Auch diese besseren, aber noch nicht guten Zahlen aus Südbaden zeigen: Der Abschwung ist vorbei, aber der Aufschwung wird wahrscheinlich holprig.

Autor: Klaus Rütschlin und dpa