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20. Juni 2012 00:02 Uhr
Zukunftsaussichten
Rio+20: Die fünf größten Probleme
Die Welt soll grüner werden. Die UN-Konferenz Rio+20 soll die Weichen stellen, damit Wirtschaftswachstum, Umweltschutz und der Kampf gegen die Armut miteinander vereinbar werden.
Das Wachstum der Weltbevölkerung gilt als einer der wichtigsten Umweltfaktoren, weil er sich auf nahezu alle anderen Faktoren auswirkt. Mehr Menschen verbrauchen mehr Ressourcen, produzieren mehr Abfall, hinterlassen also einen größeren Fußabdruck in ihrer Umwelt. 2011 gab es erstmals mehr als sieben Milliarden Menschen auf der Erde, Ende des Jahrhunderts werden es laut Weltumweltbericht Geo-5 zehn Milliarden Menschen sein. Dabei haben Asien und Ozeanien die größte Bevölkerung, Afrika die jüngste und die am schnellsten wachsende, Europa und Nordamerika die älteste und die am langsamsten wachsende. Die gute Nachricht ist: Fast überall sinken die Geburtenraten. 1950 brachte eine Frau im Schnitt 4,9 Kinder zur Welt, heute nur noch 2,6. Investitionen in Bildung vor allem für Mädchen und ein besserer Zugang zu Verhütungsmitteln gelten als effektivste Wege, die Geburtenrate zu senken. Um das proklamierte Ziel zu erreichen, bis 2015 allen Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen, müssten laut Geo-5 jährlich zehn bis 30 Milliarden Dollar mehr investiert werden. Für die Umwelt ist nicht nur wichtig, wie groß die Weltbevölkerung ist, sondern auch wie sie sich verteilt. Im Jahr 2010 lebten erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Der Trend zu Kleinfamilien in Industriestaaten erhöht mit der Zahl der Haushalte die Zahl der Haushaltsgeräte – und damit tendenziell den Stromverbrauch.
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Das Bevölkerungswachstum und ein steigender Lebensstandard sorgen dafür, dass die Menschheit immer mehr Energie verbraucht. Zwischen 1992 und 2008 stieg der Pro-Kopf-Verbrauch weltweit jährlich im Schnitt um fünf Prozent. Nach einem geringen Rückgang im Zuge der Weltwirtschaftskrise 2009 zeigt der Trend längst wieder nach oben. Der Geo-5-Bericht geht zwar davon aus, dass Energie künftig effizienter genutzt wird. Gleichwohl wächst der Energiehunger der Menschheit weiter – nur langsamer. Die gute Nachricht: Immer öfter werden erneuerbare Energieformen genutzt. Seit 2004 haben sich entsprechende Investitionen mehr als verfünffacht. Einen weltweiten Anteil von 16 Prozent erreichten erneuerbare Energien 2010 aber nur, weil mit zehn Prozent die Biomasse eingerechnet wurde. Zwei Drittel davon werden in Entwicklungsländern verbraucht, meist als Brennholz zum Heizen oder Kochen, mit oft verheerenden Folgen für die Umwelt. 2,7 Milliarden Menschen aber bleiben darauf angewiesen, 1,3 Milliarden Menschen haben keinen Strom.
Das Bevölkerungswachstum und die wirtschaftliche Entwicklung haben zu einer beispiellosen Nutzung von Landflächen geführt. Beides geht auf Kosten der natürlichen Ressourcen und Ökosysteme. Nachhaltiges Wirtschaften ist derzeit eher ein Ziel als Realität. Ein ökonomisches System aber, das auf die Idee ständigen Wachstums setze, sei schwer zu vereinbaren mit den Beschränkungen, denen ein sensibles Ökosystem wie die Erde unterliege, heißt es im Geo-5-Bericht. So verursache allein die Abholzung und der Verlust von Wäldern weit größere Schäden als die globale Finanzkrise 2008. Und obwohl Acker- und Weideflächen massiv ausgeweitet wurden, ist der Anteil der unterernährten Menschen nur geringfügig gesunken – von 14 Prozent der Weltbevölkerung Mitte der 90er Jahre auf 13 Prozent 2010. Absolut nahm die Zahl unterernährter Menschen sogar zu, von 788 Millionen auf 925 Millionen. Ein Grund: Rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel verdirbt oder wird weggeworfen. Das ist denn – so absurd es klingt – auch die gute Nachricht: Allein mit den ungenutzten Lebensmitteln ließen sich die Ernährungsprobleme der Welt lösen. Auch, dass jedes Jahr weniger Waldflächen verloren gehen, ist ein positiver Trend. Für bedenklich halten die Autoren des Geo-5-Berichts indes die zunehmende Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen zur Produktion von Biokraftstoffen.
Die Menschen verbrauchen immer mehr Wasser – allein in den vergangenen 50 Jahren hat sich der Bedarf verdreifacht. Verantwortlich dafür sind neben einer wachsenden Weltbevölkerung vor allem der steigende Wasserverbrauch in der Landwirtschaft, der Industrie und den privaten Haushalten. Wasserknappheit ist deshalb ein wichtiges Thema im Geo-5-Bericht. Ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt demnach in Regionen, in denen eine verlässliche Wasserversorgung nicht gegeben ist – fast ausschließlich in Entwicklungsländern. In immer mehr Regionen gilt zudem die Wasserentnahme für die betroffenen Ökosysteme als bedenklich hoch. Erste Auswirkungen des Klimawandels verschärfen das Problem teils noch. Die gute Nachricht: Allein mit vorhandenen Technologien ließe sich rund ein Drittel des zur Bewässerung in der Landwirtschaft eingesetzten Wassers einsparen. Dazu nötig wären Investitionen, überwiegend in armen Staaten. Fortschritte gibt es bei der Umsetzung des Ziels, allen Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen – seit Juli 2010 ein von der UN-Vollversammlung proklamiertes Menschenrecht. Für 96 Prozent der Städter ist das Realität, auf dem Land indes erst für 81 Prozent der Menschen.
Gegen das wichtigste atmosphärische Problem, den Klimawandel, tut die Welt zu wenig – das ist die zentrale Botschaft im Geo-5-Bericht. Längst nicht alle Länder ziehen mit, Klimaschutz gilt als teuer. Zwischen 1992 und 2008 ist der weltweite Ausstoß des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid um 66 Prozent gestiegen. Das ist ein Anstieg von mehr als drei Prozent pro Jahr. Grund war vor allem das Wachstum der globalen Industrieproduktion sowie ein höherer Lebensstandard in Entwicklungsländern, wo die Menschen oft klimaschädliche Lebensgewohnheiten der entwickelten Welt kopieren, sobald sie dazu in der Lage sind. Auch der Ausblick ist düster: Selbst wenn alle Länder ihre aktuellen Klimaziele erreichen, würde das proklamierte Ziel verfehlt, den globalen Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad Celsius zu beschränken, heißt es im Bericht. Dazu müssten bis 2020 sechs Milliarden Tonnen Kohlendioxid mehr eingespart werden. Und: Selbst die wenig ambitionierten Ziele des Kyoto-Protokolls werden voraussichtlich viele Unterzeichnerstaaten verfehlen. Angesichts leerer Kassen und wirtschaftlicher Sorgen droht das Thema aus dem Blick zu geraten. Dabei warnt der Geo-5-Bericht: Sollten die Temperaturen um 2,5 Grad Celsius steigen, würden die vom Klimawandel verursachten Schäden ein bis zwei Prozent der Weltwirtschaftsleistung entsprechen. Steigen sie um vier Grad Celsius, läge der Schaden bei vier Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Eine gute Nachricht gibt es aber auch hier: Der erfolgreiche Kampf gegen Ozonkiller und Blei als Benzinzusatz habe gezeigt, was mit einfachen, kosteneffektiven Maßnahmen möglich sei, wenn es den kollektiven Willen dazu gibt.
Autor: Dietmar Ostermann



