Zur Navigation Zum Artikel

09. Februar 2010

SAP-Chef geht im Streit

Jetzt Doppelspitze in Walldorf.

WALLDORF (dpa). SAP-Chef Léo Apotheker hat nach nur neun Monaten an der Spitze von Europas größtem Softwarehersteller überraschend das Handtuch geworfen. SAP will nun mit einer internationalen Doppelspitze verlorenes Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Die Vorstände für Vertrieb und Produktentwicklung, Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe, stehen künftig als gleichberechtigte Vorstandschefs an der Spitze von SAP.

Gescheitert ist Apotheker offensichtlich am Streit über die künftige Strategie des Softwareherstellers aus dem nordbadischen Walldorf. Ein weiterer Grund ist das massiv geschwundene Vertrauen der Belegschaft. Entscheidend für den schnellen Abgang des 56-Jährigen soll auch das belastete Verhältnis zu Aufsichtsratschef Hasso Plattner gewesen sein. Der SAP-Mitgründer gilt auch nach seinem Rückzug vom Vorstandsposten als der starke Mann im Hintergrund.

Apotheker, der fünf Sprachen fließend spricht, hatte den Weltmarktführer für Unternehmenssoftware in einer Phase übernommen, in der das erfolgsverwöhnte Unternehmens erstmals kräftig ins Trudeln geraten war. Es gab miese Geschäftszahlen in der weltweiten Wirtschaftskrise, einschneidende Sparmaßnahmen und erstmals in der Firmengeschichte ein stattliches Stellenstreichprogramm.

Werbung


   Dass Plattner nach schon länger schwelender Kritik endgültig die Reißleine zog, hatte aber wohl doch andere Gründe. Zwei Flops werden Apotheker in seiner kurzen Amtszeit als gravierende strategische Managementfehler vorgeworfen: Die seit Monaten immer wieder verschobene Einführung der neuen Mittelstandssoftware "Business by Design" und der heftige Streit mit tausenden Kunden über höhere Wartungskosten für die SAP-Software.  

Autor: dpa