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22. September 2017

Washington

US-Zentralbank verkauft ihren Berg an Wertpapieren

Die US-Zentralbank verkauft allmählich ihren Berg an Wertpapieren / Das drückt den Eurokurs und könnte die Inflation erhöhen.

FRANKFURT. Kurswechsel in Washington: Als erste der großen Notenbanken beginnt die US-Zentralbank Fed mit dem Abbau des Berges von Staats- und Immobilienanleihen im Volumen von 4,5 Billionen Dollar, zum aktuellen Kurs rund 3,75 Billionen Euro.

Die US-Zentralbank hatte die Papiere zur Bekämpfung der Folgen der Finanzkrise gekauft, um die Wirtschaft zu stützen. Jetzt will sie ab Oktober zunächst Monat für Monat das Volumen der Anleihen um zehn Milliarden Dollar reduzieren, wie Notenbank-Chefin Janet Yellen am Mittwochabend sagte. 2018 sollen dann nach und nach bis zu 50 Milliarden Dollar monatlich abgebaut werden. Außerdem soll der US-Leitzins 2017 noch einmal und 2018 weitere dreimal erhöht werden.

Das hat nach Ansicht von Volkswirten indirekte Auswirkungen auf die Europäische Zentralbank (EZB). Der Dollar dürfte jetzt gegenüber dem Euro wieder stärker werden. Damit wird die Inflation in Europa tendenziell beflügelt. Dies werde der EZB die Entscheidung zur Reduzierung ihrer Anleihekäufe erleichtern, glauben Beobachter.

Ende Oktober will der Rat der EZB entscheiden, wie es mit dem Programm zum Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen ab Anfang 2018 weitergehen soll. Bis dahin wird die Notenbank monatlich für 60 Milliarden Euro Wertpapiere kaufen. Seit dem Beginn der Käufe im März 2015 wird sich das Volumen in den Büchern der EZB dann auf rund 2,3 Billionen Euro belaufen. Damit soll die Kreditvergabe in der Eurozone angekurbelt, die Konjunktur unterstützt und die Inflationsrate in die Nähe der Zielgröße von knapp unter zwei Prozent gebracht werden.

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Seit Anfang des Jahres ist der höhere Eurokurs – die Gemeinschaftswährung stieg von 1,04 Dollar auf zeitweise mehr als 1,20 Dollar – der EZB bei ihrer Arbeit in die Quere gekommen, wie Notenbank-Chef Mario Draghi Mitte September beklagt hatte. Eine starke Währung macht Exporte aus dem Euroraum teurer und Importe günstiger. Beides drückt tendenziell die Inflation, die mit den für 2017 erwarteten 1,5 Prozent im Euroraum immer noch deutlich von der Marke von knapp zwei Prozent entfernt ist, bei der die EZB Preisstabilität gewahrt sieht.

Wenn die Fed nun den Einstieg in den Ausstieg bei ihren Anleihekäufen einleitet, stützt das tendenziell den Kurs des Dollar gegenüber dem Euro. "Das erleichtert der EZB die Reduzierung ihrer Anleihekäufe", sagt Michael Schubert, EZB-Experte der Commerzbank. "Deshalb ist es wichtig, wie sich das Wechselkursverhältnis Euro zum Dollar bis zur EZB-Ratssitzung Ende Oktober entwickelt." Auch weitere Zinserhöhungen in den USA dürften den Dollar stützen. Bereits am Mittwochabend nach Bekanntwerden der Fed-Entscheidung rutschte der Euro von 1,20 auf nur noch 1,8777 Dollar ab, stieg aber am Donnerstag wieder.

"Die EZB hinkt vier Jahre hinter der Fed her"

Beobachter rechnen bislang damit, dass die EZB die Anleihekäufe ab Januar auf ein Volumen von 40 Milliarden Euro im Monat zurückfahren wird. Im Laufe des nächsten Jahres könnten sie möglicherweise ganz eingestellt werden. Bis die EZB dann der Fed auch mit der Straffung des Anleihebestandes folgt, dürfte aber noch über 2018 hinaus dauern. "Die EZB hinkt vier Jahre hinter der Fed her", sagt David Kohl, Chefvolkswirt bei Bankhaus Julius Bär.

Für Verbraucher hat der Schwenk der US-Notenbank, den sie schon länger angekündigt hat, überschaubare Auswirkungen. Reisen in die USA und den Dollarraum werden wieder etwas teurer werden. Auch die Preise an der Tankstelle und für Heizöl könnten leicht steigen, weil Öl mit Dollar bezahlt werden muss.

Bei den Kreditzinsen geht es schon etwas länger, aber nur sehr langsam, nach oben. Für Zehn-Jahres-Hypotheken werden nach Angaben des Vergleichsportals FMH derzeit im Schnitt 1,33 Prozent verlangt. Im Februar waren es 1,2 Prozent. Anlagezinsen verharren im Tief. Im Schnitt gibt es bei Tagesgeld derzeit 0,14 Prozent, viele Banken zahlen überhaupt nichts. Vermögende Anleger müssen bei einigen Instituten sogar einen Negativzins von 0,4 Prozent zahlen für Anlagebeträge über 100 000 Euro. Den entrichten auch Banken, wenn sie bei der EZB Geld parken. Noch ist nicht absehbar, wann die Euro-Notenbanker den Einlagezins zumindest wieder aus dem negativen Bereich hieven. Mit einer Leitzinserhöhung rechnen Volkswirte erst 2019. Seit 10. März 2016 steht er bei null.

Autor: Rolf Obertreis