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14. September 2017

Sorge wegen US-Sanktionen gegen Moskau

Deutsche Firmen in Russland sehen große Probleme.

MOSKAU (dpa). Die neuen Strafmaßnahmen der USA gegen Russland lösen international Empörung aus. Auch an den deutschen Unternehmen im Riesenreich geht dies nicht spurlos vorbei. Sie sehen nun die Bundesregierung in der Pflicht.

Die deutsche Wirtschaft rechnet einer Umfrage zufolge mit schweren Schäden durch die neuen US-Sanktionen. Einer Erhebung der deutsch-russischen Auslandshandelskammer (AHK) in Moskau zufolge geht mehr als die Hälfte der Firmen davon aus, direkt oder indirekt betroffen zu sein. "Die neuen Sanktionen schweben wie ein Damoklesschwert über den deutschen Unternehmen", sagte der AHK-Vorstandschef Matthias Schepp. Sie würden als bedrohlicher eingestuft als die alten Sanktionen, die seit 2014 wegen des Ukraine-Konflikts gelten. Die AHK forderte Bundesregierung und EU-Kommission zum Handeln auf.

Das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 ist betroffen

Der US-Kongress hatte Ende Juli die weitreichendsten Sanktionen gegen Russland seit Jahren beschlossen. Sie richten sich gegen wichtige Wirtschaftszweige wie den für Moskau zentralen Energiesektor. Konkret ist etwa das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 betroffen, das russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland bringen soll. Auch die BASF-Tochter Wintershall ist an dem Milliardenprojekt beteiligt.

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Kritiker werfen den USA vor, lediglich ihr eigenes Flüssiggas nach Europa verkaufen zu wollen. Auch AHK-Präsident Rainer Seele, der Chef des österreichischen Energiekonzerns OMV, stimmte dem zu: "Ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass Nord Stream 2 auf halber Strecke verhindert werden soll." Auch die Bundesregierung hatte die US-Aktion bereits scharf kritisiert.

"Wir appellieren im Namen der deutschen Wirtschaft in Russland an die Bundesregierung und an die EU-Kommission, Gegenmaßnahmen gegen die US-Sanktionen einzuleiten", sagte Seele. Deutschland und die EU müssten europäische Unternehmen schützen, damit die Sanktionen ihnen nicht schadeten. "Es ist Zeit, über eine schrittweise Aufhebung der Sanktionen zu sprechen. Davon würden wir alle profitieren."

Autor: dpa