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06. Februar 2012 17:27 Uhr

Winterwetter

Stromversorgung trotzt der Kälte

Das deutsche Stromnetz ist trotz Kälte und wenig Wind stabil. Die Reservekraftwerke mussten noch nicht aktiviert werden – im Gegenteil: Deutschland exportiert derzeit Strom. In Frankreich kommt es hingegen zu Engpässen.

  1. Deutschland exportiert derzeit trotz Kälte Strom. Foto: DAPD

Solche Tage galten immer als die Nagelprobe für die Energiewende: Es ist kalt, der Stromverbrauch ist hoch und der Wind bläst nur schwach. Gleichwohl erweist sich das deutsche Stromnetz derzeit als stabil. "Keine Probleme" hieß es in den vergangenen Tagen übereinstimmend von der Bundesnetzagentur wie auch den Übertragungsnetzbetreibern. Weder über außergewöhnliche Netzengpässe noch über einen Mangel an Erzeugungskapazitäten kann die deutsche Stromwirtschaft im Moment klagen.

Im Gegenteil: Deutschland versorgt noch Nachbarn mit. Selbst in den um diese Jahreszeit kritischsten Stunden zwischen acht und neun Uhr und zwischen 18 und 19 Uhr exportierte Deutschland zuletzt per Saldo Strom. Montag morgen lag der Exportüberschuss bei 4000 Megawatt – das entspricht der Erzeugung von drei bis vier Atomkraftwerken.

"Im Moment erleben wir eine Situation, die im Vorfeld immer als potenziell kritisch bezeichnet wurde", sagte eine Sprecherin des Übertragungsnetzbetreibers Tennet. So war die gesamte Stromnachfrage in Deutschland gestern Mittag, wie auch schon am Freitag, mit rund 70 000 Megawatt hoch und der Wind lieferte in dieser Zeit jeweils weniger als 2000 Megawatt. Doch sei die Situation gut beherrschbar, hieß es bei Tennet, zumindest solange es keine größeren ungeplanten Ausfälle im Kraftwerkspark gebe. Die von der Netzagentur im Zuge des Atomausstiegs unter Vertrag genommenen Reservekraftwerke habe man noch nicht aktivieren müssen. Ähnlich entspannt sieht auch die Transportnetze-Sparte der EnBW die Netzsituation. Die Systemsicherheit sei "bisher zu jedem Zeitpunkt gewährleistet" gewesen.

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Auch die Preise am Spotmarkt der deutschen Strombörse EEX deuten nicht auf eine außergewöhnliche Verknappung hin: In der teuersten Stunde des gestrigen Montags zwischen 18 und 19 Uhr kostete die Kilowattstunde im Großhandel 14,3 Cent, im Tagesmittel lag der Preis für Strom mit Lieferung am gestrigen Tag bei 7,9 Cent. Ungewöhnlich sind diese Werte nicht. Im November 2007 wurden zum Beispiel stundenweise Preise bis zu 82 Cent je Kilowattstunde verlangt.

Ausgerechnet im Atomland Frankreich ist der Strom im Moment deutlich knapper als in Deutschland, wie auch an den Preisen am dortigen Spotmarkt zu erkennen ist: Für Strom zur Lieferung am heutigen Dienstagabend müssen Händler an der französischen Strombörse bis zu 34 Cent bezahlen, während in Deutschland der Preis zur gleichen Stunde bei 12,5 Cent liegt. Und während Deutschland in den letzten Tagen Nettoexporteur war, importiert Frankreich derzeit ständig Strom. Gestern morgen zum Beispiel lag der Importüberschuss Frankreichs bei mehr als 5000 Megawatt, das entspricht einem Äquivalent von vier Atomkraftwerken. Lieferländer sind Belgien, Schweiz, Großbritannien und Spanien. Und zeitweise importierte Frankreich gestern Vormittag auch noch Strom aus Deutschland.

Ursache der Importabhängigkeit ist die große Zahl der Stromheizungen in Frankreich. So steigt mit jedem Grad, um das das Thermometer im Winter fällt, in Frankreich die Nachfrage um 2300 Megawatt. In der Bretagne rief der Energieversorger EdF bereits am Freitag die Bürger dazu auf, ihren Stromverbrauch in den Morgenstunden und zwischen 18 und 20 Uhr einzuschränken. Gestern morgen gab der französische Netzbetreiber RTE gar für einen Teil der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur die höchste Warnstufe aus: Es bestehe wegen zu hohem Verbrauch gar die "die reale Gefahr eines Stromausfalls". Die Verbraucher sollten daher keine elektrischen Haushaltsgeräte benutzen und Fernseher, die im Standby-Modus sind, ganz ausschalten. RTE erwartete gestern, dass am Abend mit einer landesweiten Stromnachfrage von mehr als 97 900 Megawatt in Frankreich ein neuer Rekord aufgestellt wird. Unterdessen musste der Chef des staatlichen Stromkonzerns EdF, Henri Proglio, einräumen, dass das französische Netz in Zeiten großer Nachfrage anfällig sei.

In Deutschland erweist sich der Solarstrom als stabilisierender Faktor. "Die Photovoltaik in Süddeutschland hilft uns gerade sehr", sagte ein Sprecher des Übertragungsnetzbetreibers Amprion. Die Photovoltaik hat den Vorteil, dass ihre Einspeisung mit den Zeiten der Höchstlast im Netz zusammen fällt. In den vergangenen Tagen trug die Sonne in den Mittagsstunden zeitweise fast 10 000 Megawatt zur Stromerzeugung bei. Das ist so viel, wie sieben Atomkraftwerke liefern.

Autor: Bernward Janzing


14 Kommentare

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Robert Neumann

Registriert seit: 04.01.2010

Kommentare: 125

06. Februar 2012 - 18:21 Uhr

...was soll man dazu sagen, wenn man weiß, dass Rösler sich anscheinend in den Kopf gesetzt hat, die Solarförderung abzuschaffen, siehe auch hier
http://www.campact.de/klima/sn15/signer

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Mark Kalewski

Registriert seit: 16.10.2010

Kommentare: 1233

06. Februar 2012 - 18:25 Uhr

"Lieferland" Schweiz: http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/schweiz_droht_stromausfall_1.14795363.html

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Gelöschter Nutzer #834392

Registriert seit: 16.11.2010

Kommentare: 232

06. Februar 2012 - 18:39 Uhr

Den letzten Abschnitt muß man sich auf der Zunge vergehen lassen :-)

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Robert Neumann

Registriert seit: 04.01.2010

Kommentare: 125

06. Februar 2012 - 18:42 Uhr

sach ich ja, das zeigt nur, welche wirtschaftlichen Interessen (manchmal?!) hinter den Aussagen von Politikern stehen, vor allem bei der regierenden 3Prozent-Partei...

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Rainer Ordegel  

Rainer Ordegel

Registriert seit: 31.01.2011

Kommentare: 19

06. Februar 2012 - 18:46 Uhr

Eigentlich hätte doch bei uns der Strom ausgehen sollen - schon damals, als Wyhl nicht gebaut wurde

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2507

06. Februar 2012 - 19:20 Uhr

Ihr Kommentar, Hr. Rotzinger? :)

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katja müller-hurst

Registriert seit: 05.10.2011

Kommentare: 285

06. Februar 2012 - 19:53 Uhr

Naja 100 Milliarden Subventionen, da kann man schon was erwarten. :-)

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Martin Rotzinger

Registriert seit: 19.11.2010

Kommentare: 588

06. Februar 2012 - 21:00 Uhr

@Bender: wenn sie mich herausfordern wollen:
Solange Wind kleiner 25% Energieanteil zur Stromversorgung beiträgt und Photovoltaik kleiner 12% ist die kritische Masse, ab der der Kraftwerkspark massive Probleme mit dem Ausregeln kriegt -zumindest in globaler Betrachtung - noch nicht erreicht.

Hat jetzt aber nichts mit dem Artikel zu tun. Falls Frankreich zu spät oder nicht in Erzeugungskapazität investiert hätte, ob nun Nuklear, Kohle, Gas, Wind, etc. dann ist das kein Problem, das man auf die Kernkraft schieben kann.

Habe die Energiedaten in 15minütiger Auflösung des Jahres 2011 ausgewertet.
1. Haben wir mehr Importiert als 2010 (das meine ich nicht im Gesamtbilanzsinne, sondern als Häufung) allerdings legte sich das im Winter wieder
2. zeigte sich, daß Wind keine gesicherte Leistung hatte
3. hatte PV immerhin eine gesicherte Leistung (es ging nie drunter) von ein paar hundert Megawatt grob zwischen 11 und 14 Uhr.
d.h. PV - Strom ist in einem freien Markt wahrscheinlich immerhin mehr Wert als Wind; aber weniger als die jetzige Vergütung
4. In einem Szenario, bei dem man den Jahresstrombedarf Deutschlands 2011 mit (Energieanteil) 80% Wind und 20% PV hätte decken wollen, unter der Voraussetzung eines idealen Stromspeichers, hätte dies ein Speicher sein müssen, der den gesamten Verbrauch hätte stemmen müssen (ohne Exporte 60GW).
Also ca. 2/3 des jetzt bestehenden Kraftwerksparks.

Auf der anderen Seite, hätte dieser Speicher 150GW an Last aufnehmen müssen zu Zeiten massiven Überangebots. Das ist zusätzlich zum Verbrauch der 2,5fache (maximale) Strombedarf Deutschlands!

Die benötigte größe ("Fassungsvermögen") des Speichers habe ich noch nicht berechnet. Habe ja auch noch anderes zu tun. Kommt noch.

5. Wenn Sie mir jetzt mit BHKWs kommen: Mehr Öl und mehr Gasverbauch und im Sommer nutzlose Wärme.

6. Mit Biomassekraftwerken könnte man eventuell noch etwas ausregeln, dieses Szenario kann man sich noch überlegen. Dies würde den Speicherbedarf reduzieren. Allerdings: wir haben jetzt schon massive Probleme was Monokulturen für Biogasanlagen anbelangt und wir können auch nicht den gesamten Wald verheizen. Ausserdem gibt es noch das Problem, daß wir Ackerflächen für unsere Ernährung brauchen. Biomasse ist zur Stromproduktion extrem beschränkt.

7. Ein Smart Grid nützt nicht viel, wenn Gesamtdeutschland aus dem Speicher versorgt werden muss.

8. der realistische Fall ist die Errichtung massiver Kapazitäten an GUD - Kraftwerken zum ausregeln, wenn wirklich massiv auf EE gesetzt wird, was allerdings unsere Abhängigkeit vom Erdgas zementiert. Russland wird sich freuen.

9. Strom ist nur ein geringer Teil unseres Energiebedarfs das wird zu oft übersehen. Wir müssen früher oder später für Kohle und vor allem Öl Substitute finden. Selbst wenn man 100% des Stromes aus sog. Erneuerbaren herstellen würde, hätte man immer noch ein großes Problem die restliche hälfte des Energiebedarfs zu decken.

10. Darf man gerade im Bereich der Energieversorgung keine beliebigen Strukturen zu beliebigen Kosten errichten. Selbst wenn etwas technisch möglich wäre, muß die Lösung für eine Energieversorgung billig sein. Denn ohne billige Energie kein Wohlstand.

11. Die niedrige Energiedichte der sog. Erneuerbaren erzwingt, daß Lösungen für ein Land auch die größe eines Landes anehmen. Und dann kommt der NIMBY (inklusiv)oder der Krötenteich.

mfg

PS PV produziert auch nachts Strom - bei Vollmond, zwar nicht viel, aber immerhin groesser 0 ;)

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Berthold Metzler

Registriert seit: 19.12.2010

Kommentare: 144

06. Februar 2012 - 22:13 Uhr

Danke Herr Rotzinger, das sind interessante Informationen und Denkansätze. Ich würde mir wünschen, dass sich die öffentlich rechtlichen Medien (ARD, ZdF, SWR) für so etwas anstrengen, statt oft nur nachgeschwätzte Wunschgedanken und ideologisch aufgeheizte Diffamierungskampagnen zu senden.

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2507

06. Februar 2012 - 22:57 Uhr

FYI: http://www.heise.de/tp/blogs/2/151368

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Johannes Güntert  

Johannes Güntert

Registriert seit: 10.05.2009

Kommentare: 545

06. Februar 2012 - 23:58 Uhr

Zum Artikel: q.e.d.

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H. Martin Senn

Registriert seit: 24.10.2009

Kommentare: 16

07. Februar 2012 - 13:33 Uhr

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sich Aussagen unserer Regierenden als plumpe Lügen herausstellen und das Volk nimt es zum größten Teil einfach so hin. Die Schweizer Swissgrid macht kein Geheimnis aus ihrem Stromverbrauch und stellt die aktuellen Stromflüsse online ins Netz.
links unten unter folgendem Link:

http://www.swissgrid.ch/swissgrid/de/home.html

So etwas fehlt in unserem Lande, so können wir nur sehen was trotz der abgeschalteten AKWs immer noch in die Schweiz abfließt.
Solch eine Website würde ich mir für Deutscland auch wünschen.

Finland hat eine ähnlich offene Informationsstruktur und stellt seine Daten auch online
http://www.fingrid.fi/portal/suomeksi/sahkomarkkinat/voimajarjestelman_tila/

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Werner Adrion

Registriert seit: 31.12.2010

Kommentare: 13

07. Februar 2012 - 21:16 Uhr

Da muss einiges relativiert werden : Deutschland hat nach Abschaltung der 8 Kernreaktoren noch eine gesicherte Kraftwerksleistung von 76 GW. Die Jahreshöchstlast beträgt etwa 77 GW. Somit haben wir ohne Wind und PV eine Unterdeckung von 1 GW.(diese werden wegen hoher Volatilität nicht zu dieser sicherheitsrelevanten Betrachtung eingerechnet) In diesem Artikel wird eine Netzlast von 70 GW genannt, somit liegen wir noch 6 GW unter der gesicherten Kraftwerksleistung. Deshalb ist es auch unproblematisch. Die Jahreshöchstlast sinkt anlässlich der Abwanderung energieintensiver Industrie aus Deutschland eher, als sie steigt. (Aluwerke, Papierfabriken etc.) Installiert sind in Wind rd. 28 GW und Solar rd. 22 GW. Verfügbar sind davon aber etwa 10 %- aber eben nicht gesichert. Das ist das Problem bei dieser Energieform.

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Martin Rotzinger

Registriert seit: 19.11.2010

Kommentare: 588

08. Februar 2012 - 08:35 Uhr

@H. Martin Senn:

Das gibt es, was sie wollen. Für ganz Europa.
Bei entsoe.net kostenlos registrieren, einloggen und dann unter Operational nach Cross Border Physical flows kucken. Die Dtaen können auch bequem als xml runtergeladen werden.

mfg

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