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03. Mai 2012 10:01 Uhr

Basel

Syngenta soll Genmais-Risiken verschwiegen haben

Zwölf Kühe hat ein Landwirt aus Hessen verloren – und vermutet als Ursache Gen-Mais, der Gift gegen einen Schädling enthält. Deshalb klagt er nun gegen den Basler Agrokonzern Syngenta.

  1. Mais ist nicht gleich Mais. Foto: Siegfried Gollrad

Bei der Staatsanwaltschaft Basel wurde am Mittwoch eine Strafanzeige gegen den Geschäftsführer des am Rheinknie beheimateten Agrokonzerns Syngenta, Hans-Theo Jachmann, sowie gegen Unbekannt eingereicht. Hintergrund der Anzeige ist der Verdacht, dass das Unternehmen bei der Zulassung einer gentechnisch veränderten Maissorte wichtige Untersuchungsergebnisse zurückgehalten und vor einem Gericht in Frankfurt falsche Angaben gemacht hat. Zwei gleichlautende Anzeigen gingen am Sitz von Syngenta Deutschland in Hanau sowie in Frankfurt ein.

Kläger ist der Landwirt Gottfried Glöckner. Er wird unterstützt unter anderem vom Basler Appell gegen Gentechnologie und der Aktion Public Eye on Science des Schweizer Bauern Urs Hans. Glöckner hatte sich nach seiner eigenen Darstellung seit der Hofübernahme 1989 an mehreren Freilandversuchen beteiligt. Er sei von den neuen Technologien überzeugt gewesen und habe darin eine Zukunft für seinen Hof gesehen.

Gift gegen den Maiszünsler

So habe er von 2000 bis 2002 auch den von Syngenta hergestellten BT-Mais 176 ausgesät, der ein Gift gegen den Maiszünsler, einen Schädling, enthält. Er verfütterte den geernteten Mais auch an seine Kühe. Im ersten Jahr verendeten 5 der 75 Kühe aus seinem Stall, im folgenden Jahr noch einmal 7. Lange habe er einen Zusammenhang mit dem Mais ausgeschlossen, "ich dachte, das ist doch das am besten erforschte und kontrollierte Futtermittel", sagte Glöckner am Mittwoch in Basel. Auf eigene Rechnung ließ er das Futtermittel, Kot, Urin und Milch der Kühe sowie zuletzt auch innere Organe von verendeten und geschlachteten Tieren untersuchen.

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"Zu behaupten, es habe keine Versuche gegeben, ist eine bewusste Falschaussage vor Gericht." Christoph Palme
Wie sein Anwalt Christoph Palme aus Tübingen darlegte, sei es 2002 zu Verhandlungen mit Syngenta über Schadenersatz sowie zu einer ersten Zahlung von mehr als 40.000 Euro gekommen. Weitere Zahlungen sollten folgen, vorausgesetzt, Glöckner spreche nicht über den Fall. Darauf ließ sich der Landwirt aus Hessen nicht ein. Als er seine Entschädigung einforderte, kam es zu einem Prozess – den Glöckner verlor. In diesem, so Anwalt Palme, habe der Vertreter von Syngenta auf die Frage des Richters versichert, es habe keine Fütterungsversuche mit BT-Mais gegeben, daher seien Risiken nicht bekannt gewesen.

Wurde den Behörden die Studie vorenthalten?

Im Jahr 2009 wurde Glöckner jedoch in Paris eine Studie aus dem Jahr 1996 übergeben – in Frankreich erfolgte die EU-Zulassung für den BT-Mais. Darin heißt es, der Fütterungsversuch in den USA sei nach nur acht Tagen abgebrochen worden, nachdem die erste Kuh verendet war. Auftraggeber des Versuchs war Syngenta. "Zu behaupten, es habe keine Versuche gegeben, ist eine bewusste Falschaussage vor Gericht, daher besteht aus meiner Sicht der Anfangsverdacht eines Prozessbetrugs", erklärte Palme. Spätestens zu diesem Zeitpunkt habe es konkrete Warnhinweise gegeben. Palme will auch die Rolle der Zulassungsbehörden von der Staatsanwaltschaft untersucht sehen, daher die Anzeige gegen Unbekannt. Wurde den Behörden die Studie vorenthalten? Oder lag sie vor, wurde aber nicht beachtet?

Syngenta wollte sich am Mittwoch nicht zum Inhalt der Anzeige äußern. Er wisse nicht, um welche Studie es sich handelt, erklärte Unternehmenssprecher Peter er. "Ich gehe davon aus, dass alle relevanten Studien berücksichtigt wurden", sagte Hefner. Das Unternehmen sei nach wie vor überzeugt, dass BT 176 sicher sei. Dass er vom Markt genommen wurde, "hat nichts mit Sicherheitsbedenken zu tun". Vielmehr sei die Maissorte weiterentwickelt worden und es mangle es in Europa an Akzeptanz für Genmais.

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Autor: Franz Schmider


11 Kommentare

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Moritz Rau

Registriert seit: 26.07.2011

Kommentare: 294

03. Mai 2012 - 11:17 Uhr

Wieso darf so etwas auf den Markt. Es muss doch sichergestellt werden, dass ein Lebensmittel, sei es für Tiere oder Menschen unbedenklich ist.

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Jürgen Maurer

Registriert seit: 05.11.2009

Kommentare: 34

03. Mai 2012 - 12:32 Uhr

Diese gesunden Nahrungsmittel sollte man an die Verantwortlichen verfüttern bis .....
Das ist wohl das wirklich Allerletzte, vergiftete Nahrungsmittel in den Umlauf bringen.

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Jürgen Maurer

Registriert seit: 05.11.2009

Kommentare: 34

03. Mai 2012 - 12:35 Uhr

Übrigends, diese "Agrarkonzerne" müssten Entschädigungen und Strafen zahlen, dass vom Konzern nur noch der schlechte Ruf bleibt.
Zum ko... sowas.

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David Bär  

David Bär

Registriert seit: 17.11.2011

Kommentare: 49

03. Mai 2012 - 12:56 Uhr

Ich hoffe so sehr, der betroffene Landwirt bekommt Recht! Ich finde super, dass bereits einige Konzerne Rückzieher aus Europa machen, weil hierzulande "die Akzeptanz fehlt"... Der Fall zeigt wieder einmal die Gefahren in diesem Bereich.

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Kara Halle

Registriert seit: 26.02.2011

Kommentare: 29

03. Mai 2012 - 13:30 Uhr

Wenn die Agrokonzerne wie Syngenta für alle Schäden, die ihre Produkte ohne Begrenzung der Schadenshöhe und Verursachungszeit haften müssten, wäre die Herstellung unwirtschaftlich und würde sofort eingestellt.
Es würde sich auch keine Versicherung finden, die diese Giftmischungen versichert, da die Risiken unermesslich sind.

Unser Staat, also wir alle, stellen diese Firmen jedoch über das Produkthaftungsgesetzt und ähnliches von der Haftung frei. Diese Kosten bei Großschäden zahlt der Staat über Steuern, Krankenkassenbeiträgen uä..

Dasselbe trifft auf Atomkraftwerke, Banken und anders zu.
Wir Bürger müssen halt nur die wählen, die diesen Wahnsinn mehr zügeln. Dazu sind Politiker da.

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Gregor Bähr

Registriert seit: 19.08.2011

Kommentare: 401

03. Mai 2012 - 14:41 Uhr

Ja, an der Akzeptanz für Genmais mangelt es tatsächlich.

Jetzt noch mehr.

Biolandwirtschaft statt Agrargroßkonzerne mit Patenten auf Broccoli und Tiersamen!

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Bruno Fink

Registriert seit: 03.02.2011

Kommentare: 31

03. Mai 2012 - 14:55 Uhr

Einem Bauern, der nicht weiss, dass Genmanipulationen riskant sein könnten, sollte das Bauern verboten und sein Landwirtschaftsland ohne Entschädigung enteignet werden, damit er nicht rückfällig werden kann und die Umwelt erneut schädigen kann.

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Jürgen Maurer

Registriert seit: 05.11.2009

Kommentare: 34

03. Mai 2012 - 15:01 Uhr

Natürlich Herr Fink, wie immer auf die Kleinen. Die Großen Verbrecher bekommt man eh nicht.
Und das enteignete Gelände am besten von dieser Industrie als Versuchslabor ausbauen lassen. Damit besser getestet werden kann.

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Armin Wolff  

Armin Wolff

Registriert seit: 01.09.2009

Kommentare: 81

03. Mai 2012 - 15:33 Uhr

Man sollte die ganze Diskussion bei aller Skepsis gegenüber der "grünen Gentechnik" - und ich stehe der Gentechnik in der Landwirtschaft auch generell sehr kritisch gegenüber - mal auf eine sachliche Basis stellen.
Hier muss zunächst mal klargestellt werden, dass der Fall nur auf der *Vermutung* des Landwirts beruht, dass die erhöhte Sterblichkeit unter seinen Tieren auf der Fütterung mit BT-Mais beruht. Es gibt trotz massiver weltweiter Bemühungen von diversen Umweltschutzgruppen bisher keinen schlüssigen, wissenschaftlichen Beweis für diesen Zusammenhang.
Es könnte durchaus diverse andere Ursachen geben, denn in vielen Ländern werden seit Jahren Millionen Rinder mit Bacillus Thuringiensis Toxin-haltigen Pflanzen gefüttert, ohne reihenweise tot umzufallen. Man sollte ausserdem bei dieser Gelegenheit erwähnen, dass die Verfütterung von Mais an den Grasfresser Kuh schon von vornherein keine artgerechte Ernährung darstellt und an sich schon zu gesundheitllichen Problemen führt.
Das "fertige" Gift von Bacillus Thuringiensis (also nicht das Transgen, das erst in der Pflanze exprimiert wird) oder das Bakterium selbst ist übrigens seit Jahren in der *ökologischen* Landwirtschaft als "natürliches" Schädlingsbekämpfungsmittel verbreitet, mit gutem Erfolg und ohne dass von negativen Auswirkungen berichtet würde.
Grundsätzlich gibt es viele gute Argumente gegen die "Gentechnisierung" der Landwirtschaft. Stichworte wären hier die Biodiversität, der Landschafts- und Artenschutz, die ungenügende Kennzeichnung für Allergiker und ähnliches. Auch die Methoden von Konzernen wie Monsanto oder Syngenta, denen es in erster Linie darum geht mit mehr oder weniger skrupellosen Methoden Abhängigkeiten und Monopole zu errichten kann und sollte man kritisieren.
Das reflexartige, uninformierte und blinde Einschlagen auf "so was" oder das Nachplappern von unbelegten Allgemeinbehauptungen macht es leider eher den Befürwortern der industriellen Landwirtschaft leichter, die relevanten Gegenargumente zusammen mit dem ganzen unreflektierten "Gentechnikbashing" zu diskreditieren.

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Johannes Wasmer

Registriert seit: 03.05.2012

Kommentare: 2

03. Mai 2012 - 16:10 Uhr

Eine einfache Suche im Netz fördert die Seite bioSicherheit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zutage. Dort wird in einem Artikel der Fall der "Glöckner"-Kühe ausführlich behandelt. Die vom Robert-Koch-Institut beauftragten Sachverständigen führten in ihrem Schlussbericht als wahrscheinlichen Grund für das Verenden der 12 Tiere nicht den Bt-Mais, sondern "unzureichende Futtermittelqualität und Fehler bei der Zusammensetzung der Futterrationen", die nach ihrer Meinung zu "erheblichen gesundlichen Störungen bei den Milchkühen" führen könnten. Nach dem erheblichen öffentlichen Interesse kamen Zweifel an dem Bericht auf und er wurde 2007 nochmals wiederholt. Mit einigen Korrekturen, die man auf der Webseite einsehen kann, hat sich nichts an dem Befund geändert, vor allem nicht an der Verwerfung der ursprünglichen Hypothese.
Ana Fresno von der Nationalen Kommission für Biosicherheit in Spanien, wo zurzeit des Artikels 22.000 Hektar geernteten Bt-Mais als Tierfutter verwendet wurden, was sich mittlerweile verdoppelt hat, bestätigt dort, dass man noch auf keine auffälligen Erkrankungen oder Todesfälle gestoßen sei.

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Martin Rotzinger

Registriert seit: 19.11.2010

Kommentare: 616

03. Mai 2012 - 22:16 Uhr

@Johannes Wasmer, Armin Wolf:
Sehr interessante Punkte.

Weils zum Zusammenhang passt:
http://www.youtube.com/watch?v=E5Qe1DlWzIY

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