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17. August 2009 00:39 Uhr
Streichung von Subventionen
Tabakanbau im Elsass steht vor dem Aus
2010 dürfte sich die Lage der Tabakbauern in Baden und im Elsass, aber auch in der übrigen Europäischen Union drastisch verschärfen. Dann fallen nämlich die Subventionen für Tabak vollständig weg.
STRASSBURG. Lange hatte die EU zwar eine Anti-Raucher-Politik betrieben, gleichzeitig aber den Tabakanbau finanziell gefördert. Seit 2006 war der Zuschuss pro Kilo Tabak von 3,50 Euro auf zuletzt 2,65 Euro gesenkt worden. 40 Prozent der Subventionen vergibt die EU jetzt noch unabhängig von der produzierten Menge. 60 Prozent werden pro Kilo geernteten Tabaks gezahlt.Vom kommenden Jahr an verlieren die Landwirte pro Hektar kultivierter Tabakfläche 7000 Euro.
"Wer vom Tabakanbau lebt", sagt Olivier Riedinger von der Tabakgenossenschaft Alsatabac, "für den gibt es keine Alternative, denn Getreide und Gemüse bringen pro Hektar geringere Erträge." Bislang habe man die Verluste bei der Verarbeitung wettgemacht, sagt Riedinger. Die Blätter wurden nicht mehr einzeln, sondern nach Bündeln sortiert. Das sparte Handarbeit und Zeit ein, bedeutete aber keinen Qualitätsverlust für die Weiterverarbeitung. "Wir hoffen, dass die Industrie vom kommenden Jahr an den Wegfall der Prämien durch höhere Preise ausgleicht."
Riedinger, der als Geschäftsführer der Genossenschaft Alsatabac mit Sitz in Straßburg die Interessen der Tabakbauern in ganz Ostfrankreich vertritt, befürchtet, dass mit der tabakfeindlichen EU-Politik der Tabakanbau aus Europa verschwinden könnte. Alsatabac gehören mehr als 200 Landwirte an. Sie ist die größte der sieben französischen Genossenschaften für Tabak. Im Elsass, wo zu 84 Prozent Virginia-Tabak angebaut wird, umfasst die Anbaufläche mehr als 1000 Hektar.
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Tabak brachte bislang gutes Geld im Verhältnis zur Fläche. Mit ihrer Tabakrichtlinie strebt die EU eine Umorientierung der Tabakbauern an. Das Problem: Tabak bringt etwa zehnmal mehr pro Hektar ein als etwa Mais. Wer dann noch von der Landwirtschaft leben möchte, braucht mehr als die durchschnittlich vier Hektar eines elsässischen Tabakbauern. Mit einem Altersdurchschnitt von 41 Jahren sind die elsässischen Tabakbauern ausgesprochen jung. Sie müssten nun erhebliche Flächen zukaufen.
Bei den Erzeugern im Elsass hat die Übergangsphase bis zum Subventionsstopp weder für eine Akzeptanz der Neuregelung gesorgt noch eine Umorientierung in die Wege geleitet. "Dafür ist ein Tabakbauer zu sehr spezialisiert", sagt Riedinger.
Probleme bereitet dem traditionell auf beiden Seiten des Oberrheins angesiedelten Tabakanbau (in Baden-Württemberg ernten 140 Betriebe 3900 Tonnen Tabak) nicht nur die Anti-Raucher-Politik aus Brüssel, sondern auch die Globalisierung. Derzeit wird ein Fünftel der in Europa gerauchten Zigaretten aus europäischem Tabak hergestellt. Kommt weniger Tabak aus Europa, dann kaufen die Konzerne ihr Rohmaterial auf dem Weltmarkt.
Vor diesem Hintergrund schien wohl auch die letzte Straßburger Zigarrenmanufaktur in der Krutenau zwischen Münster und Universität nach der Übernahme durch einen Konzern nicht mehr rentabel zu sein. Anfang 2008 übernahm Imperial Tabacco nach einem ersten feindlichen Übernahmeangebot 2007 die Straßburger Zigarrenfabrik, stieß sie wenig später aber wieder ab. Im Juni 2010 ist nun endgültig Schluss. Viele der 227 Beschäftigten befinden sich in einem Alter weit vor der Rente und werden nun in die Arbeitslosigkeit geschickt. Generationen von Familien haben in der Fabrik aus dem 19. Jahrhundert Zigarren gerollt. Ob der Wegfall der Subventionen auch das Ende des Tabakanbaus im Elsass besiegeln wird, muss sich aber erst noch zeigen.
Autor: Bärbel Nückles
