Thalia und Mayersche fusionieren

Bettina Schulte und dpa

Von Bettina Schulte & dpa

Fr, 11. Januar 2019

Wirtschaft

Mehrheitsgesellschafter bleibt Familie Herder / Alle 350 Filialen sollen bestehen bleiben / Kein Personalabbau geplant.

FREIBURG. Keine wirtschaftliche Not, sondern die Weichenstellung für eine tragfähige Zukunft im Buchhandel – so begründete der Freiburger Verleger Manuel Herder am Donnerstag im Gespräch mit der Badischen Zeitung den Zusammenschluss von Thalia mit der Mayerschen Buchhandlung. Herder ist Mehrheitsgesellschafter bei Thalia.

Bei dem Zusammenschluss wird der Thalia-Gesellschafterkreis – bestehend aus den Familien Herder, Kreke, Busch und Göritz – um die Aachener Familie Falter erweitert, der die Mayersche Buchhandlung gehört. Mayersche betreibt nach eigenen Angaben 55 Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, Thalia rund 300 im deutschsprachigen Raum. Mehrheitsgesellschafter nach der Fusion bleibt die Familie Herder.

"Die Entscheidung für das Zusammengehen ist ein wichtiges Signal für den erfolgreichen Fortbestand des familiengeführten, mittelständischen Buchhandels", so Manuel Herder gegenüber der BZ. "Für Unternehmerfamilien im Buchhandel ist das genau der richtige Schritt. Damit setzen wir ein Zeichen des Aufbruchs gegen die Marktmacht globaler Online-Händler und für die innerstädtische Lesekultur."

Herder, seit 2016 Mehrheitseigner von Thalia, blickt wie die Mayersche auf rund 200 Jahre Familientradition zurück. Diese übereinstimmende lange Tradition, so Herder, habe den Zusammenschluss befördert. Die Mayersche könne sich künftig die Online-Logistik von Thalia zunutze machen, während Thalia von der großen buchhändlerischen Erfahrung der Mayerschen profitiere. Herder sicherte zu, dass keine der 355 Filialen des neuen Branchenriesen geschlossen werde. "Beide Unternehmen stehen auf gesunden Füßen. Keiner der beiden Partner hätte der Fusion bedurft."

Allerdings sei der Zusammenschluss eine Reaktion auf den "rückläufigen Markt". Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte im Juni 2018 eine Studie veröffentlicht, nach der die Zahl der Buchkäufer zwischen 2012 und 2016 um sechs Millionen gesunken ist – ein Trend, der sich 2017 fortgesetzt hat. Der Umsatz im stationären Buchhandel ist laut Studie nur deshalb relativ stabil geblieben, weil die verbliebenen Käufer im Verhältnis mehr Bücher erwarben. Manuel Herder machte mehrere Faktoren für den Rückgang verantwortlich: den demografischen Wandel, der eine Einbuße bei deutsch lesenden Käufern mit sich bringe, die Konkurrenz der elektronischen Medien, die immer mehr Zeit in Anspruch nähmen, und rückläufige Einkäufe in den Innenstädten durch die Konkurrenz des Online-Handels. Der Unternehmer sieht sich mit der Fusion auf dem richtigen Weg, dem Paroli zu bieten: "Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen im Buchhandel sind zukunftsweisende Konzepte und Allianzen notwendig, um eine noch bessere Marktposition zu erreichen."

Der neue Branchenprimus wird über rund 350 Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum und mehrere Online-Shops verfügen. Über den Shop-in-Shop-Anbieter Best-of-Books vertreibt die Mayersche auch Bücher in gut 1000 Warenhäusern, Supermärkten und Drogerien.

Angesichts der veränderten Rahmenbedingungen im Buchhandel seien Allianzen notwendig, betonte Thalia-Chef Michael Busch. Sonst werde der klassische Buchhandel im Wettbewerb mit internationalen Online-Anbietern den Kürzeren ziehen. Der Zusammenschluss von Thalia und der Mayerschen sei ein richtiger Schritt, weil sich beide Unternehmen geradezu ideal ergänzten. Thalia habe mehr Erfahrung im Thema Online-Handel, die Mayersche habe mehr Know-how bei der Abrundung der Angebotspalette mit neuen Produkten wie Spielzeug und im Shop-in-Shop-Geschäft.

Thalia-Chef Busch signalisierte die Bereitschaft zu weiteren Bündnissen im deutschen Buchhandel. "Wir sind offen für jegliche Form der Zusammenarbeit." Ob die Marke "Mayersche Buchhandlung" auf Dauer erhalten bleibt, darüber ist den Angaben der Beteiligten zufolge noch nicht endgültig entschieden. Doch einen Stellenabbau soll es wohl nicht geben. "Bei einem Personalabbau besteht die Gefahr, Kompetenzen zu verlieren. Das Risiko wollen wir nicht eingehen", sagte Busch. Der neue Bücherriese will auch in Zukunft wachsen und sein Filialnetz weiter verdichten – durch die Übernahme bestehender Buchhandlungen, aber auch durch Neueröffnungen. Auch im Internetzeitalter sei die Präsenz vor Ort wichtig, betonte Busch. "Wenn wir einen Buchladen in einer Region eröffnen, wo wir bisher nicht stationär vertreten waren, steigt dort auch der Online-Umsatz", so der Thalia-Chef.

Im vergangenen Jahr hat der deutsche Buchmarkt seinen Umsatz stabil gehalten, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Auch der Buchhandel vor Ort hat sich demnach nach einem mageren Jahr 2017 etwas erholt. Insbesondere Sachbücher sowie Kinder- und Jugendbücher gewannen im Vergleich zum Vorjahr an Umsatz hinzu.