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23. Dezember 2008 17:35 Uhr

BZ-Serie Alternative Wirtschaftspolitik

Verteilungsgerechtigkeit

Ein uralter Traum mit vielen Tücken

Der Streit dauert an: "Warum verdient Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Millionen, während eine Krankenschwester sich mit ein paar Tausend Euro zufriedengeben muss?", lautet heute eine in Freiburger Kneipen gern diskutierte Frage.

Doch bereits der griechische Philosoph Platon (428/427 vor Christus bis 348/347 vor Christus) war sich der Bedeutung der Vermögensverteilung für das Zusammenleben in einer Gesellschaft bewusst. Den oberen Ständen seiner Gelehrtenrepublik wollte er das Privateigentum verbieten. Er sah die Ungleichheit als Quelle ständiger Unruhen. Stattdessen empfahl er den Angehörigen der Herrscherkaste, sich Güter und Frauen zu teilen.

Vermögen und Einkommen in der Bundesrepublik sind ungleich verteilt
Auch Thomas Morus (1478-1535), heiliggesprochener Jurist und Politiker, beschreibt in seiner Schrift "Utopia" eine Gesellschaft, die durch die Abschaffung von Privateigentum und Geld auf vollendete Gerechtigkeit zielt. Allerdings bleibt der später Geköpfte zutiefst skeptisch, ob diese Idee umgesetzt werden könne. Den Verfechter von Utopia nennt Morus Hypthlodeus, was so viel wie leeres Geschwätz bedeutet. Wirkliche Gerechtigkeit gebe es nur im Himmel.

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Vermögen und Einkommen in der Bundesrepublik sind in der Tat ungleich verteilt. Während die Haushalte im obersten Zehntel der Vermögensverteilung 2003 im Durchschnitt 625 000 Euro privates Geld- und Immobilienvermögen besaßen, waren die Haushalte im untersten Zehntel netto verschuldet. Diese ungleiche Vermögensverteilung hat zuletzt noch geringfügig zugenommen. Die Ursachen sind vielfältig: So spielen neben den wirtschaftlichen Veränderungen auch die sich wandelnde Alters- und Haushaltsstruktur eine Rolle.

Bei den Einkommen zeigt sich ein ähnliches Bild: Die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung kamen im Jahr 2006 auf monatlich 9,6 Prozent des Gesamteinkommens, der Anteil der reichsten 20 Prozent lag bei 36,8 Prozent. Die Ungleichheit hat zugelegt: Sowohl bei den Markteinkommen als auch bei den Nettoeinkommen (nach Steuern und staatlichen Transferzahlungen) ist eine zunehmende Spreizung zu beobachten.

Eine vollkommene Gleichverteilung nimmt den Menschen auch den Anreiz, mehr zu arbeiten
Vor allem diese Entwicklung ist es, die gerade linke Politiker nach mehr staatlicher Umverteilung rufen lässt. Allerdings verweisen Kritiker auf deren Gefahren: Auf manchem Gehaltszettel bleiben vom gezahlten Bruttolohn nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben schon jetzt nur noch etwas mehr als 50 Prozent übrig. Ein zu starker Eingriff in die Freiheit, sagen manche. Es sei ein Recht des Menschen, über sein Einkommen selbst verfügen zu können.

Eine vollkommene Gleichverteilung nimmt den Menschen auch den Anreiz, mehr zu arbeiten. Bei Gleichverteilung müsste derjenige, der sich besonders anstrengt und dafür mehr Geld erhält, sein zusätzliches Einkommen abgeben. Er würde sich wohl kaum noch ins Zeug legen. Das Gebot der Leistungsgerechtigkeit wäre verletzt.

Ökonomen befürchten, dass es bei einem zu hohem Maß von Verteilungsgerechtigkeit weniger Güter und Dienstleistungen gibt und alle Mitglieder solch einer Gesellschaft nur unzureichend versorgt werden.

Autor: Bernd Kramer