Vertriebsweg und Inhalte in einer Hand

Frank Herrmann

Von Frank Herrmann

Do, 14. Juni 2018

Wirtschaft

Der US-Telekomriese AT&T darf den Medienriesen Time Warner übernehmen.

WASHINGTON. Ein Bundesgericht in Washington hat der Übernahme des Medienkonzerns Time Warner durch den Telekomriesen AT&T den Weg geebnet. Mit dem 85-Milliarden-Dollar-Geschäft dürfte der Konzentrationsprozess in der amerikanischen Unterhaltungsbranche an Fahrt gewinnen.

Richard Leon, der zuständige Richter, erlaubte den Deal, ohne Bedingungen daran zu knüpfen. Die US-Regierung habe in der Rolle der Klägerin nicht überzeugend begründen können, dass der Zusammenschluss Verbrauchern schade, begründete er sein Urteil. Argumente, nach denen die Fusion den Wettbewerb einschränke und die Preise nach oben treibe, teile er nicht. Damit wird AT&T-Time Warner seinen Kunden künftig gebündelte Dienstleistungen anbieten können, vom Breitband-Internet über Mobilfunk bis hin zu Fernsehsendungen und Spielfilmen. AT&T ist aktuell der zweitgrößte Mobilfunkanbieter der USA, während seine TV-Sparte Direc-TV rund 25 Millionen Haushalte beliefert. Mit der Übernahme des Time-Warner-Konzerns erwirbt das Unternehmen einige der bekanntesten Marken der Branche, etwa den Nachrichtensender CNN oder das Bezahlfernsehen von HBO mit populären Serien wie Game of Thrones. Um es vereinfacht zu sagen: Während AT&T Vertriebswege und Übertragungskanäle bereitstellt, steuert Time Warner die Inhalte bei.

Beides in einer Hand zu haben, war das Motiv für die Übernahme. In einer Medienlandschaft im Zeichen rasanten Wandels hofft der vergrößerte Konzern das Duell mit den Hightech-Giganten der Westküste bestehen zu können. Auch Amazon oder Apple lassen mittlerweile eigene Stücke produzieren. Netflix ist drauf und dran, traditionellen Anbietern des Filmgeschäfts den Rang abzulaufen.

Der neue Medienriese, hatte das Justizministerium dagegen ins Feld geführt, könnte seine gestiegene Marktmacht ausnutzen, um von Wettbewerbern mit eigenen Übertragungswegen überhöhte Gebühren für die Produkte von Time Warner zu erheben. Mit über 400 Millionen pro Jahr, schätzten Juristen des Ressorts, würden Amerikas Verbraucher dann zusätzlich zur Kasse gebeten. Richter Leon sah es anders: Die Konkurrenz könne im Wettbewerb selbst dann bestehen, wenn sie auf das Angebot von Time Warner gänzlich verzichten müsste.

Das Urteil bedeutet eine Schlappe für Donald Trump, der versprochen hatte, das Zusammengehen der beiden Unternehmen zu verhindern.