VW-Prämie wird ausgeweitet

Thomas Strünkelnberg

Von Thomas Strünkelnberg (dpa)

Do, 24. Januar 2019

Wirtschaft

Die Diesel-Wechselrabatte für besonders belastete Regionen gibt es nun in ganz Deutschland.

WOLFSBURG. Der Autobauer Volkswagen weitet die Wechselrabatte zum Umtausch älterer Diesel auf ganz Deutschland aus – aber nur bis Ende April. Bislang war die sogenannte Wechselprämie Kunden in besonders belasteten Städten vorbehalten.

Bei der Inzahlungnahme eines Diesel-Fahrzeugs mit Euro-4- oder Euro-5-Abgasnorm sollten zusätzlich zum Restwert zwischen 500 und 7000 Euro gezahlt werden, kündigte die Konzernmarke VW Pkw am Mittwoch an. Bei Audi sind bis zu 9000 Euro drin. Experten reagierten allerdings skeptisch, für den Auto-Branchenfachmann Ferdinand Dudenhöffer geht es um reine Verkaufsanreize.

Im Kampf gegen drohende Diesel-Fahrverbote werde dies nicht helfen – "da kann Scheuer jetzt Luftsprünge machen", urteilte Dudenhöffer mit Blick auf Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der positiv auf das VW-Tauschangebot reagiert hatte. Vielmehr gehe es darum, VW und Audi im Markt zu stabilisieren, schließlich seien wegen der schwierigen Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard WLTP die "Marktanteile wahnsinnig in die Knie gegangen". Auch Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, sprach von einem "reinen Verkaufsprogramm". Dies sei ein "Zeichen dafür, dass die Autoindustrie nicht wirklich etwas ändern möchte".

Branchenexperte Stefan Bratzel schränkte ein, die Aktion könne "etwas bringen". Er sprach von einer symbolischen Maßnahme, die eigentlich früher hätte kommen müssen. Aber: "Dass die Luftqualität messbar besser wird, das halte ich kaum für möglich. Wenn VW mehr verkauft, hilft es VW."

Audi verzeichnet weniger Verkäufe

VW gab bekannt, dass die Rabatte beim Wechsel zu einem Neuwagen zwischen 500 Euro für den Kleinwagen Up und 7000 Euro für Passat oder Touareg betragen sollen – und zwar vom 24. Januar an. Marken-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann betonte, dies unterstreiche das VW-Engagement für eine bessere Luftqualität. Die sogenannte Wechselprämie werde auch für Jahreswagen gewährt, die Prämienhöhe sei dann aber geringer. Außerdem gelte weiter der Umweltprämie genannte Rabatt bei Verschrottung eines Diesels mit der Abgasnorm Euro 1 bis Euro 4 und Umstieg auf einen VW-Neuwagen oder -Jahreswagen.

Die VW-Tochter Audi bietet Autofahrern für ihren Euro-4- oder Euro-5-Diesel beim Kauf eines neuen Audis zwischen 2000 und 9000 Euro Rabatt. Auch dieses Angebot gilt bis Ende April. Der Autobauer ist wie VW bei der Umstellung seiner Modelle auf den neuen Verbrauchs- standard WLTP im Verzug. Dies ist ein Grund dafür, dass Audi 2018 in Deutschland nur 260 000 Fahrzeuge verkaufte – 12 Prozent weniger als im Vorjahr. Nach Angaben von VW wurden mit Hilfe der Rabattaktionen bereits mehr als 240 000 alte Diesel gegen neue Wagen getauscht.

Auch andere Autobauer gewähren Preisabschläge beim Neuwagenkauf, um ältere Diesel von den Straßen zu holen. Daimler beispielsweise bietet für Diesel der Marke Mercedes-Benz je nach Modell bis zu 10 000 Euro in den besonders belasteten Gebieten außerhalb sind es 2000 Euro. BMW gewährt bei der Inzahlungnahme von Dieselautos der Abgasnorm Euro 4 oder Euro 5 in besonders belasteten Regionen Rabatte von 6000 Euro.

Dagegen hatte sich die Branche gegen Hardware-Nachrüstung hartnäckig gewehrt. Dabei geht es um den Einbau von SCR-Katalysatoren, um den Schadstoffausstoß zu senken. VW und Daimler sagten aber zu, Dieselautos in 15 "Intensivstädten" mit besonders hoher Schadstoffbelastung für bis zu 3000 Euro pro Wagen mit einer Hardware-Lösung nachrüsten zu lassen.