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19. Juni 2017

Wer allein lebt, lebt ziemlich teuer

Viele notwendige und schöne Dinge des Lebens sind für zwei Personen einfach günstiger / Verheiratete genießen Steuervorteile.

  1. Singles haben oft höhere Wohnkosten. Foto: Lee KEY (Unsplash.com)

MÜNCHEN. Ein ruhiges Leben als Single mag viele Vorteile haben: Niemand meckert, wenn die Zahnpastatube nicht zugeschraubt wurde, wenn jeden zweiten Abend Fußball im Fernsehen läuft oder der Toilettensitz oben bleibt. Auch über ihr Geld können Singles allein verfügen. Doch gerade da stellt sich heraus: Nicht nur die Liebe spricht für die Paarbildung, sie lohnt sich auch finanziell. Denn viele notwendige und schöne Dinge des Lebens sind für zwei Personen einfach günstiger und das nicht nur, weil geteilte Kosten halbe Kosten sind. Einige Beispiele:

Wohnen
Der typische Single hat mehr Platz zur Verfügung, wohnt aber im Verhältnis auch teurer. Nach dem jüngsten Datenreport des Statistischen Bundesamtes lebten Singles im Mai 2011 durchschnittlich auf rund 70 Quadratmetern, Paare mit Kindern dagegen auf 30 Quadratmetern pro Person. Da bei kleineren Wohnungen die Kosten für die Erschließung, für den Einbau von Küche oder Bad ebenso anfallen wie bei größeren Einheiten, sind die Mieten und Anschaffungskosten verhältnismäßig höher, wie eine Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland sagt. Hinzu kommt: Anders als Alleinlebende können sich etwa berufstätige Paare die Mietzahlung für eine gemeinsame Wohnung teilen. So lag der Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Haushaltseinkommen 2015 nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes bei Singles bei gut 39 Prozent – bei zwei Erwachsenen ohne Kind war es lediglich gut ein Viertel.

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Einkaufen
Schon seit jeher gilt: Wer größere Mengen kauft, spart üblicherweise. Ob Käse, Wurst oder Toastbrot – nicht immer, aber oft werden kleinere Mengen zu vergleichsweise höheren Preisen angeboten, weil die Verbraucher beim Einkauf auch die im Verhältnis teurere Verpackung und die Logistik mitbezahlen müssen, sagt Susanne Moritz von der Verbraucherzentrale Bayern. "Der wichtigste Tipp, den wir den Verbrauchern immer geben, ist, auf den Grundpreis zu schauen." Dieser muss auf den Preisschildern im Supermarkt aufgedruckt sein. Auch der Einkauf loser Waren, die abgewogen werden, kann helfen, Preistreiberei zu vermeiden. Zu Singlepackungen sollten die Verbraucher am besten nur bei verderblichen Waren greifen, rät Moritz. Alle Produkte, die sich länger aufheben oder einfrieren lassen, könne man auch als Alleinstehender kaufen und dann in Ruhe aufbrauchen.

Reisen
Auch hier haben Singles und andere Alleinreisende das Nachsehen, wie ein Rechenbeispiel der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen zeigt: Für eine gut zwölftägige Pauschalreise nach Spanien geben zwei oder mehr Personen pro Kopf durchschnittlich 1071 Euro aus, Alleinreisende aber im Schnitt 100 Euro mehr. Hauptfaktor dabei ist der Einzelzimmeraufschlag, wie ein Sprecher der Forschungsgemeinschaft sagt.

Steuern
Hier können sich ebenfalls ganz erhebliche Vorteile für Verheiratete und eingetragene Lebenspartnerschaften gegenüber Singles ergeben, denn sie können vom Ehegattensplitting profitieren. Die Einkommen beider Partner werden dabei zusammengerechnet und durch zwei geteilt. Für diese Hälfte wird die Einkommenssteuer berechnet, verdoppelt und dann als gemeinsame Einkommenssteuer für das Paar erhoben. Vor allem dann, wenn einer der beiden Partner viel mehr als der andere verdient oder sogar alleine für den Lebensunterhalt aufkommt, lohnt sich das Ehegattensplitting.

Mobilität und Freizeit
Auch hier profitieren Paare, denn die Kosten für ein Auto wie Anschaffung, Kraftstoffe und Reparaturen lassen sich gemeinsam besser aufbringen. Vorausgesetzt, beide Partner verdienen Geld. Aber auch Tickets für den öffentlichen Nahverkehr sind für Paare oder Familien pro Kopf verhältnismäßig günstiger als für Alleinfahrer.

Autor: Christine Schultze (dpa)