Wer darf für Energie sorgen?

René Zipperlen

Von René Zipperlen

So, 19. August 2018

Wirtschaft

Der Sonntag Wettbewerb um Strom- und Gasnetze vor Gericht.

Um die Strom- und Gasnetze der Städte und Gemeinden ist ein Bieterrennen entbrannt, in das immer häufiger staatliche Stellen oder gar Gerichte eingreifen müssen: Protagonisten in diesem Kampf um den Netzbetrieb sind vor allem die Freiburger Badenova und Energiedienst aus Laufenburg. In einem aktuellen Fall für die geplanten Stadtwerke von Lörrach und Weil am Rhein hat Energiedienst nun sogar das Oberlandesgericht zur Klärung angerufen. Aus Sicht der Laufenburger war das Verfahren intransparent und Lörrach soll gegen das Neutralitätsgebot verstoßen haben – die Beratungsgesellschaft der Stadt im Bieterverfahren sei jahrelang auch für Badenova tätig gewesen, teilweise in Personalunion, so ED-Sprecher Alexander Lennemann.

Hintergrund ist, dass bis 2020 in den Kreisen Lörrach und Waldshut fast 20 Konzessionen für Gas- und Stromnetze auslaufen und viele Kommunen ihre Netze wieder zurückkaufen möchten, um den Betrieb selbst zu leiten und Netznutzungsgebühren selbst zu kassieren – von Renditen um die fünf Prozent geht etwa Lörrach aus – nicht schlecht, wenn man wie derzeit für das Ersparte Strafzinsen bezahlen muss. Weil den Gemeinden aber das Know-how für das zunehmend komplexe Netzmanagement fehlt, brauchen sie in einem ersten Schritt Partner für ihre Stadtwerke. Das Prekäre: Die Gasnetze in der Region gehörten meist der Badenova, die Stromnetze dagegen Energiedienst. Doch längst ist Südbaden zu einem Flickenteppich geworden.

Schon die Partnerwahl kann daher für viel Ärger sorgen. Gerade erst konnte Energiedienst einen Sieg vermelden: Gemeinsam mit den Stadtwerken Bad Säckingen als Gasdienstleister kann der Stromversorger nun mit Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen kooperieren, um eine Netzeigentumsgemeinschaft zu gründen. Dem stand bis vor kurzem noch die Beschwerde des Mitbewerbers Badenova im Wege, der die Vergabekammer des Landes zur Überprüfung aufgerufen hatte und gescheitert war – wie zuvor Energiedienst im Fall Lörrach und Weil. In einem zweiten Schritt werden sich dann die Partner um die neuen Konzessionen für Gas und Strom bewerben.

Für die Energieversorger ist das oft der einzige Weg, ihre angestammten Netze nicht an kommunale Konkurrenz zu verlieren – und immerhin bleibt so ein Teil der Netznutzungsentgelte noch in der eigenen Kasse. Auch Kundenwerbung und Kundenbindung ist ein wichtiger Punkt. Und die Kommunen bekommen nicht nur Geld, sondern erhoffen sich auch mehr Einfluss auf die Energiepolitik vor Ort. rené Zipperlen