Lobby

Wer wird der neue Präsident des Automobilindustrie-Verbands?

Roland Pichler

Von Roland Pichler

Fr, 01. Dezember 2017 um 00:00 Uhr

Wirtschaft

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, hört nächstes Frühjahr auf. Ein möglicher Nachfolger ist bereits in Sicht.

Seit 2007 führte Wissmann den Verband mit Geschick. Viel Zeit verbrachte der frühere CDU-Bundestagsabgeordneter und Verkehrsminister im Kabinett Kohl damit, den Automanagern zu erklären, warum die Politik denkt, wie sie denkt. Aus den unterschiedlichen Sichtweisen eine Lösung zu beiderseitigem Nutzen zu entwickeln, ist Wissmanns Stärke. Als Verbandschef war er auch deshalb so erfolgreich, weil er den politischen Betrieb kennt. Er wusste genau, an wen sich ein Lobbyist wenden muss.

Dass er nun den Termin bekannt gibt, zu dem er ausscheidet, deutet darauf, dass die Suche nach einem Nachfolger weit fortgeschritten ist. Dass Wissmann aufhört, ist lange bekannt. Er will im Frühjahr 2018 abtreten, wohl im April oder Mai. Dann wird Wissmann 69 Jahre alt und sein Vertrag läuft aus. Der Ludwigsburger hatte schon bei der letzten Verlängerung deutlich gemacht, dass es seine letzte Amtszeit sein wird. Vor einigen Monaten war spekuliert worden, dass Wissmann vorzeitig abberufen werde. Die Informationen waren falsch. Neu ist, dass Wissmann etwas früher geht als erwartet. Ursprünglich hatte der VDA von Sommer 2018 gesprochen.

Für den Verband erfolgt der Stabwechsel in einer schwierigen Zeit. Die Industrie hoffte, dass eine neue Bundesregierung schnell Klarheit in der Dieselkrise schafft. Doch die Regierungsbildung zieht sich hin. Im Februar wird das Bundesverwaltungsgericht über Fahrverbote entscheiden. Das fordert den Verband heraus. Ende Januar wollen die Autobauer und Zulieferer bekannt geben, wer Wissmann nachfolgt. Um die Suche soll sich Daimler-Chef Dieter Zetsche gekümmert haben, er ist VDA-Vizepräsident.

Für den Präsidentenjob soll nach Informationen aus Branchenkreisen der frühere Ford-Statthalter Bernhard Mattes aussichtsreichster Bewerber sein. Mattes war als ehemaliger Ford-Deutschland-Chef auch Vizepräsident des VDA. Seit 2013 ist er Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland. Den Zugang zur Berliner Spitzenpolitik müsste sich der 61-Jährige noch ebnen. Das nötige diplomatische Geschick bringt er mit.

Als weiterer Kandidat wird der frühere baden-württembergische Ministerpräsident und amtierende Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) genannt. Dass er zur Verfügung steht, ist aber unwahrscheinlich. Oettingers Amtszeit in Brüssel läuft bis 2019, wo er die durch den Brexit schwieriger gewordenen Haushaltsverhandlungen leiten muss. Als EU-Kommissar müsste er zudem eine Anstandszeit verstreichen lassen, ehe er in die Wirtschaft wechseln könnte.