Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. Juli 2012 19:52 Uhr

Teil 1

Leserfragen: Wie haften wir?

R. Jagschies aus Vörstetten fragt:Haftet Deutschland schon heute für viele Milliarden Schuldtitel anderer Länder?

R. Jagschies aus Vörstetten fragt: Die Kanzlerin erklärte: Keine gemeinschaftliche Haftung für Schulden anderer Eurostaaten (zum Beispiel Eurobonds), solange ich lebe. Aber die Europäische Zentralbank (EZB) hat – was ihr verboten ist – Staatsanleihen im Wert von 300 Milliarden Euro von Schuldenstaaten gekauft und die Bundesbank hat im Zahlungstransfer mit Zentralbanken anderer Euroländer Außenstände von 700 Milliarden Euro. Haftet Deutschland damit schon heute für viele Milliarden Schuldtitel anderer Länder?

Freiburger Wirtschaftswissenschaftler Oliver Landmann:
Die EZB hat kein Verbot gebrochen. Denn sie hat nicht direkt Staatsausgaben finanziert, sondern sie hat auf dem Kapitalmarkt bereits existierende Staatsanleihen gekauft. Das ist in der Wirkung nicht so ein großer Unterschied, aber es ist nicht verboten – und die EZB hatte für ihr Handeln einige gute Gründe. Sollten die Guthaben der Bundesbank aus dem Zahlungsverkehr mit den anderen Euro-Zentralbanken total abgeschrieben werden müssen (schlechtestes Szenario), haftet Deutschland nicht mit 100 Prozent, sondern ebenfalls "nur" mit seinem Kapitalanteil an der EZB – derzeit 27 Prozent. Trotzdem bleibt richtig: Deutschland ist Kreditrisiken von vielen Hundert Milliarden Euro ausgesetzt – sei es in Form von Forderungen deutscher Banken, von Anteilen an den Rettungsschirmen, oder eben auch von offenen Salden innerhalb des Zentralbankensystems. Dies ist die Kehrseite des jahrelangen Exportüberschusses. Der Exportweltmeister Deutschland hat seit Beginn der Währungsunion durchschnittlich fünf Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung auf Kredit ins Ausland verkauft, – insgesamt ein halbes jährliches Sozialprodukt – es aber mit der Kreditwürdigkeit seiner Kunden nicht so genau genommen. In dem Umfang, wie nun die Außenstände nicht mehr eingetrieben werden können, müssen die betreffenden Exporte als Geschenke umgebucht werden. Dies ist die Wahrheit.

Werbung


Mehr zum Thema:

Autor: BZ


1 Kommentar

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Die veröffentlichten Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

Rainer Brombach

Registriert seit: 11.11.2011

Kommentare: 856

17. Juli 2012 - 21:00 Uhr

Dass Deutschland es mit der Kreditwürdigkeit seiner Kunden nicht so genau genommen hat, und wir deshalb 700 Mrd. Targetsalden bei der Bundesbank haben, ist nicht richtig. Deutschland konnte bei diesen Kreditrisiken gar keine Kreditentscheidung treffen. Das System einer gemeinsamen Währung bringt es automatisch ohne deutsches Zutun mit sich, dass die Devisen, welche Deutschland mit seinen Exporten außerhalb des Euroraumes einnimmt, von den Defizitländern innerhalb der Eurozone dazu verwendet werden, ihre Einkäufe außerhalb der Eurozone zu bezahlen.

Durch das Eurosystem werden unsere Dollar, Yen, Franken oder Pfundbestände von den anderen Eurostaaten in Euroschulden von Griechenland, Spanien, Italien oder Portugal umgewandelt. Unsere guten Forderungen werden so in schlechte Forderungen getauscht.

Verstoß gegen Netiquette melden



Weitere Artikel: Wirtschaft