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15. März 2010 20:21 Uhr
Schwarzwald-Butter & Co.
Wie ist die Herkunft von Lebensmitteln zu erkennen?
Der Verbraucher hat es nicht einfach. Auf Lebensmittelverpackungen wimmelt es von Siegeln, Herkunftszeichen und Symbolen. Und dann gibt es auch noch Codes und Zeichen, die nur Lebensmittelprofis verstehen.
Bei der umstrittenen Schwarzwälder Butter zum Beispiel steht auf der Rückseite neben dem Aufdruck Breisgaumilch GmbH das sogenannte Identitätskennzeichen "DE BW 218 EG". Das Zeichen ist in erster Linie für die Überwachungsbehörden gedacht. Wer sich die Mühe macht, es im Internet zu googeln, der ahnt schon, dass diese Butter eine Reise hinter sich hatte: "Allgäuer Emmentaler-Käserei Leupolz eG. Wangen-Leupolz Allgäu" sagt das Internet. Dieses Identitätskennzeichen ist auf Verpackungen von Milch- und Fleischerzeugnissen gedruckt. Der Code verweist aber nur auf den Betrieb hin, der das Produkt zuletzt behandelt oder verpackt hat – über die Herkunft der Rohstoffe sagt er nichts aus. Es hätte also auch sein können, dass die Breisgaumilch ihre Milch aus dem Schwarzwald dorthin zur Verbutterung bringt. Hat sie aber nicht.
"Bei verarbeiteten Lebensmitteln ist es für den Verbraucher sehr schwer, eine echte Herkunft herzuleiten", sagt Heidi Schworm von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. In der Verantwortung seien die Hersteller: Was sie auf der Verpackung versprächen, darauf müsse sich der Verbraucher verlassen können. Den Freiburger Butter-Fall sieht sie deswegen als klaren Fall von "Irreführung und Täuschung des Verbrauchers, weil die Milch nicht aus dem Schwarzwald kommt". Und Paragraf 11 des Lebens- und Futtermittelgesetzbuches verbietet es, mit irreführenden Darstellungen und Aussagen zu werben. Fühlt sich der Verbraucher verschaukelt, kann er sich bei der Lebensmittelbehörde vor Ort oder bei Verbraucherverbänden beschweren. So hat die Verbraucherzentrale in Stuttgart den Fall Breisgaumilch nun ihren Anwälten vorgelegt: "Wir prüfen, ob wir juristisch gegen die Firma vorgehen können."
Werbung
Hinter manchen der Labels auf den Produkten steckt nur wenig Hilfreiches – sie dienen eher der Werbung. Hinter anderen geschützten Siegeln stehen klare Anbaukriterien. So können seit 2001 Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft mit dem staatlichen Bio-Siegel gekennzeichnet werden. Schworm empfiehlt, sich selbst klar zu machen, was einem beim Einkauf wichtig ist: "Nicht jeder Verbraucher hat die gleiche Erwartung an ein Produkt." Sie rät dazu, sich über die Siegel zu informieren.
Da über Herkunftsbezeichnungen immer wieder heftig gestritten wurde, hat sich die EU eingeschaltet. Sie führte Zeichen ein, die regional bedeutsame Produkte vor Nachahmung schützen sollen. Auch der Schwarzwälder Schinken hat ein solches Gütezeichen: Seit 1997 ist "Schwarzwälder Schinken" ein Lebensmittel mit einer geschützten geographischen Angabe. Er ist nur dann ein Schwarzwälder Schinken, wenn er im Schwarzwald hergestellt wurde. Aber: Die Schweine für den Schinken dürfen auch aus anderen Teilen Deutschlands oder anderen EU-Staaten kommen. Solche Produktnamen müsse der Verbraucher auch hinterfragen, fordert Schworm. "Jeder, der mal im Schwarzwald war, hat schließlich nicht die vielen Schweine gefunden."
Wirklich regionale Produkte, von denen man genau sagen kann, woher sie kommen, bieten wohl nur Hofläden oder Geschäfte an, die sich darauf spezialisieren – wenn sie nicht schwindeln.
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Autor: Michael Neubauer
