Trotz guter Konjunktur

41 Prozent der Neueinstellungen befristet

dpa und Barbara Schmidt

Von dpa & Barbara Schmidt

Do, 30. August 2018 um 20:30 Uhr

Wirtschaft

Trotz Fachkräftemangels erfolgen viele Neueinstellungen nur auf Zeit – besonders bei unter 25-Jährigen und Frauen. Am Donnerstag gab die Arbeitsagentur die Arbeitmarktdaten für August bekannt.

Die Sommerpause und Werksferien in vielen Betrieben haben die Arbeitslosigkeit in Deutschland im August leicht steigen lassen. Die Quote legte um 0,1 Punkte auf 5,2 Prozent zu, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Die Zunahme sei allein jahreszeitlich bedingt und etwas schwächer ausgefallen als erwartet, erläuterte BA-Chef Detlef Scheele. Der Boom auf dem Arbeitsmarkt dauert an. Trotz hoher Nachfrage nach Arbeitskräften werden 41 Prozent jener, die eine neue Stelle antreten, aber nur befristet eingestellt.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Die Rheinische Post hatte am Donnerstag darüber berichtet. Junge Menschen unter 25 Jahren (46 Prozent) und Frauen (46 Prozent) sind demnach am häufigsten betroffen. Von den befristet Eingestellten wird weniger als die Hälfte (42 Prozent) übernommen.

Nach Informationen des Deutschlandfunks wurden von den über 25-Jährigen 40 Prozent befristet angestellt, bei den Männern waren es 37 Prozent. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr demnach rund 3,5 Millionen Neueinstellungen – davon erfolgten 1,5 Millionen befristet. Die höchsten Befristungsquoten hatten Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, die niedrigsten Hamburg und Schleswig-Holstein.

Kürzlich hatte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mitgeteilt, dass die Zahl der befristeten Arbeitsverträge im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht habe. Zugleich seien aber auch die Übernahmechancen in eine unbefristete Beschäftigung seit Jahren kontinuierlich gestiegen, so die Forschungseinrichtung der BA.

Auf dem Arbeitsmarkt insgesamt läuft es nach wie vor gut: Die Zahl der Menschen ohne Job nahm im August zwar um 26 000 auf 2,351 Millionen zu – das waren aber so wenige wie zuletzt im August 1991. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl um 194 000. "Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter günstig, die Arbeitslosigkeit hat im August erwartungsgemäß leicht zugenommen", so Scheele. Viele Schulabgänger und Ausbildungsabsolventen melden sich im Sommer zunächst arbeitslos. Auch Unternehmen halten sich in den Betriebsferien in der Regel mit Neueinstellungen zurück.

BA-Chef: Günstige Entwicklung des Arbeitsmarkts dauert an

Rechnet man die jahreszeitlichen Einflüsse heraus, lag die Arbeitslosenzahl bei 2,33 Millionen. Demnach waren zuletzt etwa 8000 Männer und Frauen weniger ohne Job als im Juli. Jene Jobsucher eingerechnet, die derzeit Förderprogramme der Arbeitsagenturen und Jobcenter absolvieren, waren 3,236 Millionen Menschen ohne Arbeit. Die Zahl sank saisonbereinigt im Vergleich zum Vormonat um 18 000. "Ich glaube, am Arbeitsmarkt muss man sich zurzeit keine Sorgen machen", so Scheele. Für die kommenden Monate und das nächste Jahr rechnet der BA-Chef nicht mit einer Trendwende.

Die Frage sei eher, wie die offenen Arbeitsplätze besetzt werden können. Bei der Bundesagentur waren im August etwa 828 000 offene Stellen gemeldet – 62 000 mehr als vor einem Jahr. Die Nachfrage nach Mitarbeitern sei weiterhin hoch. Besonders gesucht werden laut BA Fachkräfte in Metall-Berufen, Logistik, Verkauf und im Gesundheitswesen.

Die Zahl aller Erwerbstätigen lag nach Daten des Statistischen Bundesamts im Juli bei 44,95 Millionen – ein Plus von 46 000 gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 574 000 Erwerbstätige mehr. Der Anstieg gehe allein auf mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zurück, hieß es. Nach Hochrechnungen der Bundesagentur hatten zuletzt 32,87 Millionen Menschen einen regulären Job – 704 000 mehr als ein Jahr zuvor. Erfreulich sei, dass seit Oktober vergangenen Jahres der Zuwachs wieder mehr auf Vollzeitarbeitsplätze zurückgehe, erklärte Scheele. Die angekündigte Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeitrag nannte er angemessen: "Das ist die größte Beitragssenkung in der Geschichte der Bundesagentur für Arbeit."